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Gelbgold als Weißgold verkauft?

 
Jeany
 
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Jeany

 ·  #1
Hallo!

Ich habe ein Problem mit meinem Ehering. Als wir unsere Ringe ausgesucht haben, habe ich mich für einen Weißgoldring entschieden, weil ich Gelbgold absolut nicht an mir mag. Jetzt, ein paar Monate später ist der Ring aber nicht mehr silber/weiß, sondern gelb. Ich war bereits beim Juwelier. Dort wurde mir gesagt, dass das völlig normal ist, weil es kein richtig weißes Gold gibt. Und wenn die Rhodinierung sich ablöst, eben ein Gelbschimmer durchkommt.
Für mich ist das aber kein Gelbschimmer, sonder einfach nur Gelb. Ich sehe bei meinem Ring kaum einen Unterschied zu dem gelbgoldenen Ring meines Mannes.

Da ich nicht besonders viel Ahnung von Schmuck habe, wollte ich hier mal nachfragen. Wurde mir beim Juwelier die Wahrheit gesagt?
Ich würde mich freuen, wenn mir jemand helfen kann.

Viele Grüße :-)
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Gelbgold als Weißgold verkauft?
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 ·  #2
Im Industrieschmuckbereich wird heutzutage gerne ein Weißgold genommen, das bei näherer Betrachtung einen Gelbstich hat. Das liegt an dem verwendeten Weißmacher, der das Gelbgold weiß färben soll, und der restlichen Legierungsrezeptur. Zudem wird dieses Weißgold dann auch noch mit Rhodium beschichtet, damit das dann schön strahleweiß aussieht. Wir Goldschmiede nennen sowas "Verkaufslackierung".

Das (Palladium)Weißgold, das keinen Gelbstich aufweist, wird auch gern als Graugold bezeichnen, weils halt optisch etwas grauer ausschaut als eine Rhodinierung. Das ist vielen Schmuckträgerinnen zu grau. Wieso auch immer. Bei mir gibt es immer Palladiumweißgold, das nicht rhodiniert ist. Quasi "nature".

Daß sich die Rhodinierung im Lauf der Zeit abträgt und die wahre Weißgoldfarbe zum Vorschein kommt, hätte man euch beim Trauringgespräch sagen müssen.
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 ·  #3
der Verzicht auf das Palladium ist seitens der Hersteller eine Kostenfrage
dabei würden Kunden, denen anhand von Beispielen im Tragezustand die Wahl gelassen wird, sicher gerne den Aufpreis zu nichtgelblichem zahlen)

schlimmer noch: das Metall, was stattdessen zum entfärben des Goldes genommen wird, läuft gerne an, was den Gelbstich noch verstärkt (z.B. Mangan)
d.h. frisch poliert oder mattiert geht das sogenannte Weißgold noch halbwegs als weiß durch
getragen und leicht angelaufen und imKontrast zu Resten von Rhodinierung einfach nur gelb

klar unvollständige Beratung
und leider aber "Stand der technik", zumindest aus Sicht von Teilen der Industrie und deren Controller/Kaufleute

bei mir gibts sowas auch nicht
entwender reichlich palladiumhaltiges Weißgold
oder weiße Edelmetalle ohne störendes Gold drin (Palladium, Platin, Silber, Silber mit Palladium)
Jeany
 
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Jeany

 ·  #4
Vielen Dank für eure Antworten! Eure Erklärungen haben mir schonmal sehr weitergeholfen.

Also verstehe ich das richtig, dass es normal ist, dass mein Ring ohne Rhodinierung nicht von einem Gelbgoldring zu unterscheiden ist? Mir ist nicht ganz klar, warum man das dann überhaupt Weißgold nennt...

Beim Kauf wurden wir leider nicht darauf hingewiesen. Ich habe im Gespräch sogar mehrmals erwähnt, dass ich keinen gelben Schmuck mag. Da hätte man mich ja wenigstens an der Stelle darauf hinweisen können. Hätte ich gewusst, dass der Ring nach kurzer Zeit so aussieht wie jetzt, hätte ich ihn niemals gekauft. Das Graugold wäre für mich dann eher das Richtige gewesen.

