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Klotzen statt Kleckern

 
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 ·  #31
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 ·  #32
ich hab gelesen, dass mittlerweile sogar Stars, die früher Millionengagen verdienten, sich nicht mehr zu fein dazu sind, die Dienste von Pfandleihhäusern in Anspruch zu nehmen.

in manchen dieser Pfandleihhäuser soll die Auswahl mittlerweile richtig klasse sein.

schätze mal, die Betreffenden lassen eine (wertlose) Kopie des Schmuckstücks / der Schmuckstücke anfertigen, um weiterhin "Klotzen" zu können und bringen das Original erstmal weg.

die richtig schönen und echten Schmuckstücke bleiben wohl hinter verschlossenen Türen. wo auch immer.
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 ·  #33
Das Schlimme ist, dass unsere ganze Branche es in ihrer verschlafenen und krummfingerigen, vom Geiz geprägten Arroganz zugelassen hat, dass Schmucktragen UNMODERN geworden ist! Und wenn Schmuck, dann solcher der nix kostet, oder zumindest NICHT ECHT ist! Das ist schick, da muss man mitmachen. Selbstverständlich Frau auch.

Ursache ist dekadenter Verzicht auf die Zuschaustellung dei eigenen (wirtschaftlichen) Potenz. Wenn Geld ausgegeben wird, dann für vollkommen blödsinnige, durch den Mangel an jeglicher Not zum Kult avancierte Markenartikel. Jeans mit vorgefertigtem Verschleiß signalisieren eine schicke Form der Armmut, Camel-Stiefel mit durchgelaufenen Sohlen sorgen für einen falschen Eindruck: Der Mann geht nicht zu Fuß, schon gar nicht bis die Sohlen durch sind, er lässt sich herumkutschieren und lacht sich über die Dusseligkeit der Konsumenten kaputt, die in ihrer verzweifelten Suche nach einer eigenen Identität sogar viel Geld dafür bezahlen, dass sie sich ohne jeden weiteren Grund, die Gesundheit ruinieren und womöglich mit vierzig an eiunem Bronchialkarzinom verrecken. Egal, Hauptsache schick und gesellschaftskonform.

Was den Leuten fehlt, ist etwas mehr persönliucher Mut. Etwa um das zu tun, was man selbst wirklich möchte. Da jedoch ganz oben auf der Liste der Prioritäten steht: Um Gottes Willen nicht anecken", entwickelte sich das Verhalten in die entsprechende Richtung. Eine Nation von stromlinienförmigen Zäpchen, mit typisch deutscher Verhaltensweise!

Was ich für die Juweliere gesagt habe, die ihre teueren Waren in den Tresoren lassen und statt dessen Modemarkenkitsch dekorieren, gilt durchaus auch für den privaten Bereich. Der Schmuck wir nicht mehr getragen, weil es Mode ist, wie ein Landstreicher herum zu laufen. Mit merkwürdigen Klamotten, aus teuren Boutiquen, sündhaft teuer, aber eigentlich beim Kauf schon Lumpen. Dafür aber mit einem bekannten Logo bestickt. Und die Männer? Auch nicht sehr viel besser. Da bleibt die goldene Rolex auf einem teuren Uhrenbeweger, zur Freude des Besitzers. Getragen wird eine etwas billigere aus der Stahlkollektion. Mode sind (schon etwas länger) Zwiebeln mit viel Technik und Knöpfen. Da lacht das Kind im Manne. DEa die Dinger aber ()bei Männern) was kosten müssen, ist der Preis meist vollkommen ungerechtfertigt. Aber Mann hat´s doch, und das will man zeigen. Mit Uhr, mit Auto und dem Reisepass. Oder mit einem Fake wenigstens so tun als ob. Den Rest macht die Sonnenbank.

