Warum registrieren?
Nur als registriertes Mitglied des Schmuckforum hast Du vollen Zugriff auf alle Funktionen des lebendigsten Schmuckforum im deutschspr. Internet. Du kannst Deine eigenen Fragen auf einen Blick anzeigen lassen und hast die volle Übersicht über alle neuen interessanten Themen im Forum. Jetzt kostenlos registrieren!
Verfasst am: Sa, 02. Jul. 2011 10:48 Titel: Kugeln auf eine Größe schleifen.
Von einer Goldschmiede erhielt ich zwei unterschiedliche Korallenkugeln, die zu Ohrschmuck verarbeitet werden sollten; die Kugeln sollten auf einen bestimmten Durchmesser (10,1 mm) geschliffen und poliert werden.
Die bekannteste und einfachste Methode, um einzelne Kugeln zu schleifen, ist die Verwendung von "Schleiftöpfen" aus Metall, die mit SiC-Pulver bestrichen werden. Das ist eine ziemliche Sauerei, weil einem das lose Schleifkorn durch die Gegend fliegt. Als Hobbygoldschmied kam ich dann auf die Idee, diamantierte Schleiftöpfe selbst herzustellen: Man beschichtet dünne Kupferbleche mit Silberlot, benetzt sie mit Wintergrünöl und bestäubt sie mit Diamantpulver(Körnung 100 my). Die so vorbereiteten Bleche steckt man in einen "Umschlag" aus kupferblech, kneift alles schön zusammen und gibt es durch die Blechwalze. Dann wird das Paket zusammengelötet und wieder durch die Walze gedreht und wieder gelötet u.s.w. bis ein gleichmäßiges etwa 1 mm dickes Blech entstanden ist. Aus diesem Blech formt man ein Rohr. Je nach Durchmesser und Möglichkeiten kann man das fertige Rohr in ein Bohr -futter spannen oder verböden und einen Stift oder eine Schraube anlöten zum Einspannen. Größere Töpfe macht man besser aus Konservendosenblech. Je nach Bedarf kann man eine Serie verschiedener Durchmesser anfertigen und mit verschiedenen Körnungen (100 my, 40-60 my, 20my). Die Anwendung der Schleiftöpfe ist in vielen Fachbüchern erläutert. Mit den Schleiftöpfen kann man aber auch hervorragend runde Cabochons schleifen, wobei man die Wölbung nach Wunsch flach oder hoch machen kann. Es lassen sich sauber polierte Cabochons auch von "schwierigen" Steinen wie Rubin in Zoisit schleifen.
Das Polieren geschieht je nach Material auf Kupferrohren, Holzdübeln (Bambus) oder Holz mit Filzauflage. Das Schleifen mit der 100my Körnung geht schneller als man glaubt. Cabouchons werden aufgekittet, in eine leichte Handbohrmaschine gespannt und vorsichtig an den Schleiftopf geführt. Kühlung nicht vergessen und aufpassen, dass kein Wasser in ungeschützte elektrische Maschinen gerät. Mit Hilfe dieser Schleiftöpfe kann man wirklich runde Kugeln auf 0,1 mm und genauer schleifen. Zu den Bildern:
1) Fertige Korallen, 2) verschiedene diamantierte Schleiftöpfe, 3) Bewegen der Kugel mit einer hohlen Holzleiste, 4) Polieren mit einem Holzdübel 5) Cabochons Rubin und Rubin in Zoisit
Frohes Schaffen!
stoanarrischer uhu
Sehr interessant. Sehe ich das richtig, daß diese Schleiftöpfe hier ähnlich wie ein Kronenbohrer funktionieren, sprich, der Diamantbesatz ist an der Spitze des Scharniers/Rohres? _________________ Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt (Bob Dylan)
Nein, das ganze Rohr besteht abwechselnd aus einer Metallschicht und einer Diamantschicht. Dadurch ist es sehr haltbar und überdauert Hunderte von Steinen.
Uhu
Hallo Tatze,
natürlich könnte man auch Kronenbohrer verwenden oder noch edler: wassergekühlte Hohlbohrer. Aber die konnte ich mir vor 30 Jahren nicht leisten und kam daher auf die Sandwich-Töpfe, die ja praktisch nur die Diamantkörnung (und die Arbeitszeit ) kosten. Der Vorteil meiner Töpfe besteht allerdings in den verschiedenen Körnungen.
Frohes Schaffen!
stoanarrischer uhu
ich hatte ja nun das Vergnügen Dich in Deiner Zauberkemenate kennen lernen zu dürfen. Doch zunächst erst noch mal herzlichen Dank für Deine schnelle "7-Sternehilfe"!