Ich hätte auch gerne mehr bezahlt, wenn dafür das Ergebnis meiner Vorstellung entsprochen hätte. Ich wäre auch für ein anderes Material offen gewesen. Das ist so ärgerlich. Im Moment weiß ich nicht so richtig was ich machen soll. So wie der Ring aussieht, will ich ihn nicht tragen. Aber einen komplett neuen Ehering will ich auch nicht.
Gibt es irgendeine Möglichkeit den Ring so umzuarbeiten, dass nur innen Gold ist und außen zum Beispiel Platin?
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 ·  #5
Zitat geschrieben von Guestuser

normal ist, dass mein Ring ohne Rhodinierung nicht von einem Gelbgoldring zu unterscheiden ist?

nicht normal, aber doch sehr sehr häufig
im Nicht-Trauringbereich öfter als bei Trauringen, denn bei Trauringen wird schon auch oft Graugold als Standard-Weißgold verarbeitet


Zitat geschrieben von Guestuser

Mir ist nicht ganz klar, warum man das dann überhaupt Weißgold nennt..


das ist niemandem in der Branche klar
und ist ja auch völlig idiotisch oder auch täuschend
aber da die EU das leider(!) nicht reglementiert, und so darf jeder hellgelb weiß nennen
und rot/rose wird gerne gelb genannt, da gibts diesen Bluff auch: Rotgold (wegen weniger Silber minimalst billiger als Gelbgold) wird hauchdünn gelb vergoldet als Gelbgold verkauft
sehr traurig alles
man muß sich das so vorstellen: man spare in der Industrie 50 cent an Silber und muß eine hauchdünne Vergoldung im Wert von 30 cent drauftun, damit der Bluff nicht gleich auffällt
voila: der Buchhalter freut sich: 20 cent gespart am Schmuckstück
und das mal viele hundert oder tausend macht eben was aus am ende
beim Einsparen von Palladium im Weißgold ist der Spareffekt viel größer
diese Beschichtungen könnten einfach verboten werden und dann würde sich zudem von ganz alleine rausstellen, daß 333er unverkäuflich ist (Farbe, Aussehen nach kurzer lagerzeit)
dann wäre zwar immer noch das Problem der gelblichen veränderung bei Goldlegierungen unter 750, aber trotzdem ein großer Forstschritt
und auch ein gewisser handelsbrauch, beim trauringverkauf grellweiße (rhodinierte) Dummies zu zeigen statt der echten Materialien, sorgt nicht grad für Transparenz
Zitat geschrieben von Guestuser

Gibt es irgendeine Möglichkeit den Ring so umzuarbeiten, dass nur innen Gold ist und außen zum Beispiel Platin?


auf Drehbank oben was abdrehen und dafür einen dünnen Ring aus z.B. 585 Gold mit 16% Palladium drauflöten
oder aus 500er Palladium mit Silber
Außenring aus 950er Palladium oder Platin verbindet sich wegen der sehr unterschiedlichen Materialeigenschaften schlecht mit dem 585er gelbgold, das würde ich nicht machen
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 ·  #6
Zitat geschrieben von Guestuser

Beim Kauf wurden wir leider nicht darauf hingewiesen.

Verkäuferinnen beim Juwelier wissen sowas gelegentlich - oder sollte man sagen häufig - nicht.
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 ·  #7
Zitat geschrieben von tatze-1

Zitat geschrieben von Guestuser

Beim Kauf wurden wir leider nicht darauf hingewiesen.

Verkäuferinnen beim Juwelier wissen sowas gelegentlich - oder sollte man sagen häufig - nicht.
Eine Fachverkäuferin sollte das schon wissen. Es werden aber lieber Hilfskräfte mit ansprechender Außenoptik eingestellt.
Ein gutes Geschäft sollte "rhodinierte Trauringe" eigentlich eh nicht oder nur unter Vorbehalt anbieten.
Denn eigentlich ist das billige Bauernfängerei.
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 ·  #8
Zitat geschrieben von Silberfrau

Ein gutes Geschäft sollte "rhodinierte Trauringe" eigentlich eh nicht oder nur unter Vorbehalt anbieten.
Denn eigentlich ist das billige Bauernfängerei.

Das wird sich nicht vermeiden lassen, denn 99 % der Geschäfte verkaufen Ringe von Markenherstellern. Mal abgesehen davon, daß sich die Produktpalette aller Hersteller bei genauerer Betrachtung nur geringfügig bei vielleicht 95 % der Modelle unterscheidet, wird normalerweise alles, was mit Weißgold zu tun hat, rhodiniert verkauft. Damit meine ich nicht nur die einfarbigen Ringe, sondern auch die bi- und tricoloren. Immer mit der Begründung, daß der Kunde das ja so will.
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 ·  #9
ja, es ist schon dreist, das als Kundenwunsch zu bezeichnen mit der Rhodiniererei
der Kundenwunsch ist: weißer Ring
und eben nicht: kurzzeitig weißer Ring

ich denke, daß es Markenhersteller gibt, die Weißgold nicht standardmäßig rhodinieren
weiße Trauringe oder bicolor verkaufe/mache ich nahezu ausschließlich in den natürlich weißen Legierungen
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 ·  #10
als ich noch Stangenware verkauft habe, hats das Weißgold nur rhodiniert gegeben. Da haste gar keine Chance auf unrhodiniert gehabt. Weder bei Rauschmeyer, noch bei Era, Cera, Cilor oder Weidner, welche die Marken waren, die wir damals verkauft haben. Weidner waren damals die einzigen in der Runde, die noch etwas abgefahrenere Modelle im Sortiment hatten als den üblichen Standard.
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Silberfrau als Gast