Die Schmuckbranche? Seber dran schuld! Vor vielen Jahren bereits haben Rufer in der Wüste eine Abkehr von der herrschenden Abstinenz in Sachen Imagewerbung gefordert, Konzepte entwickelt, sich bemüht, Vereine gegründet, alles vergebens! Der Geiz siegte. Nun haben sie die Quittung und der richtige Katzenjammer wird wohl erst noch kommen. Spätestens dann, wenn die Banken nicht mehr mitmachen, weil keine Rücklagen und Sicherheiten zum Nachschieben mehr da sind. Aber bis dahin trägt man im deutschen Schmuckland die Nase noch weiterhin so hoch, dass es in die Nasenlöcher rein regnet!
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 ·  #34
so wie ich die Gewohnheiten bei Schmuck in meiner Umgebung so sehe, geht der Trend weiterhin zu groß, plump, klotzig, aber billig.

Zitat geschrieben von Ulrich Wehpke
Das Schlimme ist, dass unsere ganze Branche es in ihrer verschlafenen und krummfingerigen, vom Geiz geprägten Arroganz zugelassen hat, dass Schmucktragen UNMODERN geworden ist! Und wenn Schmuck, dann solcher der nix kostet, oder zumindest NICHT ECHT ist! Das ist schick, da muss man mitmachen. Selbstverständlich Frau auch.


hab ich auch gesehen.

Zitat geschrieben von Ulrich Wehpke

Was den Leuten fehlt, ist etwas mehr persönliucher Mut. Etwa um das zu tun, was man selbst wirklich möchte. Da jedoch ganz oben auf der Liste der Prioritäten steht: Um Gottes Willen nicht anecken", entwickelte sich das Verhalten in die entsprechende Richtung. Eine Nation von stromlinienförmigen Zäpchen, mit typisch deutscher Verhaltensweise!


heutzutage sind viele mit Arbeitsplatzerhaltung, Arbeitsplatzsuche und sonstigen wirtschaftlichen Problemen vollauf beschäftigt, da bleibt eben wenig Zeit für "Selbstentfaltung" abseits der durch die Massen breit ausgetretenen Wege.

Zitat geschrieben von Ulrich Wehpke

Die Schmuckbranche? Seber dran schuld! Vor vielen Jahren bereits haben Rufer in der Wüste eine Abkehr von der herrschenden Abstinenz in Sachen Imagewerbung gefordert, Konzepte entwickelt, sich bemüht, Vereine gegründet, alles vergebens! Der Geiz siegte. Nun haben sie die Quittung und der richtige Katzenjammer wird wohl erst noch kommen. Spätestens dann, wenn die Banken nicht mehr mitmachen, weil keine Rücklagen und Sicherheiten zum Nachschieben mehr da sind. Aber bis dahin trägt man im deutschen Schmuckland die Nase noch weiterhin so hoch, dass es in die Nasenlöcher rein regnet!


das ist diese "never touch a running system" Mentalität. "ham wir immer so gemacht, hat immer funktioniert".
so schade das auch ist, aber ein Umdenken gibt es erst dann, wen das Haus schon in Flammen steht, um das mal bildhaft auszudrücken.

immer wieder wird gepredigt, dass Medienmonitoring, Konkurrenzbeobachtung und ein allgemeines Up-to-date-sein und eine Aufgeschlossenheit gegenüber aktuellen Trends, Entwicklungen, Marketing- und Werbestrategien überlebensnotwendig ist.
aber die Kosten, Zeit und Mühe dafür muss man eben erstmal aufbringen. und es geht ja auch lange ohne solche Dinge. solang bis es eben nicht mehr geht.
also, ich kenn das eher weniger aus der Schmuckbranche, sondern aus anderen Branchen. "prima Idee, was Du da vorschlägst, da reden wir nochmal drüber ... nächstes Jahr. außerdem haben wir für sowas keine Zeit. Du kannst das ja in Deiner Freizeit machen und uns die Ergebnisse dann kostenlos zur Verfügung stellen, wenn es Dir so wichtig ist."
und so beißt sich die Katz halt in den Schwanz.

aber mal ganz konkret zum Thema Schmuck:

Imagewerbung für Schmuck - das wäre eine Thema, mit dem sich die Innungen beschäftigen sollten, nehm ich mal an? oder die PR-Leute der großen Schmuckmessen? oder wer wäre denn rein theoretisch für sowas verantwortlich?

ich mein, ein einzelner Juwelier kann sicher viel in dem Bereich machen, aber die meisten Juweliere sind nicht überregional bekannt, daher bleiben die Ergebnisse eher im lokalen Bereich. für diesen bestimmten Juwelier wird es sich vielleicht auszahlen, doch für die Branche im Allgemeinen bringt das nicht viel. ist aber auch nicht Aufgabe des einzelnen Juweliers oder Goldschmieds, würd ich mal sagen.

