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Antike Granatbrosche bei Versand beschädigt- Bitte um Erfahrungen und Reparaturhinweise

 
tatze-1
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tatze-1

 ·  #16
Kleben ist in Sachen Edelsteine eh immer semioptimal. In meiner Restauratorenweiterbildung habe ich u.a. den Fischleim kennengelernt, der gerne für Klebungen und als Steinkitt hergenommen wird. Ein Restaurator wird schon das richtige Mittel finden.

Ostdeutschland. Hmmm. Ich kenne da nicht so viele Restauratoren im Gold- und Silberschmiedehandwerk (gibt ja auch keine wirklich konkrete vollständige Suchmöglichkeit, wenn man auf der Suche nach einem Handwerker ist und nicht nach einem Akademiker). Ich, weiß nicht, ob es einen Kollegen in Erfurt noch gibt. Ich habe einen in Saalfeld gefunden. Weitere Werkstatt, die mir einfällt hockt in Würzburg, ich selber bin in Nürnberg... Ich denke mal, es findet sich da schon jemand, der sich der Brosche entsprechend annimmt.
Tilo
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Tilo

 ·  #17
also lieber schlechten zeitgenössischen Kleber verwenden als eine Krappe historisch korrekt mit Zinn einzulöten?
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #18
tatze-1
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tatze-1

 ·  #19
Zitat geschrieben von Tilo

also lieber schlechten zeitgenössischen Kleber verwenden als eine Krappe historisch korrekt mit Zinn einzulöten?

wer behauptet, daß die historisch korrekte Lötung eine Zinnlötung ist? Ich würde mal sagen, wir haben beide das Stück nur auf einem Foto gesehen und können nur anhand des Bildes mutmaßen, was zu machen ist. Nur derjenige, der das Stück live auf der Theke liegen hat, kann sehen, welche Möglichkeiten tatsächlich ausgeschöpft werden müssen. Wie und mit welchen Mitteln ein Restaurator an die Sache rangeht, das entscheidet ein Restaurator im Rahmen der Restaurierungsethik höchst selbst. Da kann der Kunde bezüglich der Techniken keine Vorgaben machen. Der Kunde sagt an, welches Ziel verfolgt werden soll und was er ausgeben möchte. Innerhalb dieses Rahmens wird dann an einer Lösung gearbeitet.
GranatGast
 
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GranatGast

 ·  #20
Ich danke Ihnen allen für die Tips und die angeregte Diskussion. Mit "historisch gerecht" meinte ich nicht unbedingt, dass der oder die Restaurierende:r nur Techniken und Materialien verwenden sollen dürfte, die um 1890 genutzt wurden sondern eher, dass die reparierte Stelle sich stimmig in das historische Gesamtbild der Brosche einfügen sollte, sprich dass die Reparatur bei Betrachtung der Brosche nicht gleich als 'Fremdkörper' im Gesamteindruck ins Auge fällt.

Bei Sekundenkleber wäre ich mir zudem auch nicht sicher, ob der den Stein nicht (irgendwann mit zeitlichem Abstand?) angreift- da wissen Sie aber mit Sicherheit mehr als ich. Entnehme ich Ihren Ausführungen richtig, dass von Silberlot ebenfalls abzuraten wäre, da es die Steine angreifen könnte? Ich kenne mich zwar mit der geschichtlich-gestalterischen Dimension dieser Art Schmuck aus, habe aber eben leider keinerlei Wissen zur konkreten Verarbeitung der verwandten Materialien.
Tilo
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Tilo

 ·  #21
Sekundenkleber wird auch als Flüssigpflaster auf offene Wunden gesprüht
der greift ganz sicher keine harten Steine oder das Metall an
(ich will damit nicht die Sekundenkleberversion favorisieren, sondern nur die technischen Bedenken ausräumen)
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #22
Wenn an der Brosche schon mit Zinn gelötet wurde kann man da nicht mehr vertretbar mit Silberlot ran.
Tilo
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Tilo

 ·  #23
gestern übersehn: Silberlot selbst greift nicht die Steine an, sondern zum Löten damit wird ein größerer Bereich mit offener Flamme auf 700 (und punktuell teils auch mehr) Grad erhitzt, wobei Granate nach meiner praktischen Erfahrung leiden können, auch wenn sie es rein theoretisch nicht tun sollten
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #24
Tilo
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Tilo

 ·  #25
das ist ja, wie Anke mich belehrend anmerkte, an dem Fotos nichts Genaues zu sehen,

also z.B. ob da schon Zinn gearbeitet wurde (mit gewisser Wahrscheinlichkeit laut der Beschreibung)

mir reicht auch ohne Detailfotos oder in der Hand zu halten schon mein Argument mit der Gefährdung der Granate, um daran nicht mit Silberlot löten zu wollen

aber was weiß ich schon, ich bin ja kein Restaurator
GranatGast
 
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GranatGast

 ·  #26
Danke an die lieben Forist:innen für die guten Hinweise! Bei besseren Lichtverhältnissen heute habe ich auch noch bessere Fotos hinbekommen. Die Beschädigung der Fassung war zuvor, als der Stein noch dort saß, wo er sollte (wohl eher schlecht als recht, wie ich den Expertenmeinungen hier entnehme) nicht zu erkennen. Anbei eine etwas gröbere Aufnahme, eine Nahaufnahme und ein Bild besagter Reparatur an der Rückseite.