 ·  #11
Zitat geschrieben von Tilo

ja, es ist schon dreist, das als Kundenwunsch zu bezeichnen mit der Rhodiniererei
der Kundenwunsch ist: weißer Ring
und eben nicht: kurzzeitig weißer Ring

ich denke, daß es Markenhersteller gibt, die Weißgold nicht standardmäßig rhodinieren
weiße trauringe oder bicolor verkaufe/mache ich nahezu ausschließlich in den natürlich weißen Legierungen
Mag sein, dass das mit dem Weißgold-Hype der letzten Jahre tatsächlich als Kundenwunsch in den Vordergrund getreten ist.
Trauringe wurden früher auch nicht standartmäßig rhodiniert, war aber dafür oft Nickelweißgold.
Als Fachgeschäft sollte man das den Kunden schon erklären, also abgesehen von der graislichen Rhodiumoptik ist ja nichts gegen rhodinierten Schmuck zu sagen, wenn er nicht so permanent getragen wird wie ein Trauring eben.
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 ·  #12
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 ·  #13
es reicht ja nicht, daß sie noch nie Probleme verursacht haben, sondern sie müssen die EU-Vorschriften bzgl. Nickelfreisetzung (die vieleicht übertrieben niedrig sind?) erfüllen
und dies zu garantieren, scheint den Herstellern zu schwer oder unmöglich

und Legierungen mit zu wenig Nickel drin taugen auch nix
die sind dann auch gelblich
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 ·  #14
Nach meinen Informationen war es ein Marketingproblem, dass Juweliere nach der neuen Verordnung keine Debatten über Nickel im Juweliergeschäft haben wollten und es wurde nach einem Ersatz gesucht. Es war einfacher zu sagen "es ist kein Nickel drin!" als die Hysterie gerade hochkochte als zu sagen "es ist Nickel drin, aber es entspricht der Nickelverordnung". Den Satz merken sich überempfindliche Menschen und Reklamationen waren vorhersehbar. In einer Gesellschaft die Zuckerkügelchen als Heilmittel ansieht und gleichzeitig Zucker als Schadstoff höher besteuern will, ist Glaube wichtiger als Wissen,

Also hat man Palladium genommen.

Dann ist Palladium immer teurer geworden und der Prozentsatz in den Weißgoldlegierungen wurde ständig reduziert. Ab 15 % Palladium ist Weißgold nämlich schön weiß und es gibt keinen Grund das zu rhodinieren. Nur ist dann das 585 Gold so teuer wie 750 Gold.
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 ·  #15
Die Rhodiniererei ist ja nicht "nur" beim Weißgold so eine Unsitte! Btw. Damit machen die Hersteller ihre unterschiedlichsten Legierungen (durch variierende Zusätze,-und Mengen zum Entfärben) untereinander optisch kompatibel. Genauso doch beim Gelbgold: Durch Übervergoldung wird auch ein eher einheitliches Gelb suggeriert, das es in Wahrheit nicht gibt. So haben die Kunden nicht unterschiedlichste Farbtöne wenn sie nach Jahren ihr Kästchen mit diversem Schmuck gefüllt haben. Ich halte das aber für kein entschuldbares Argument! Es ist eine verschleißende Oberflächenbehandlung mit nur kurzer Haltbarkeit und deswegen Täuschung.
Schlimmer noch die Rhodinierung von Silber die auch immer weiter um sich greift. Damit Silber nicht mehr anläuft und Kunden wie Händler sich die Putzerei sparen können.
Reparaturen/Änderungen sind ohne Galvanik kaum mehr machbar muß ja die vorherige Optik danach wieder aufwendig hergestellt werden. Ärgerlich ist das.
Es ist schade, dass die Eigenfarben der Metalle so verhüllt werden. Aber Goldschmiede die das nicht machen, haben somit eine gestalterische Freiheit und beraten ihre Kunden gerne über die Möglichkeiten. Ne giftige Galvanik kommt mir nicht in die Werkstatt. Graugold ist eben grau. Warum es weiß tünchen? Der Kontrast bei Farbkombination mit gelb oder rot ist doch viel schöner als wenn es so rhodiumhell ist.
Ich finde Palladium ist ein würdiger Ersatz für Nickel. Halt etwas anders/dunkler in der Farbe. Na und? Klar ist es praktisch, wenn man sich die Diskussionen spart, die bei der Häufigkeit der Allergien zwangsläufig aufkommen. Und die Sorge, Kunden reagieren allergisch und machen den Goldschmied dann noch dafür haftbar, ist ja nicht unbegründet.
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