Grüße erstmal
Khalida
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 ·  #35
Schmuck wird nach wie vor getragen - fragt sich nur welcher. Ältere Damen tragen meist konventionellen, oft ererbten Schmuck. Jüngere greifen zu billigem Modeschmuck, weil moderne Designerschmuckstücke für sie in unbezahlbaren Regionen schweben. Leider verlangen manche Juweliere für ihren "Designersilberschmuck" Preise, die weit über dem Etat der meisten Frauen liegt. Vom Goldschmuck mal ganz zu schweigen. Irgendwie scheint ein Designernamen den Preis gleich mal um 300 Prozent zu überhöhen - warum eigentlich? Es gibt genug Goldschmiede, die ebenso schönen, modernen Schmuck zu bezahlbaren Preisen machen, mir scheint nur, sie vermarkten sich nicht effektiv genug und gehen unter in der Masse der aufdringlichen Anbieter.
Das sollte doch ein Angriffspunkt sein, dass sich hier die Goldschmiede zusammen tun um ihr Handwerk besser an die Frau zu bringen.
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 ·  #36
Der Deutsche ist ein "Habichauch-Kunde". Und was dabei raus kommt, das sehen wir zur Zeit überdeutlich. Er hat das was alle haben, das was aus der Werbung bekannt ist, das was Bekannte und Freunde haben. In Buchstaben: Thomas Sabo, Pandora, Swarowski und wie sie noch alle heißen mögen. Und das Ganze so billig wie möglich. Uniformer Geschmack, uniformes Verhalten, uniformer Individualismus :mrgreen:
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 ·  #37
Zitat geschrieben von Ulrich Wehpke
... uniformer Individualismus :mrgreen:


:lol: Genau!

Das ist ja in allen Bereichen so. Auch wer es sich finanziell leisten könnte, strebt danach, bei dem speziellen In-Laden zu kaufen, wo "alle" (= diejenigen, zu denen man gehören möchte) kaufen, statt sich das Vergnügen zu gönnen, nach wirklich ausgefallenen, ungewöhnlichen, neuen Einzelstücken zu suchen.

Ich glaube, dabei ist der Akt des Kaufens wichtiger, als das Besitzen. Es ist nicht die Befriedigung des Jägers und Sammlers, der ein besonders schönes Stück gefunden hat, was auch einmalig bleibt, weil andere es gerade nicht so einfach auch finden können. Es geht mehr darum, sagen zu können, ich habe gestern bei XXX eingekauft. Was man gekauft hat, ist zweitrangig.

Das ist m.M. Ausdruck einer großen Unsicherheit.

Wenn kleine Mädchen zu Frauen werden, kommt erst eine Phase, in der sie alles genauso machen wollen, wie die Freundinnen. Um später mal einen ganz persönlichen Stil entwickeln zu können, ist ein Reifungsprozess nötig - und eine gute Portion Selbstbewusstsein.

Letzteres geht den meisten Menschen in unserem Land aber sowieso ab.