Meine Frage an Sie, falls ich Ihren Langmut nicht schon überstrapaziert habe ist, wie das, um tatze-1 zu zitieren "gerupfte" Aussehen der Fassung zustande gekommen sein bzw. ob und inwiefern sie eine Reparatur behindern könnte.

Vielen Dank und eine gute neue Woche allen!
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Tilo
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Tilo

 ·  #27
solche Fotos lieben wir!

letztlich aber keine Überraschung
es wurde schonmal mit Zinn gelötet und es bleibt dabei: Krappe mit Zinn einlöten oder Stein nur kleben

ein Foto mehr seitlich auf die Krappe könnte bestätigen, dass die Krappe jetzt zu kurz ist und nicht richtig halten kann

bei einem Museumsstück von Bedeutung mit unbegrenztem Reparaturbudget könnte man zeitraubend versuchen, die Spuren der alten Reparatur komplett zu entfernen und dann eine neue Reparatur machen, die aber nach einem mir nicht ganz einleuchtenden Restauratorengrundsatz wiederum erkennbar sein soll (wenigstens von unten/hinten wie jetzt)
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Guestuser

 ·  #28
da schliesse ich mich meinem Vorredner Tilo an. Es handelt sich hier zwar um ein antikes Schmuckstück aber kein Museumsstück, diese Broschen gibt es immer noch zuhauf und waren schon damals günstige Massenware.
Einkleben und gut ist
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #29
Zitat geschrieben von Tilo

gestern übersehn: Silberlot selbst greift nicht die Steine an, sondern zum Löten damit wird ein größerer Bereich mit offener Flamme auf 700 (und punktuell teils auch mehr) Grad erhitzt, wobei Granate nach meiner praktischen Erfahrung leiden können, auch wenn sie es rein theoretisch nicht tun sollten
Interessant.
Ich brenn die häufig in Clay mit, einen einzigen hat es beschädigt, habe es auf Spannungen und vermutlich Einschlüsse zurückgerführt, aber die Oberflächen muss ich mir dann doch mal genauer ansehen, mit bloßem Auge habe ich nach 10 Min unter 780 - 817° noch nie etwas bemerkt.
tatze-1
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tatze-1

 ·  #30
Zitat geschrieben von Guestuser

wie das, um tatze-1 zu zitieren "gerupfte" Aussehen der Fassung zustande gekommen sein bzw. ob und inwiefern sie eine Reparatur behindern könnte.

das gerupfte Aussehen kann durch einen vorher existierenden Riß entstanden sein, der notdürftig mehr schlecht als recht wieder zusammengeflickt und nicht versäubert wurde. Das habe ich bei anderen Fassungen auch schon häufiger gehabt.

Zitat
aber was weiß ich schon, ich bin ja kein Restaurator

kein Grund, beleidigte Leberwurst zu spielen. Das ist der Grat zwischen "normalem" Goldschmiedejob und Restauratorenjob, der unterschiedliche Bearbeitungsansätze verfolgt.

Als normaler Goldschmied ist es mir wumpe, wie alt das Stück ist. Ich sehe, etwas ist kaputt, das gerichtet werden muß, wenn es als Schmuckstück wieder getragen werden soll. Ich sehe, geil, da sind Granate drin, endlich mal Steine, die man bedenkenlos mit ins Feuer nehmen kann, scheiße, da ist ne Zinnlötung dran, was ne Kacke, wer hat den Rotz schon wieder gemacht! Das beste aus der Situation machen.

Als Restaurator mit Restaurierungsauftrag muß ich mir die Frage stellen, aus welcher Zeit ist das Stück, ist da schon mal was vorher dran gemacht worden, inwieweit kann ich es verantworten, mit einer Reparatur in die Originalsubstanz einzugreifen auch hinsichtlich einer Reversibilität, die sich im überwiegenden Teil der Fälle auf Ergänzungen am Stück bezieht, die nicht mehr existent waren, etc. Um das historisch wieder so gut wie möglich original herzustellen, heißt das dann auch, den Mehraufwand zu betreiben, Zinnlötungen, die später dran kamen, rückzuführen (wie es ja so restauratorenfachlich schick heißt) etc. Also ein ganz anderer Ansatz an die Bearbeitung so eines Stücks über eine andere Auftragsstellung durch den Kunden, der nicht nur eine Reparatur will, sondern eine Restaurierung im historischen Sinn mit Ziel der Aufbewahrung des Stücks in der Vitrine oder der Rückführung in den aktiven Gebrauch.
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