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Hübscher Tinnef oder doch nicht?

 
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 ·  #1
Hallo,

ich habe aus der Familie ein altes rötlich-goldfarbenes Ührchen, das vermutlich seine 100 Jahre auf dem Buckel hat. Die sieht man ihm auch an (ist bisschen buckelig geworden *g), und die Uhr ist auch kaputt. Ich habe wenig Hoffnung, dass es doch einen Wert haben könnte und würde evtl. einzelne Teile der Uhr und des Armbands ausschlachten und anderweitig verwenden.

Aber bevor ich das Zerstörungswerk beginne, wollte ich doch mal fragen, ob jemand was über diese Art von Uhr weiß und vielleicht auch das Material erkennen kann. Am Ende gibts ja doch irgendwo interessierte Sammler.... :roll:

Die Rückseite kann man öffnen, im Deckel ist eine fünfstellige Zahl eingeprägt, auf dem Uhrkörper eine Gravur. Die Gravur lese ich als "Cylindre 10 rubis" - oder auch "Cylinder..." - es gibt nix Persönliches oder so... Innen ist der Deckel so matt-goldfarben, wie man es aus Zigarettenetuis kennt. Leider kann ich die Materialien nicht identifizieren. Edelmetallstempel gibt es nirgends. - Im Armband steht "Aufgewaltzt".

Schon mal vorab danke und liebe Grüße
Turi
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 ·  #2
Das ist eine zur Armbanduhr umgearbeitete (vermutlich Damen-) Taschenuhr.
Das hat man in den Anfaengen der Armbanduhr gemacht. Um naeheres zu der Uhr sagen zu koennen, muesste man saemtliche Punzen genau erkennen koennen. Da sind bestimmt noch einige.
Auch ein Werksfoto oder mehrere waere hilfreich.
Zum Ausschlachten ist die Uhr einfach zu schade, auch wenn sie beim Verkauf vielleicht nur 30€ bringt.
Diesen Umgang mit Kulturgut, welches sich nicht in € oder $ messen laesst, werde ich nie verstehen. Wenn eben moeglich, beschraenke das Zerstoeren auf das Armband.
Aber zum Preis evtl. mehr, wenn ich mehr weiss.

Karlo
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 ·  #3
Hallo Karlo,

vielen Dank für deine Einschätzung.

Ich werde heute abend mal sehen, wie weit ich an das Innere der Uhr kommen kann, ohne noch mehr kaputt zu machen.

Heißt das, dass das Armband mit dem Stempel "aufgewalzt" sowieso nicht zur Uhr gehört? Ich fand es auch immer ein bisschen unproportional und hatte bezweifelt, dass es wirklich dazu gehört. Dafür spricht nur die ebenfalls ungewöhnliche rötliche Farbe und die Aussage meine Großmutter, dass dieses Armband an der Uhr war. - Wer es jedoch wieder entfernt hat und warum so brutal, weiß niemand mehr...

Zitat

Zum Ausschlachten ist die Uhr einfach zu schade, auch wenn sie beim Verkauf vielleicht nur 30€ bringt.
Diesen Umgang mit Kulturgut, welches sich nicht in € oder $ messen laesst, werde ich nie verstehen. Wenn eben moeglich, beschraenke das Zerstoeren auf das Armband.


Verdiene ich wirklich diese Schelte? 😢

"Wert" ist für mich nicht automatisch monetär, auch wenn man mit dieser Krücke etwas ausdrücken kann, was sonst kaum möglich ist! Und genau deshalb, um nicht schlecht damit umzugehen, frage ich ja hier nach. Nachdem ich diese Uhr samt Armband nun schon viele Jahre neben meinem Schmuck mitschleppe, habe ich ihr doch schon einige Ehre zukommen lassen. Leider hatte sie keine Selbstheilungskräfte... 😉 (Meine Mutter hatte sie mal einem Juwelier gezeigt, der sie als Tinnef bezeichnet hat, und ich habe sie gerettet, weil ich das Ührchen hübsch finde.)

Was die Weiterverarbeitung betrifft dachte ich an Ohrringe aus den beiden Armbandteilen. Das "aufgewalzt" deute ich jettz mal als Hinweise auf eine Vergoldung (falls es Gold sein könnte), daher fürchte ich, dass ich keine Aufhängung anlöten kann. Aber natürlich nur, wenn sie nicht bewahrenswert sind.

Weitere Fotos kommen heute abend, auch nach Punzen werde ich nochmal suchen (hab aber wenig Hoffnung).

Gruß Turi
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 ·  #4
Hallo Turi,

Schelte sollte das nicht sein, eher so etwas wie persoehnliche Betroffenheit. Und Du hast da auch vermutlich stellvertretend fuer viele Frager vorher, etwas zuviel abbekommen, Sorry.

Also aufgewalzt bedeutet Walzgoldauflage. Da ist nicht viel mit weiter verarbeiten. Denn darunter kommt Silber oder Nickel raus. Und die Uhr muesste eine Goldpunze haben wenn sie massiv ist. Ob das Armband zur Uhr gehoert, kann ich nicht sicher sagen. Ich vermute eher nicht. Vielleicht war die Taschenuhr auch schon gebraucht als sie umgearbeitet wurde. Damit waere die Bandfrage hinfaellig. Zu der roten Farbe: um 1900-1920 rum ist bei Taschenuhren ein extrem rotes Rotgold (ob sich das noch Gold nennen darf koennen andere entscheiden) verarbeitet worden. Und um die Zeit stufe ich die Uhr auch ein. Dann zum froehlichen Punzensuchen.....