LG Turi
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 ·  #38
Eure Antworten zeigen aber schon, dass das Image der Goldschmiede - zumindest bei den jüngeren Käufern/innen nicht richtig im Bewusstsein ist. Wie man hier ja auch so oft sieht, kennen viele nicht einmal den Unterschied von Goldschmied und Juwelier. Manche werfen da sicher auch noch den Bijouteriediscounter mit in den Topf.
Meines Erachtens müsste hier einfach mehr Marketing betrieben werden - das schafft natürlich aus finanziellen Gründen ein einzelner Goldschmied nicht, aber wenn sich viele zusammentun (über die Innung z.B.) könnte schon etwas dabei heraus kommen. Es ist durchaus möglich, den Leuten beizubringen, dass sie selbst ein höheres Selbstwertgefühl bekommen können, wenn ein Unikatschmuckstück am Hals oder Finger ist.
Ich schreibe dies alles aus dem Grund, weil ich mich schon öfter darüber geärgert habe, dass es zwar viele individuelle Internetseiten von Goldschmieden gibt, die aber kaum jemand wahrnimmt, weil halt jeder erst mal unter Markennamen oder gleich im Ibähh sucht. Eine überregionale gemeinschaftliche Imagewerbung mit einem markanten Schlagwort, das dann jeder auf seiner Seite einbaut, könnte vieles bewegen.
Na ja, vielleicht träum ich auch nur, aber mit Marketing und Werbung befasse ich mich halt täglich :roll:
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 ·  #39
Google ganz einfach mal unter IS (Initiative Schmuck) oder auch unter "JRG", da siehst Du, was alles in dieser Richtung schon unternommen wurde. Es gin hierbei immer um Gemeinschaftswerbung in den Medien. Originalton eines deutschen Juweliers (stellvertretend für die Branche) " Zeigt mir erst mal, dass sich diese Werbung in meiner Kasse bemerkbar macht. Wenn das der Fall sein sollte, dann bin ich auch unter Umständen bereit, mich mit 50 Mark zu beteiligen! (Wohlgemerkt, diese stolze Summe war als Jahresbeitrag von dem Juwelier ins Auge gefasst worden! Und das für Fernseh.und Printmedienwerbung!)

Noch Fragen zur Sache? :mrgreen:

Übrigens: Die JRG ist von den Verbänden gekapert worden und die IS scheiterte an der Engstirnigkeit der jenigen, für die die ganze Mühe gedacht war. Und unbefriedigend beantwortet blieb natürlich auch die misstrauische Frage danach, wer denn nun eigentlich dabei den großen Raibach machen würde. Denn unsere Kaufleute halten anscheinend nicht sehr viel von gemeinschaftlichen Anstrengungen. 50 Mark einzahlen und dafür 50 000 mehr Umsatz machen, das ginge ja zur Not eben noch...
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 ·  #40
Hallo Ulrich,
nur dass wir nicht aneinander vorbei reden: Die Initiative Schmuck geht ja ganz klar in Richtung Handel, also Juweliere. Und genau das meinte ich eigentlich nicht, sondern die kleinen Goldschmiede mit ihrem Unikatschmuck sollten sich auf einer gemeinsamen Plattform besser darstellen. Die Käufer sollen ja weg vom industriell hergestellten "genormten" Schmuck.
Ich war heute wieder mal im Städtchen, wir haben hier vier größere Juweliere und etwa sechs Goldschmiede (zwei davon kannst aber vergessen, das sind Freizeitkünstler), wovon nur einer im Internet passabel verteten ist. In den Auslagen der Geschäfte hab ich halt wieder mal festgestellt, dass die Goldschmiede einfach die weitaus schöneren Stücke haben. Der Rest war Einheitsbrei.
Dazu kommen hier noch zwei Geschäfte, die ein bisschen vielleicht 5 % selbst machen und der Rest des Sortiments ist auch Massenware.
Ich finde es persönlich einfach schade, dass das reine Handwerk zu ersticken droht. Da sind die Videos hier von Giacomo richtig erfrischend zu sehen, so stelle ich mir einen Goldschmied vor. Ok, ein bisschen mehr mehr Technik darf es schon mal dabei sein.
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 ·  #41
Ist nicht ein Plädoyer für ausgefallene Unikate in Verbindung mit Marketing schon ein Grundwiderspruch?

In dem oben Besprochenen sehe ich vor allem ein gesellschaftliches Phänomen unserer Tage. Individualismus ist kein allgemeingültiger Wert mehr, Gruppenzugehörigkeit ist heute wichtiger geworden. Dementsprechend werden die Statussymbole gewählt. Und Statussymbole sind nur dann "Symbole", wenn sie einen Wiedererkennungseffekt haben.

