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Ausbildung vs. Goldschmiedeschule

 
Redaktion
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 ·  #1
soweit ich gehört habe, soll es da Unterschiede geben zwischen einer Ausbildung vor Ort und dem Besuch einer Goldschmiedeschule.

mögt Ihr mir (und evtl. mitlesenden Interessierten) mal erklären, was da der Unterschied ist und wo Ihr die jeweiligen Vor- und Nachteile seht?

Wie sind Eure Erfahrungen?
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 ·  #2
In der Goldschmiedeschule lernt man viele Techniken, aber nicht zu arbeiten.
In der Ausbildung in kleineren Betrieben wird mehr darauf geachtet das Aufträge auch effizient und kostengünstig erledigt werden. Durch die duale Ausbildung kommt die Theorie auch nicht zu kurz.

So ist die Lehrlingsausbildung eigentlich die bessere, aber nicht alle, die es wünschen finden eine Lehrstelle. Dafür ist dann die Goldschmiedeschule eine gute Alternative.

Die Absolventen müssen dann aber gewahr sein das im ersten Betrieb noch eine steile Lernkurve auf sie wartet.
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 ·  #3
Ich habe meine Ausbildung in der Goldschmiedeschule in Pforzheim gemacht. 2 Jahre Berufsfachschule mit 1 1/2 Jahren Anschlußlehre in einem Betrieb.

Der Vorteil der dualen Ausbildung dürfte darin bestehen, daß der Lehrling direkt mit dem alltäglichen Werkstattgeschäft in Kontakt kommt und in Konsequenz auch mit dem Kunden. Und man verdient bereits ein bißchen Geld.

Es gibt da so einen Spruch:

Ein Lehrling ist nur so gut wie sein Lehrmeister.

Soll heißen, der Lehrling lernt das, was sein Lehrmeister kann und darüber hinaus muß er sich weiterbilden, wenn er mehr lernen möchte.

Das ist wiederum der Vorteil einer Goldschmiedeschule. Da man Unterricht bei mehreren Meistern hat, ist das Wissenspektrum, das einem vermittelt werden kann, größer. Goldschmiedeschulen sind allgemein auch Werkzeugmäßig high-end-mäßiger ausgestattet als manche Goldschmiedewerkstatt. So bekommt man auch die Möglichkeit, z.B. mit Lasern zu arbeiten etc. Nachteilig kann sich auswirken, daß der Lehrling für einzelne Übungsstücke etwas mehr Zeit zur Verfügung hat, als der Lehrling im dualen System. Außerdem fehlt der Kundenkontakt und man bekommt während der Schulzeit keinen Lohn, sondern ist normaler Schüler.

Ich würde wieder meine Ausbildung in der Goldschmiedeschule machen, auch wenn ich die Zeit nach der Schule nicht noch einmal mitmachen möchte, wenn es um die Akzeptanz der Schulzeit bei den Handwerkskammern geht. Dank der Ignoranz der Handwerkskammern, sich zu informieren, was an Goldschmiedeschulen unterrichtet wird, mußte ich noch eine überbetriebliche Unterweisungsmaßnahme besuchen (ohne die ich die Gesellenprüfung nicht hätte ablegen dürfen), die Zwischenprüfung in Theorie und Praxis neu machen und die Gesellenprüfung Theorie und das Pflichtstück neu machen. Alles Prüfungen und Unterrichte, die ich bereits in Pforzheim abgelegt/besucht hatte.
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 ·  #4
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 ·  #5
die Goldschmiedeschule in Pforzheim ist die einzige Schule, die nicht mit Gesellenbrief abschließt, weil sie eine 2jährige Berufsfachschule ist, sondern den Lehrlingen noch 1 1/2 Jahre Anschlußlehre im Betrieb beschert. Sprich, wenn die Handwerkskammern mitspielen würden, dann wäre der Lehrling zum weiterlernen nur noch im Betrieb ohne Berufsschule (Abschlußprüfung wurde ja bereits abgelegt) und bräuchte nur noch das Gesellenstück nach den 1 1/2 Jahren machen (theoretische Gesellenprüfung wurde nämlich auch schon abgelegt). Das ist so gewollt, damit die Lehrlinge vor Beendigung ihrer Ausbildung auch den Realbetrieb kennenlernen können.