Karlo
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 ·  #5
Hallo Karlo,

ich habe jetzt mal alles fotografiert, was mir möglich war. Das Werk ist an der Krone befestigt, diese dreht sich zwar, aber im "Leerlauf" (heißt bestimmt anders *gg*). Deshalb kann ich es nicht herausnehmen und nur eine Seite des Werks zeigen.

Weiter habe ich das Gehäuse an den beschädigten Seiten und die ebenfalls leicht verbogenen - aber noch funktionierenden - Scharniere fotografiert.

Punzen die mir irgendetwas sagen könnten habe ich immer noch nicht gefunden. Neben dem schon erwähnten gibt es im Innendeckel die Prägung "MÉTAL 20615".

Auf zwei Metalteilen im Werk selbst scheint auch etwas eingeprägt zu sein, was auf den ersten Blick wie Kratzer aussieht. Entweder ist es eine schräge Schrift, die ich auch mit 2 Lupen hintereinander nicht entziffern kann, oder es ist eine mir unbekannte Schrift (arabisch?).

Ähnliche "Kratzer" finden sich auch in einer Ecke im Rückendeckel innen. In beiden Fällen sind die Gravuren nicht sehr tief, fast so, als hätte sich jemand handschriftliche Notizen gemacht - extrem winzige Notizen. Ich kanns beim besten Willen nicht lesen und leider haben auch mehrere Serien Fotos mit Blitzlicht nichts deutlicher sichtbar gemacht. Tut mr sehr leid.

Hatte ich schon geschrieben, dass diese Riesenuhr einen Außendurchmesser von 27 mm hat? Auf den Fotos sieht sie ganz schön groß aus. Ein großer Daumennagel... 😉

Die Korrossionsschäden erklären sich vielleicht dadurch, dass meine Familie bei Kriegsende das Tafelsilber und den Schmuck zeitweise in der Erde vergraben hatte. Wenn das Armband schon zuvor rausgerissen worden war, wundert es nicht, dass da evtl. Feuchtigkeit eingedrungen ist. (Plastiktüten oder Alufolie gabs ja auch noch nicht.)

Ob du mir jetzt mehr zu der Uhr sagen kannst oder nicht, es ist schon ganz spannend, sich mal so detailliert damit zu beschäftigen. Diese Schriftzeichen hätte ich wohl nie wahrgenommen. Von Uhren verstehe nur leider noch weniger, als von Schmuck. :)

Vielen Dank für dein Interesse

Gruß Turi
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 ·  #6
Ach, hab ich da jemand mit dem Uhrenvirus angesteckt? *g
Das Werk scheint leider ein Totalschaden zu sein.
Die eingekratzten Zeichen sind vermutlich Reparaturmarken. Es war frueher ueblich, dass Uhrmacher so ihre "Duftspuren" hinterlassen haben.
Ungefaehr so, als wenn die Autowerkstatt heute mit dem Schraubenzieher ihren Namen ins Dach kratzt.
Daaas/die Marken bei der Unruh duerften die wichtigsten sein. Aber da sowieso Totalschaden.....
27mm ist schon eine kleine Damentaschenuhr. Und fuer DTU spricht auch das Werk, also lag ich da richtig.
Na ja, schade, dass sie so ramponiert ist.

Karlo
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 ·  #7
Das war wirklich ein interessanter Ausflug. :D Ich habe vorhin mal alle alten Armbanduhren rausgeholt und zumindest von außen mal näher angesehen. Und aufgezogen hab ich sie auch - tatsächlich funktionieren noch 3 von 6 Uhren.

Ob für Uhreninteressierte etwas dabei ist, möchte ich allerdings bezweifeln. Zwei der drei funktionierenden Uhren sind von Marken, die ich noch nie gehört habe (und auch hier im Forum noch nie erwähnt wurden). Einzig die Herrenuhr ist von Junghans. Sie dürfte aus den Fünfzigern, spätestens Anfang der Sechziger sein. Soll ich die mal fotografieren?

Vom Material her ist auch nix Edles dabei, selbst die Taschenuhr von meinem Großvater ist nur aus Silber (und ebenfalls ziemlich ramponiert). Aber ich hab innen drin schon Markierungen gefunden, sowohl eine richtige Verzierung im Werk, als auch handschriftliche Kratzer, wie du sagst wohl von einer Reparatur. (Wenn meine Autowerkstatt ihren Namen in mein Dach kratzen würde, würde ich denen aber ganz schön aufs Dach steigen!! :twisted: ) :D

Gruß Turi
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 ·  #8
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 ·  #9
Hallo Karlo,

vielen Dank für die Links. Pocketwatch ist sehr interessant, hab mich da schnell festgelesen; jetzt hab ich endlich mal diese ominösen Rubine auch sehen können :D

Im watchtime Forum kann man sich auch verlieren. Vor allem ein 10seitiger Thread eines Mechanikers, der sich eine Uhr mit blauen Zeigern gebaut hat, war echt spannend - ist klasse geworden.

Aber um dahin zu kommen, muss man seine handwerklichen Fähigkeiten schon etwas weiter vervollkommnen... (bei mir haperts noch arg an der Genauigkeit *gg*). 😉

Ich habe meine alten Uhren jetzt fotografiert, mache dafür aber extra Threads auf.

Gruß Turi
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