Dabei geht es ja darum, anderen zu zeigen (oder sie glauben zu machen... *gg*), dass man sich auf der Sonnenseite des Lebens befindet. Das dokumentiert man mit bekannten teuren Labels.

Wenn ich mir stattdessen aber ein genauso teures - oder teureres - Einzelstück vom Goldschmied leiste, weil es besonders schön ist, können das nur einige wenige Menschen wahrnehmen. Womöglich muss ich auch noch etwas Erläuterndes hinzufügen.

Alle anderen sehen nur eine "unbekannte Marke", selbst den Materialwert sehen nur wenige Kenner. Ansonsten weiß man nicht, ob man Autobahngold, billige Chinaimportware oder was "Selbstgebasteltes" vor sich hat.

Das Problem zieht sich durch alle möglichen Konsumbereiche. Wie könnte Marketing daran etwas verändern?

Was hängen sich die jungen Leute heute an die Wand? Seit ein paar Jahren gibt es einen Boom an Keilrahmen, sogar im Supermarkt zu finden. Früher gabs die nur im Fachgeschäft oder man musste selbst spannen. Diese Keilrahmen werden dann mit Tapetenresten, Geschenkpapier o.ä. beklebt, oder man wird selbst "künstlerisch" tätig indem man Decoupagen drauf klebt (noch ein Boom: Serviettentechnik *gg*). Ganz "Kreative" greifen selbst zu Pinsel und Acrylfarbe und malen sich ein Nike-Emblem - oder Ähnliches - auf ihre zum Teppich passend gefärbte Leinwand. :roll:

"Echte" Kunst ist auf breiter Ebene entwertet. Da diese zu erkennen auch was mit Bildung zu tun hat, sehe ich auch nicht, dass sich das bald mal wieder ändern könnte. Dazu kommt noch, dass sich kulturspezifische Elemente verwischen, Globalisierung ist halt nicht nur ein Wirtschaftsphänomen. Das macht aber das Beurteilen von Kunst auch nochmal schwieriger.

Btw: Giacomos Videos sehe ich auch sehr gerne, auch wenn die Ergebnisse selten meinen Geschmack treffen. Aber gute Handwerkskunst hat einen Wert in sich selbst - für mich jedenfalls. :D

LG Turi
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 ·  #42
Liebe Forum-Gemeinde,

branchenintern habe ich einige Diskussionen aufgegeben, aber da die Mehrzahl der Leser vermutlich einige Dinge nicht so genau weiß, finde ich es an der Zeit, diese Dinge ein wenig zu relativieren, denn das Bild welches gezeichnet wird erscheint mir ein wenig einseitig:

1. JRG/IS
Zitat
Übrigens: Die JRG ist von den Verbänden gekapert worden und die IS scheiterte an der Engstirnigkeit der jenigen, für die die ganze Mühe gedacht war.

Meine Mutter hat mit Ihrem Geschäft damals eine Vereinbarung unterzeichnet, dass sich der Rechnungsbetrag mit ihrem Hauptlieferanten um 5% erhöht, welche dieser Initiative zu Gute kommen. Für sie ist der Eindruck entstanden, dass zunächst mal nach Geld aus dem Fachhandel gerufen wurde und man dann mal schaut, was damit gemacht werden kann. Denn das einzig greifbare Ergebnis war eine CD mit Motiven, die sie bakam! Und 5% bei einem Hauptlieferanten sind ein paar Euro mehr im Jahr als die erwähneten 50! Dann bleibt natürlich nur ein übler Nachgeschmack für , in diesem Fall, "die Engstirnige".