Hanau, Kaufbeuren, Kaiserslautern, Arnstadt, das sind alles Schulen, in denen die Lehrlinge auch mit Gesellenbrief abschließen. D.h. sie haben, soweit ich das weiß (man möge mich bitte korrigieren), die ganze Lehrzeit über nicht einen Schritt in einen Betrieb gesetzt.
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 ·  #6
nachtragend möchte ich nicht sagen, aber ich tus jetzt trotzdem, ich wünsche keinem die Auseinandersetzungen mit Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften, die ich hatte, um meine komplette Schulzeit akzeptiert zu bekommen, da für die Kammern Berufsfachschulen maximal Einjährig sind. Der HWK Münster habe ich ein 28 seitiges Fax geschickt mit allen Prüfungsaufgaben und Zeichungen. Das hat sie davon überzeugt, mir die Zeit und die Prüfungen anzuerkennen. Mit dem Ausbildungsberater der HWK Düsseldorf habe ich mich am Telefon gestritten - bis ich ihm seine Kompetenz auf seinem Arbeitsplatz angezweifelt habe. Die HWK Dortmund hat mir nur die 2 Jahre Schulzeit anerkannt, aber auch nur - das vermute ich mal -, weil mein Meister Prüfungsausschußvorsitzender und Lehrlingswart war. Die Prüfungen selber haben sie mir nicht anerkannt. Und obwohl ich in der Schule 2 Jahre Fassen-Unterricht hatte, mußte ich in die außerbetriebliche Unterweisung Fassen zu Herrn Mach ins HBZ, weil ich sonst meine Gesellenprüfung nicht hätte ablegen dürfen.

Andersrum waren die prüfenden Lehrer an der Berufsschule Essen viel informierter. Von denen wurde ich sowohl bei meiner 2. Zwischenprüfung als auch bei meiner 2. theoretischen Gesellenprüfung gefragt, was ich hier will, ich hätte doch auf der Goldschmiedeschule schon alle Prüfungen abgelegt.

Merkste was?
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 ·  #7
Ich denke eine der Ursachen dieser Probleme war. dass die betreffenden Bundesländer recht recht weit auseinander liegen.
Die Bayrischen Stellen sin mit dem, was in Ba-Wü abläuft wohl noch so einigermaßen vertraut, aber welchen Pforzheimer Lehrling verschlägt es schon so ...um die halbe Welt...?
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 ·  #8
mehr als du denkst, zumal auch die Welt dort zur Schule geht. Zu meiner Lehrzeit schickte beispielsweise Bremen seine Lehrlinge zum Blockunterricht nach Pforzheim. Auch in Bayern war's offenbar nicht einfach gewesen, wenn ich meiner Klassenkameradin Glauben schenken darf.
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 ·  #9
hallo tatze,
ich weiß nicht wann du genau abgeschlossen hast. der lehrling meiner frau (bundesieger 2008) hatte genau dein problem. (1,5 jahre pforzheim und anschlusslehre in thüringen) zwei tage vor der theoretischen prüfung in thüringen teilte man ihm mit, dass er diese mit machen soll, weil seine theorie in thüringen nicht anerkannt werde. er hat sich sein recht erstritten und musste nicht noch mal ran ( weder theorie noch ülu's). seit dem machen die pforzheimer nur die anschlusslehre bei uns in thüringen, ihr gesellenstück verteidigen sie in karlsruhe oder in sachsen. da klappt alles.

zum thema berufsschule vs. duale ausbildung (ich stecke in beiden drin) gibt es unendlich viel zu sagen. beide haben ihre vor- und nachteile .

