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Gegossene Stücken: Warum abschrecken?

 
SidEwigk
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SidEwigk

 ·  #1
Joa die Frage is ja eigentlich schon gestellt.
Sorry falls ich eine ähnliche Frage schonmal gestellt habe^^
Mich interresiert das aus folgendem Grund. Wenn ich etwas abschrecke, dann zieht es sich ja zusammen, und wird dadurch geringfügig "stabiler"/härter.
Oder habe ich da einen Denkfehler?
Wenn die Zeit keine Rolle spielt, was passiert mit einem massiven Schmuckstück (einen meiner voluminösen Ringe^^) wenn ich ihn ganz langsam abkühlen lassen? Is er dann anfälliger für dellen etc?
tatze-1
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tatze-1

 ·  #2
Das hat was mit den Atomgitterstrukturen zu tun. Fiese Chemie. Wenn du dein Material langsam auskühlen läßt, wird das härter (ich glaube, das fördert die Grobkornbildung), wenn du das abschreckst, dann bleibt dein Material in weichem rekristallisierten Zustand.
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #3
Damit die Einbettmasse abplatzt.
Shardana
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Shardana

 ·  #4
In der Stahlindustrie wird durch das Abschrecken und Anlassen, ggf mit mehreren Durchgängen, eine bestimmte Phase im Material erzielt. Austenit wird dabei zu dem sehr harten und deshalb häufig gewünschten Martensit.
Soweit ich weiß bilden Edelmetalle aber nicht die vielfältigen Gefügevarianten des Eisen-Kohlenstoff-Diagramms aus.
tatze-1
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tatze-1

 ·  #5
Das vielleicht nicht, aber die Werkstoffkunde bzw. Kornbildung etc. gilt für die Stahlindustrie ebenso wie für die Edelmetallbranche. Grobkornbildung will kein Mensch. Diese Website hier hat's eigentlich ganz gut erklärt mit den Gefügeveränderungen bei Umformung etc.

https://www.edelmetallschmiede.ch/infos/hintergruende/

Ansonsten empfehle ich dir als Literatur die "Bibel" des Goldschmieds, den Brepohl.
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #6
Ich habe schon Probleme mit einer Aussage zu "Edelmetalle" und deren Kornbildung. Das komplizierte daran ist, dass jede Edelmetall-Legierung dazu neigt sich bei unterschiedlichen Glüh- und Abschreckverläufen anders zu verhalten. Pauschale Aussagen halfen da nicht weiter.
Zum Beispiel, wenn ich eine 750er Rotgoldlegierung, die nur aus Gold und Kupfer besteht, glühe, dann es ist völlig egal, wie ich die abschrecke. Die hat dann ein so grobes Korn durch das Glühen entwickelt, dass die brüchig, wie Glas ist, und das geht nicht mehr weg, ohne neu zu schmelzen.
Bei Sterlingsilberguss, finde ich oft eine geringe Härtung durch langsames Abkühlen mit etwas Kornbildung in der Einbettmasse von Vorteil.

So eine Frage muss als anders gestellt werden. Welche genaue Legierung (nicht nur 585 Gelbgold) wird bei welcher Temperatur und Zeit wie abgeschreckt.
Shardana
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Shardana

 ·  #7
Der Beitrag ist sehr interessant und gut aufgearbeitet.
Ich wusste nicht, dass Sprödheit bei Gold ein Problem sein kann.
Heinrich Butschal
Moderator
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Heinrich Butschal

 ·  #8
SidEwigk
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SidEwigk

 ·  #9
Danke für die ganzen Antworten.
Hintergrund der Frage war, das ich heute meinen einen Ring aus Feinsilber gießen wollte, und den natürlich so stabil wie möglich haben wollte. Bin dann doch beim altbewerten geblieben und habe abgeschreckt.
Hat alles super geklappt...war fast mit dem Ring fertig (nach ca. 5h)...
War gerade dabei den Ringkopf zu formen und zu polieren und was seh ich?
Ein Lunker....hab versucht den weg zu machen, aber nada...hat sich immer weiter nach unten gezogen...
Ich wünschte ich wüßte wie ich die vermeiden kann (meine mich zu erinnern das das mehr oder weniger ein glückspiel is)...
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #10
Das hat weniger mit abschrecken zu tun, als damit, dass sich Lunker grob gesagt am allerliebsten dort bilden, wo das flüssige Metall als letztes fest wird. Oder in der Nähe davon. Die Stabilität bei Feinsilber erreichst du am besten mit deiner Methode des ausschmiedens und hämmerns.
Tilo
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Tilo

 ·  #11
bei reinen Metallen ist das mit der Kristallisation wieder anders als bei legierungen
da reines Gold und Silber nur sehr sehr selten rein für Schmuckzwecke verwendet werden (sollen), gibts da vermutlich kaum wissenschaftliche Untersuchungen und empirische Belege, ob langsames Abkühlen eine (kleine) Härtesteigerung bewirken kann
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #12
Mehr als eine "kleine" dann aber auch nicht. Während Verformung sich auf Feinsilber sehr deutlich auswirkt. Bei Argentium wäre es bei langsamen Abkühlen angeblich auch deutlich.
Sterlingsilber, das ich für Ohrhaken tempere bringt nicht ganz homogene Ergebnisse. So eher mehr oder weniger, aber das wird auch eine halbe Stunde gehalten.
SidEwigk
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SidEwigk

 ·  #13
Ich glaub ich mache auch einen bestimmten Fehler:
Wenn ich das Silber geschmolzen habe, und eingieße, nehm ich den Brenner immer zur Seite und halte nicht weiter drauf. Dadurch kühlt das Silber ja schon ab. Ich denke das begünstigt auch die Lunkerbildung?
PS: Warum sollte Feinsilber denn lieber nicht verwendet werden? Weils anfälliger für Schäden is?
Tilo
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Tilo

 ·  #14
weil es noch weicher als 925er ist
tatze-1
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tatze-1

 ·  #15
Zitat geschrieben von SidEwigk

Ich glaub ich mache auch einen bestimmten Fehler:
Wenn ich das Silber geschmolzen habe, und eingieße, nehm ich den Brenner immer zur Seite und halte nicht weiter drauf. Dadurch kühlt das Silber ja schon ab. Ich denke das begünstigt auch die Lunkerbildung?

Den Brenner solltest du auf jeden Fall während des Gießens weiter draufhalten, schon allein um ein Spratzen zu verhindern. Silberschmelze kann unheimlich schnell Sauerstoff aufnehmen, was dann zu ner Art Explosion führt (hatte schon das "Vergnügen", bei dem sich in der Summe etwa 6g Silber in der Werkstatt teils unauffindbar verteilt haben). Deswegen verhindert man mit der Flamme auf der Schmelze auch die Sauerstoffaufnahme - und damit in der Folge wohl auch die übermäßige Lunkerbildung.

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