2. Mainstream-Ware

Ich schreibe als einer, der ein Geschäft mit nicht unerheblichen Kosten, vor allem aber mit nennenswerter Personalverantwortung führt.
Es ist leicht diese Ware zu verteufeln, wenn man sein Geschäft in einer günstigen Kostenstruktur betreibt, vielleicht sogar "nur" Einzelkämpfer in einer B-Lage ist.
Für mein Geschäft sieht es so aus , dass ich den vergleichsweise hohen Bestand an "besseren/individuellen/handgefertigten" Waren durch die Rohgewinne aus dem niedrigeren Bestand an "Mainstream-Ware" subventioniere. D.h., dass es nicht eine Frage des Angebotes, sondern vielmehr eine Frage des Interesses ist. Übrigens stellt sich das auch in der Auslage (Schaufenster) so dar. Die aufwendigere Dekoration, der größere Platz für die "nicht-Maistream" Ware...
Mit dieser Aufteilung erreichen wir zwar einen höheren Anteil an (subjektiv) besserer/werthaltiger Ware als Kollegen die überwiegend auf Trends und Marken setzen, aber für eine betriebswirtschaftlich rentables Ergebnis kann es dennoch nicht aufkommen. Da hilft auch nicht, auf die Mentalität der Verbraucher zu schimpfen. Egal, ob es die "Geiz-ist-geil-Fraktion" oder die "Armee der uniformierten Konsumenten" ist.

3. Der "Juwelier", ein reiner Händler ohne Fachkompetenz? "...Nur ein Gewerbeschein genügt...."
Ich bin ganz sicher, dass der Verbraucher unterscheiden kann, ob jemand ein selbsternannter Juwelier ohne background ist oder nicht. Und auch einige fachlich versierte Teilnehmer dieses Forums sollten ein wenig mehr Objektivität gegenüber Kollgen oder Wettbewerbern zeigen.
Viele Juweliere (natürlich nicht alle!) haben durchaus handwerkliche Ausbildungen (Goldschmiede, Uhrmacher, Juwelenfasser) oder vergleichbare, die zur Führung eines Geschäftes befähigen (Gemmologen, Kaufleute... ) und sind in Ihren Städten als anerkannter Fachbetrieb über Generationen verwurzelt. Ein Juwelier hat nicht zwangsläufig keine (Goldschmiede-)Werkstatt. Auch wenn der Umsatzanteil der Handelsware entsprechend bedeutender ist, kann ein Juwelier durchaus ein größeres Handwerksvolumen in eignenen Werkstätten erzielen, als manch ein rein handwerklicher Goldschmiede- oder Uhrmacherbetrieb.
Wo "man" Schmuck kaufen sollte, muss jeder Verbraucher selbst entscheiden. Um zwei Extreme zu beschreiben: Er kann bei dem Goldschmied mit guter handwerklicher Qualifikation, der aber maximal lokale/nationale Messen oder gar nur das Internet besucht um seinen Wissensstand zu erreichen, genauso falsch aufgehoben sein, wie bei dem Juwelier-Kaufmann, der jede internationale Messe besucht und dort die schönsten Neuheiten sehen kann, aber nur nach günstiger, evtl. schlecht gemachter Ware sucht. Dass es dazwischen jede Menge Möglichkeiten gibt, wo der Juwelier-/Goldschmiede-Kunde ein für sich geieignetes Angebot finden wird bzw. einen guten Kauf tätigen kann, ist wunderbar und macht die Vielfalt der Branche aus.
Diejenigen, die, sei es aus welchen Gründen auch immer, unnötig und pauschal andere seriöse Teile der Branche diskreditieren, tun der Branche insgesamt keinen Gefallen. Vor allem wiedersprechen sie mit ihren Aussagen dem was Schmuck darstellen kann:
Individualität, Toleranz, Mut, Harmonie, ein Teil unserer Kultur und was jeder sonst mit Schmuck ausdrücken möchte.

Es ist wohl ähnlich wie in der Textilbranche: Der Schneidermeister, der "nur" eine Änderungsschneiderei betreibt, wird viel weniger Anlaufpunkt für die Mode-Käufer sein, als das Modehaus mit einem ausgewogenem Sortiment.
Andererseits hat sicher der ambitionierte Maß-Schneider ein Publikum, ohne gegen Modehäuser Stimmung machen zu müssen...

In diesem Sinne, schönen Sonntag für alle

Mathias
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 ·  #43
Volle Anerkennung.

