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Edelsteine: Investment mit Mehrwert

Interview mit der Berliner Autorin Gisela Müller - Wohin mit dem Geld, wenn Banken mit Strafzinsen drohen und die Börsen wanken? Die selbstständige Berliner Investmentberaterin Gisela Müller empfiehlt Farbedelsteine und Diamanten (in dieser Reihenfolge) als sinnvolle Depotbeimischung. Alles, was man dazu wissen sollte, hat die Expertin in ihrem neuen Buch "Facettenreich investieren in Farbedelsteine und Diamanten" zusammengefasst. Wir sprachen mit der Autorin.

Frau Müller, was hat Sie dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben?

Ich habe letztlich meine beiden beruflichen Schwerpunkte zusammengeführt. Als gelernte Betriebswirtin arbeite ich seit 1999 als selbstständige Finanzberaterin in Berlin, und zwar ausschließlich auf Empfehlung. Zum anderen bin ich Diplom-Kristallographin. Ich bin also in beide Welten eingetaucht - in jene der Finanzen und in die der Edelsteine. Aber auf die Idee, ein Buch zu schreiben, kommt man natürlich nur, wenn man eine besondere Leidenschaft für das Thema mitbringt.

...und die haben Sie?

Ja - und die teile ich mit sehr vielen Menschen. Wer wäre nicht angetan vom bestechenden Rot des Rubins, vom geheimnisvollen Violett des Amethysts, vom feurigen Glanz des Imperial-Topas oder von dem leuchtenden Orange des Mandarin-Granats? Was ist im Vergleich dazu eine Aktie, die digital in Ihrem Depot gebucht ist? Nichts gegen Aktien als Investment, aber Edelsteine sind aus meiner Sicht die einzige Anlageform mit emotionalem Mehrwert. Rubine, Saphire und Smaragde von exzellenter Qualität und ab einer gewissen Größe sind heute leider nur noch von betuchten Zeitgenossen erschwinglich. Daher stelle ich in meinem Buch auch interessante "Nebenwerte" vor, wie man an der Börse sagen würde. Unter anderem den Blauen Zirkon, Turmaline, Tansanite und Spinelle. Dabei geht es mir nicht vorrangig um lose Edelsteine, sondern auch um solche, die in hochwertige und kreative Schmuckstücke verarbeitet werden.

Als Kapitalanlage kommen aus Ihrer Sicht vor allem die drei Klassiker Rubine, Smaragde und Saphire in Betracht...?

Die in erster Linie. Und natürlich Diamanten, doch das ist ein ganz eigenes Kapitel. Auch Turmaline, Tansanite und vor allen Dingen der Alexandrit als faszinierender Farbwechsler erscheinen unter Anlageaspekten interessant. Gerade aber Alexandrite von Investment-Qualität sind heute sehr schwer zu bekommen. Und wenn, dann zu hohen Preisen.

Sie behandeln in Ihrem Buch natürlich auch Diamanten als Kapitalanlage, doch es scheint, dass Sie eine Präferenz für Farbedelsteine haben. Warum?

Das ist richtig. Dabei spielt aber nicht nur meine persönliche Vorliebe eine Rolle. Vielmehr wird der Diamantenmarkt nach wie vor von einem Oligopol aus mehreren Großkonzernen beherrscht, die entscheidenden Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Das heißt, sie können entweder mit einer offensiveren oder einer defensiveren Versorgung der Märkte Einfluss auf die Preise nehmen. Bei dem eher kleinteiligen Markt für Farbedelsteine ist dies nicht der Fall.

Sie raten also von Diamanten ab?

Nein, sonst hätte ich dieses Thema in meinem Buch nicht so ausführlich behandelt. Aber für Diamanten gelten andere Gesetze...

Welche zum Beispiel?

Investment-Diamanten sollten nach Möglichkeit lupenrein sein. Bei Farbedelsteinen hingegen sind die sogenannten Einschlüsse von besonderer Relevanz. Sie gelten gleichsam als "Fingerabdrücke der Natur" und geben Hinweise auf Echtheit und Herkunft der Steine. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Einschlussbildern.

Der Gold- und Silberpreis ist in den vergangenen Monaten massiv gefallen. Viele Marktbeobachter sprechen von gezielter Manipulation. Ist Ähnliches auch bei Edelsteinen zu befürchten?

Nein, weil die Marktverhältnisse ganz andere sind. Es gibt keine hochriskanten Hebelprodukte und Derivate für den Edelsteinmarkt. Ebenso wenig lassen sich zum Beispiel Rubine, Saphire oder Smaragde "leer verkaufen". Wer solche Steine veräußern möchte, muss sie auch besitzen. Sonst läuft gar nichts. Auch das, was wir auf dem Edelmetallmarkt als "Goldleihe" kennen, funktioniert bei Edelsteinen nicht. Ein Goldbarren ist ein Goldbarren. Aber ein Edelstein ist ein Unikat. Es gibt ihn nur einmal.

Also schnell das Aktiendepot auflösen, die Sparbücher plündern und dann Farbedelsteine kaufen?

Das wäre gefährlich und unsinnig. Ich empfehle Farbedelsteine und in geringem Umfang auch Diamanten als Beimischung zur Diversifizierung eines Sachwertportfolios. Wer einen Großteil seines Vermögens in Edelsteine investiert, ersetzt nur ein Klumpenrisiko durch ein anderes. Ziel einer intelligenten Vermögensanlage muss es aber sein, die Risiken zu streuen und zu minimieren.

Wie hoch darf der Anteil an Edelsteinen in einem Vermögensportfolio ausfallen?

Diese Frage ist aus meiner Sicht seriös nicht zu beantworten. Ebenso wie es keine Faustformel für die optimale Aktienquote in einem Portfolio gibt. Das hängt immer von den ganz individuellen Rahmenbedingungen ab.

Angenommen, ich möchte in Farbedelsteine investieren. Wie gehe ich vor?

Ich empfehle: erst interessieren, dann informieren und dann investieren. Wenn Sie keine Affinität zu Edelsteinen haben, rate ich von einem Investment eher ab. Und ansonsten - soviel Eigenwerbung sei mir gestattet - kann es nicht schaden, mein Buch zu lesen...

Das stimmt, ich habe es bereits getan und kann es guten Gewissens empfehlen. Vielen Dank Frau Müller.

Das Interview führte Michael Brückner

Gisela Müller: Facettenreich investieren in Farbedelsteine und Diamanten, Berlin Dezember 2014, rund 200 Seiten, Hardcover, illustriert, 24,90 Euro, Verlag Pro Business, zu beziehen in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag unter www.book-on-demand.de/node/23912

Archivbeitrag 18.12.2014
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