Hintergrund: Mir war versehentlich, ausgelöst durch ein Zucken der Hand, ein hochgefährlicher Hartmetallfräser über einen sündhaft teueren und schönen Stein gelaufen. Facit: Drei beschädigte Facetten.
Der Aufenthalt in Deiner Schleiferei, war nicht nur ein voller Erfolg, sondern auch eine lupenreine Überraschung. Fand ich mich doch statt des erwarteten Hobbyschleiferniveaus, unversehens in einem bestens eingerichteten, buchstäblich mit allen Tricks arbeitenden Eimannbetrieb wieder, mit Schleifmaschinen für alle Steine außer Diamant, für facettierte Schliffe, Cabouchons, Sägen, Bohrer - das komplette System. Sogar ein Goldschmiedewerkbrett habe ich zu meinem Erstaunen vorgefunden, - ja und sogar ein kleines Büro. Das alles in einem kleinen Keller!
Aber das Erstaunlichste kommt noch: Gefallen hat mir sofort die unkomplizierte, freundliche Art. Eigentlich gar kein Uhu, sondern eher ein freundlicher, älterer Herr, der sich zu meiner großen Freude sofort bereit erklärte, den Stein auf der Stelle zu verarzten. Und WIE er das dann gemacht hat, erstaunte mich dann doch etwas. Nämlich mit der Routine und der sicheren Gelassenheit eines Voll-Profis, der genau weiß was er tut. Und so sah denn auch das Ergebnis aus: Absolut professionell.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Menge an speziellen Vorrichtungen, die in keiner der Lapidärwerkstätten zu finden waren die ich schon gesehen habe. Allen Winkeln entsrömte die stille, aber unüberhörbare Nachricht: Hier arbeitet Jemand, der seinen Beruf (Hobby!) liebt, der sich unglaubliche Gdanken um die Perfektion der einzelen Abläufe gemacht hat, der seine ganze Intelligenz einsetzt, um den natürlichen Mineralien zu einem "geschliffenen" Aussehen zu verhelfen. Und was es da nicht alles zu sehen gab!!
Dieser Besuch ist bei mir in der Schublade unvergessliche Erlebnisse eingeordnet worden und ich hoffe, dass ich den alten Eulerich auch mal in meiner Höhle begrüßen darf, so ihn die Wege nach Krefeld führen. Ich denke aber, dass wir uns ohnehin nicht aus den Augen verlieren werden, denn ich sammele bereits einen Bottich Steine. _________________ Gruß, Ulrich
Goldschmiede seit 1967
Feine Auftragsarbeiten aller Art, sowie Reparaturen und Juwelier-Service.
CAD, Rapid Prototyping (Fräsen, Plotten, STL), Edelmetallguss, Laserschweißen seit 1993, http://www.wehpke.de http://www.wachsfraesen.de
Hallo Ulrich!
Bitte nicht so viel Dickes. Habe ich doch die einfachsten Regeln des Gastgebers verletzt und Dir nicht mal was zum Trinken angeboten. Hatte ich doch selber einen trockenen Hals nach dem vielen Erzählen....
Das Reparieren von beschädigten Steinen ist mein täglich Brot und daher habe ich eine gewisse Übung und kann die verwendeten Winkel einigermaßen abschätzen. Mit einem kleinen Trick(den Du nicht bemerkt hast) ist es dann gar nicht so schwer, die richtige Lage der Facette zu finden. Weiterhin war insofern etwas Glück im Spiel, dass die Beschädigungen über eine Ecke gingen und ich daher nicht so viele Nachbarfacetten angleichen musste. Außerdem stamme ich aus zwei Handwerkerfamilien (Waffenschmiede und Schuster) und bin von meinem erlernten Beruf her an präzises Arbeiten gewöhnt. Der Rest meiner Einrichtung ist angewandte Bequemlichkeit, um mit möglichst wenig Geld-und Zeitaufwand zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Bitte schick mir aber jetzt nicht ein paar Hundert Steine zum Nachschleifen! Neuschliffe machen mir nämlich wesentlich mehr Freude!
Nochmals vielen Dank für den unerwarteten großen Blumenstrauß und
Frohes Schaffen.
alter grauer stoanarrischer uhu
Ich bin kein Ausnutzer, kein Ausbeuter. Einzige Ausnahme: Meine eigene Person. Und auch das nur in freier Entscheidung. _________________ Gruß, Ulrich
Goldschmiede seit 1967
Feine Auftragsarbeiten aller Art, sowie Reparaturen und Juwelier-Service.
CAD, Rapid Prototyping (Fräsen, Plotten, STL), Edelmetallguss, Laserschweißen seit 1993, http://www.wehpke.de http://www.wachsfraesen.de
Du kannst Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum mitmachen. Du kannst Dateien in diesem Forum posten Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen