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Cornehl-Uhren: Die junge Marke aus Stuttgart

In einem kleinen Atelier im Stuttgarter Osten entstehen die Uhren der noch sehr jungen Marke Cornehl. Im Jahr 2016 gingen Steffen und Ulrike Cornehl an den Start und waren erstmals auf der Munichtime und Viennatime vertreten. Wir besuchten sie, nahmen ihre kleine Kollektion unter die Lupe und gingen der Frage nach, welche Philosophie hinter diesen Uhren steht.

Die Leidenschaft zu Uhren, sagt man, begleitet die Betroffenen oft ein Leben lang. Was freilich nicht ausschließt, dass sie mitunter Zyklen aufweist. Steffen Cornehl entwickelte schon in jungen Jahren eine besonders intensive Beziehung zu Zeitmessern ganz unterschiedlicher Art. Während seiner Ausbildung in Hamburg entdeckte er unter anderem seine Liebe zu antiken Uhren. Auch Präzisionspendeluhren interessierten ihn so sehr, dass er später - zusammen mit einigen Mitstreitern - drei dieser außergewöhnlich exakten Zeitmesser selbst baute. Als Serviceuhrmacher bei einem renommierten Juwelier in Reutlingen reparierte er Uhren von den ersten Adressen der Haute Horlogerie. Später arbeitete er für Blancpain, bevor er an der Uhrmacherschule Karlstein in Niederösterreich seine Meisterprüfung ablegte. Seine Expertise als Reparateur antiker Uhren wurde von den Kunden geschätzt. Insgesamt also eine lupenreine Karriere in der Branche der tickenden Kunstwerke.

Und dennoch war Steffen Cornehl nicht wirklich zufrieden. Vielleicht lag das daran, dass er die Berufsbezeichnung "Uhrmacher" von Anfang an ganz wörtlich interpretierte. Er wollte Uhren "machen", im Sinne von herstellen, und nicht ausschließlich reparieren. Bildhaft ausgedrückt: Sein Atelier sollte eine Art "Kreißsaal" für Uhren werden - und nicht allein eine Reha-Anstalt, obwohl es sicher gleichermaßen faszinierend ist, alten Uhren neues Leben einzuhauchen oder sie fit zu machen für die nächsten Jahre.

Zunächst entschloss sich Steffen Cornehl aber, an der FH Esslingen ein Studium für Maschinenbau und Betriebswirtschaft zu beginnen. Nach seinem Abschluss arbeitete er einige Jahre als Ingenieur. In dieser Zeit entwickelte er aus philosophisch-spirituellen Gründen ein eher differenziertes Verhältnis zum Luxus im Allgemeinen. Braucht der Mensch Luxus? Und braucht er Luxus-Uhren?

Die Rückkehr an den Uhrmachertisch

Wer weiß, wo und in welcher Funktion Cornehl heute arbeiten würde, wäre da nicht ein Kunde in Esslingen gewesen, der Probleme mit seiner alten englischen Bodenstanduhr hatte und um Hilfe bat. "Zunächst wollte ich diesen Auftrag gar nicht annehmen. Mein Werkzeug war eingemottet, meine Erfahrungen als Uhrmacher lagen schon ein paar Jahre zurück". Doch der Esslinger Uhrenfreund gab nicht auf und erreichte mit seiner Hartnäckigkeit nicht nur, dass Steffen Cornehl seine Uhr reparierte, sondern sukzessive wieder zu seiner alten Leidenschaft zurückkehrte.

Zunächst war Improvisationstalent gefragt. Ehefrau Ulrike Cornehl erinnert sich: "Plötzlich hatten wir immer mehr Uhrmacherwerkzeug im Haus. Ein Uhrmachertisch reichte nicht, ein zweiter musste her. In unserer Küche hing plötzlich eine Uhr zum Probelaufen. Ich hatte anfangs kaum einen Bezug zur Uhrmacherei". Das sollte sich indessen bald ändern. "Heute habe ich ein absolut emotionales Verhältnis zu Zeitmessern", freut sie sich.

Mag sein, dass dieses emotionale Verhältnis vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Steffen und Ulrike Cornehl seit 2016 mit einer eigenen kleinen, aber sehr feinen Uhrenmarke am Markt sind: "S. Cornehl Stuttgart" steht auf den Zifferblättern. Noch vor ein paar Monaten selbst bei Uhrenfreunden kaum bekannt, hat die kleine Marke mittlerweile sogar Freunde in Asien gefunden.

"Wollte lernen, eine Uhr zu bauen"

Dass Menschen, die von einer Leidenschaft für mechanische Zeitmesser angetrieben werden, davon träumen, irgendwann ihre eigene Marke zu kreieren, ist nicht neu. Im Fall von Steffen Cornehl war dies aber geradezu eine prozesshafte Entwicklung. Seine Idee setzte er gleichsam strategisch um. "Ich wollte nicht nur wissen, wie man Uhren repariert, sondern auch lernen, wie man welche baut".

Fasziniert las Cornehl die Bücher von international renommierten Uhrenkonstrukteuren wie dem 2011 verstorbenen George Daniels, dem Erfinder der Co-Axial-Hemmung. Auch der Tourbillon-Bauer Steffen Pahlow, der nie eine Uhrmacherlehre absolvierte, sondern sein profundes Tourbillon-Know-how rein autodidaktisch erwarb, weckte die Neugier von Steffen Cornehl.

"Bei der Anschaffung von Werkzeug und Geräten für mein Uhrenatelier achtete ich immer darauf, dass ich damit nicht nur Uhren reparieren, sondern auch welche herstellen konnte. Zu meinem Equipment gehörte zum Beispiel eine Fräsmaschine für Triebe und Räder, die ein Uhrmacher für Reparaturen nicht unbedingt braucht".

2016 startet der Marke S. Cornehl

Im Jahr 2016 war die Cornehl-Kollektion mit drei Modellen marktreif. Eines dieser Modelle spiegelt eine frühe Leidenschaft des Uhrmachermeisters wider: Er liebt Regulatoren, inspiriert von den Präzisionspendeluhren, die es ihm so sehr angetan haben. Bei Regulatoren kommt es auf Minuten und Sekunden an; die Stundenanzeige erfolgt eher klein auf einem Hilfszifferblatt. Man muss also schon etwas genauer hinschauen, um die Uhrzeit ablesen zu können - zumindest in der Anfangszeit. Aber vielleicht mögen viele Uhren-Liebhaber ihre Regulatoren am Handgelenk ja gerade deshalb: Sie müssen Ihnen etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, was viele gewiss gern tun.

Der Regulator SC1 von Cornehl ist für 4.100 Euro erhältlich. Wer die gewohnte Zeitanzeige vorzieht, für den können die Dreizeigeruhren von Cornehl - Klassik Silber SC1 und Klassik Schwarz SC1 - in Frage kommen. Alle Modelle gibt es mit unterschiedlichen Details, zum Beispiel mit gerändelter oder doppelbombierter Lünette, flachem oder gewölbtem Glas sowie zwei Kronen-Varianten. Auch ein guillochiertes Zifferblatt ist möglich und wurde bereits für einen Kunden von einem Meister seines Fachs angefertigt.

Im Inneren der Uhren ticken als Basiskaliber die bewährten Unitas-Werke, in die Steffen Cornehl aber viel Handwerkskunst investiert, damit der Uhren-Gourmet mit einem Blick durch den verschraubten Saphirglasboden auf der Rückseite der Zeitmesser gleichsam mit den Augen auf dem fein dekorierten Handaufzugswerk "spazieren gehen" kann. Die Bühne hierfür bieten eine handgefertigte ¾-Platine, verschraubte Goldchatons und eine Schwanenhalsfeinregulierung. Auf dem Zifferblatt drehen handgeschliffene, polierte und gebläute Stahlzeiger ihre Runden.

Die Edelstahlgehäuse der aktuellen Kollektion haben einen Durchmesser von 42 Millimetern. Mittelfristig sollen Uhren mit einem kleineren Durchmesser und einem anderen Werk die Cornehl-Kollektion ergänzen. "Unsere Uhren sollen auch in vielen Jahrzehnten noch optisch schön sein. Deshalb legen wir Wert auf ein zeitloses und ästhetisches Design", sagt Ulrike Cornehl. Und ihr Ehemann Steffen ergänzt: "Unsere Kollektion wendet sich an Menschen, die ein emotionales Verhältnis zur Uhr haben. Wir stellen nur kleine Stückzahlen her und halten die Kollektion bewusst überschaubar. Mich fasziniert, wie in solchen Uhren Handwerk und Kunst eine harmonische Einheit bilden. Da sie nicht maschinell ruck-zuck gefertigt werden, sondern in meinem kleinen Atelier in Stuttgart unter Einsatz von viel handwerklicher Kunst entstehen, sind solche Uhren aus meiner Sicht auch Symbole zur Entschleunigung der Zeit".

In der Tat: Man kann Zeit verlieren, und man kann Zeit gewinnen. Man kann jemandem Zeit stehlen, und jemandem Zeit schenken. Die Zeit ist eine knappe Währung. Kein Mensch weiß, wie knapp sie für ihn ist. Daher ist es an der Zeit, sich Zeit zu nehmen - für die schönen Dinge des Lebens. Zum Beispiel für eine mechanische Uhr.

Michael Brückner

www.cornehl-uhren.de

Archivbeitrag 13.02.2017
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