Auch wenn ich es persönlich schade finde das schon mindestens 2 Anläufe, an denen ich mitgewirkt habe, gescheitert sind. Insofern verstehe ich die Verbitterung von Kollegen denen es ähnlich geht auch wenn Sie durch Ihre Meinung (aus meiner subjektiven Sicht) zum Scheitern beigetragen haben.

Wahrscheinlich wird es halt nichts werden mit einer konzertierten Aktion. Im Grunde zwar schade aber nicht schlimm. Auch andere Branchen haben dies nicht und existieren trotzdem.
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 ·  #44
Natürlich ist Markenschmuck vom Juwelier nicht wegzudenken, selbst der Plastikschmuck mit Goldaufdruck aus dem Kaufhaus hat zur rechten Zeit am rechten Ort getragen seine Berechtigung. Und jeder Branche soll es gut gehen.

Was mich zu meinem früheren Beitrag bewog, ist ganz einfach das "Wegsterben" der kleinen Goldschmiede, deren Kunst keine Anerkennung mehr findet. Hier geht einfach ein Stück Kultur verloren, das industriell hergestellter Schmuck nicht ersetzen kann - und wenn er noch so schön sein mag. Andere Branchen haben in der Tat dasselbe Problem, Möbel z.B. lässt kaum noch jemand beim Schreiner fertigen.
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 ·  #45
Viele kluge Worte!

Da fällt es schwer den Anfang zu finden. Am einfachsten ist es wohl der Reihe nach:
@Edelstein: Natürlich gingen beide Anläufe in Richtung Handel, denn der Juwelier ist nun mal die große Drehscheibe für Schmuck, hoffentlich bleibt er es auch. Der Werkstattgoldschmied ist überhaupt nicht in der Lage, a- den Bedarf mit seiner Produktion zu decken, und b- die Verkaufslogistik auf die Beine zu stellen um ein Land wie die BRD zu versorgen. Darüber hinaus ist der Juwelier als Auftraggeber für den Goldschmied für sehr viele Werkstätten (auch für mich) lebenswichtig. Schon aus diesem Grund unterstütze ich den Fachhandel wo es nur geht. Wenn Du beklagst, dass es immer weniger Goldschmiede gibt, die mit schönem, selbstgefertigtem Schmuck das Auge des sachkundigen Liebhabers erfreuen, dann liegt es ganz einfach daran, dass a- ein Goldschmied leben muss, was bekanntermaßen in einer Geizistgeilgesellschaft immer schwieriger wird, andererseits durch den Wandel in der Gestaltung Verfahrensweisen und Techniken notwendig geworden sind, die viele Kleinbetriebe nicht vorrätig haben.

Wer auf dem Standpunkt steht, dass er mit der Genialität seines Geistes, der Kunst seiner Hände und einer verrosteten Feile Dinge schaffen kann die sich mit denen mittels der modernen Herstellungsverfahren des 21. Jahrhunderts geschaffenen messen können, der irrt gewaltig! Und wenn er noch dazu der Ansicht ist, dass er davon auch noch leben kann, dann irrt er abermals. Schau ganz einfach mal in die Werkstätten, dann wird der Grund für das Aussterben (zumindest der Dinosaurier) schnell ersichtlich. Schade? Sicherlich, aber nicht ganz unverschuldet.

Plattform für Maketing: Die gibt es längst. Allerdings ist die Resonanz verhalten, denn die meisten der Kollegen halten einen Komputer immer noch für Teufelswerk und Internet etwas für die Enkel. Schau einfach mal bei www.goldschmiede-links.de Das ist unsere Gemeinschaftsseite, auf der man von Gemeinschaft noch recht wenig bemerken kann. :mrgreen:

@Turandot: Leider ist Deinen Worten kaum etwas entgegen zu halten, außer vielleicht, dass man auch Unikate verkaufen kann. Nur ist das Publikum in Deutschland für derartiges nicht gerade in Massen vorhanden.

@mathy: Relativieren ist immer gut. Die 5%-Beiträge der JRG wurden von der JRG erhoben, die ich als "gekapert" bezeichnet habe. Die 5%-Aktion ist nicht auf Betreiben der Günder dieser Gruppe eingeführt worden und hat auch nichts mit ihnen zu tun. Mein Vorwurf der Engstirnigkeit bezog sich im übrigen auf das Steckenbleiben der Initiative Schnuck (IS) Zitat"...die IS scheiterte an der Engstirnigkeit der jenigen, für die die ganze Mühe gedacht war." Diese Gruppe hat nichts mit der 5%-Aktion zu tun und auch nichts mit dem wundershönen Slogan" Schmuck ist..." Deine Mutter kann also keinesfalls dem Kreis der Engstirnigen zugerechnet werden. Das wollte ich klarstellen.

Natürlich ist mir vollkommen klar, dass die so gen. Maistream-Ware für unsere deutschen Juweliere unverzichtbar geworden ist. Leider trägt sie jedoch den Keim des Todes in sich. Ich sehe es so ähnlich, wie mit Commissionsware. Je aktueller, billiger, verlockender sie ist, um so gefährlicher ist ihr Würgegriff, denn der Juwelier muss natürlich bestrebt sein, diese Ware auch zu verkaufen. Damit dies geschieht, räumt er ihr die besten Plätze in seiner Werbung ein. Letztendlich zahlt sich aber diese Konzentration nicht aus, denn das eigene, kapitalintensive und bezahlte(!) Warenlager wird zugunsten der wohlfeilen und immer aktuellen Commissionsware vernachlässigt. Am Ende sitzt er auf einem unverkäuflichen Warenbestand. Und hier schließt sich der Kreis, denn Mainstream-Marken haben die gleiche Wirkung.

Es ist also vollkommen richtig, wenn der größere, bessere Platz, mit der aufwendigeren Deko, für die Nicht-Mainstream-Ware reserviert bleibt. Eine geradezu lebensnotwendige Maßnahme!

Den Teil 3 kann ich eigentlich voll unterstreichen. Ich habe unter meinen Kunden für die wir die Werkstatt machen, eine ganze Menge von Quereinsteigern die nicht aus dem Fach kommen. Manche dieser Leute, einer ist nun sogar Europa-getüvter Gemmologe, haben sich mit unglaublichem Interesse und großem Fleiß die erforderlichen Kenntnisse angeeignet, sie sind heute sehr wertvolle und gute Kunden für unsere Goldschmiedewerkstatt. Bezeichnenderweise haben sie einen deutlich höheren Anteil an modischen Anfertigungen aus Edelmetallen.

Und noch etwas gehört auch hier her: Die Goldschmiede Wehpke ist unter anderem auch so etwas wie eine Allround-Anlaufstation für Sachen, die niemand mehr anfasst, oder vielleicht auch einfach nicht kann, oder die für derart schwierig gehalten werden, dass man ganz einfach uns als die einzige Möglichkeit ansieht, um die Arbeit doch noch zu vollbringen. Natürlich bekommen wir so unter anderem auch eine ganze Menge an fachgerecht kaputtreparierten Dingen in die Hand. Manchmal war das Lötwasser noch nicht einmal trocken. Diese Dinge stammen jedoch merkwürdigerweise nicht von den Quereinsteigern. Das muss auch mal gesagt werden.

Die Zukunft unseres Berufes (Goldschmiede) sehe ich auch angesichts der jüngsten Erntwicklung als durchaus gesichert an. Bleiben wird den Werkstätten auf jeden Fall das Reparaturgeschäft, bleiben werden auch Anfertigungen und Umarbeitungen. Bleiben werden auch die Edelsteinfasser und die Edelmetallgalvanik. Zukunft haben moderne Herstellungsverfahren, wie CAD-Design, Rapid-Prototyping, der Edelmetall-Guss, mehrachsiges CNC-Fräsen und bleiben werden auch die Laserschweißgeräte. Wir haben unsere Schularbeiten gemacht.

Und was hab ich davon? Nichts als Arbeit! ;-) 😉
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