hier nur ein paar kleinigkeiten:
in der schule geht die ausbildung nach einem verbindlichen/langerprobten lehrplan. es gibt eine eindeutige verbindung zwischen der theorie und der werkstattpraxis. der zeitdruck ist hier weniger ausgeprägt. die schüler haben mehr freizeit/ferien.
der theoretische lernstoff muss sowohl von den vollzeitschülern als auch von den dualen lehrlingen durchgenommen werden.

im betrieb fallen bestimmte aufgaben öfter an, was auf manchen gebieten eine größere routine bringt, dadurch kommt anderes aber zu kurz. kundenkontakte sind hier wahrscheinlicher, was für später wichtig ist. wenn aber die chemie im betrieb nicht stimmt, wird die lehrzeit oft zur belastung für beide seiten. in der schule kann man sich in der menge besser verstecken. duale lehrlinge, die zwei mal im jahr für sech-sieben wochen in die berufsschule müssen, und dann noch einige wochen im jahr zu überbetriebliche lehrunterweisungen fahren, fehlen sehr lange im betrieb aus. in kleinen werkstätten macht sich das bemerkbar. usw. usw.
vieleicht morgen mehr.
ich muss ins bett. ich habe morgen 0-te stunde.
gute nacht
stefan
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 ·  #10
Stefan, ich habe die Schule 1998 abgeschlossen und meine Gesellenprüfung im Januar 2001, nachdem ich meinen Lehrbetrieb wechseln mußte. D.h. 1998/9 hatte ich die Auseinandersetzungen mit den Handwerkskammern.

Nun sind das schon 15 Jahre her und die Handwerkskammern sind immer noch nicht schlauer. Ein Trauerspiel.
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 ·  #11
Mit HWK, Innung Kreishandwerkerschaft und Gerichten kenne ich mich auch aus. Habe ich doch das Kunststück fertig gebracht und war 20 Jahre als extrem gewinnsüchtiger Schwarzarbeiter zugange. 16 Leute habe die Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Rahmen ihrer Beweisermittlung bei mir damals gezählt. Zu ihrem Ärger war kein Meister unter ihnen.

Ein absolut blödsinniger Zirkus war das damals. Am Ende wollte das Verwaltungsgericht dafür sorgen, dass ich die Ausnahmegenehmigung vom RP bekomme. Zur großen Verwundrung aller Beteiligten, habe ich diese aber abgelehnt, weil ich bei den Innungshirschen nicht danke sagen wollte. Wegen denen war der ganze Zirkus doch gekommen, weil die mich wegen fehlender Eingangsvoraussetzungen nicht zur MP zugelassen haben, bzw dafür gesorgt haben dass.

Danach musste die Kammer mich zur MP zulassen, ob sie nun wollten oder nicht, dafür hatte das Gericht gesorgt. Das war ein Riesenkleinkrieg damals. Und danach? Nun bin ich seit 25 Jahren ein ehrwürdiger Meister des Handwerks, allerdings einer, der die MP ohne jede Vorbereitung oder gar Schulen, den damals recht von sich eingenommenen Herrschaften buchstäblich vor die Füße gerotzt hat.

Aus Rache haben sie mich damals im Praktischen durchfallen lassen. Zur Sicherheit hat man sogar meine Arbeitsprobe vertauscht und gegen ein richtiges Machwerk ausgewechselt. Aber was solls, ich habs ganz einfach noch mal gemacht.

Aber heute herrscht schon lange Frieden zwischen uns und wir respektieren uns gegenseitig. Die Kammer wollte mich seinerzeit sogar, zum öffentlichen Sachverständigen machen, aber ich hätte gar keine Zeit für so was gehabt, hab das deshalb dankend abgelehnt. Gutachten konnte ich auch so machen. Aber das kostet immer so viel Zeit und Mühe, da mache ich lieber andere Sachen.
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 ·  #12
Der Hase sagt: "Handwerkskammern sind eh blöd"
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 ·  #13
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