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Verfasst am: Mo, 08. Mai. 2006 08:59 Titel: Der Goldschmiede-Beruf
Hallo alle miteinander!
In unserem großen, 4-teiligen Fachbeitrag zum Beruf Goldschmied in unserem Schmuckjournal, habe ich umfassende Informationen rund um die Ausbildung zum Goldschmied zusammen gestellt:
Da sich bestimmt Fragen ergeben und auch andere Erfahrungen und Meinungen interessant sein werden,
kann hier in diesem Thread munter zum Beruf Goldschmied, bzw. zur Goldschmiedelehre diskutiert werden.
Bitte beachten:
Fragen zu einzelnen Fachwörtern bitte nicht in diesem Faden stellen, sondern hier im Goldschmiede-Forum für jeden Begriff einen seperaten Faden eröffnen - insofern noch keiner zum Begriff existiert! Das ermöglicht eine sinnvolle Eröterung der Fachwelt eines Goldschmiedes.
Herzlichen Dank und nun viel Freude beim Informationsaustausch...
guter Artikel!
Bin schon auf die weiteren Teile gespannt!
Wo sich bei mir ein paar Fragezeichen bilden: Du schreibst als Goldschmied muss man ein Gefühl für Farben haben.
Wo zeigt sich denn, dass Goldschmiede und Goldschmiedinnen kein Gefühl für Farben haben?
lg,
Rubi _________________ "Freedom is just another word for nothing left to loose."
Lieben Dank für Dein Lob! Schön, dass Du so interessiert meinen Artikel gelesen hast.
Als Goldschmied ist man Farbtechnisch hauptsächlich bei Edelsteinkombinationen gefordert. Bei manch einen Schmuckstück mit unterschiedlichen Steinen ziehts mir beim Anblick die Zehennägel auf. Aber ist ja oft auch Geschmackssache
Da ich als Goldschmiedin oft Kundenwünsche auf Papier bringen muß, ist ein Gefühl für Farben auf alle Fälle von Vorteil. Man will ja was ordentliches Vorlegen können. Der Kunde entschließt sich schließlich oft anhand der Zeichnung für das Schmuckstück.
Ich hoffe, ich konnte Dir Deine Frage beantworten.
Danke, für den interessanten Bericht, werde ich gleich mal meiner Tochter ausdrucken, die ist nämlich schwer am Berufe überlegen und Goldschmiedin ist bei der langen Liste dabei.
Weiß zufällig wer, ob die Ausbildung in Österreich ähnlich ist?
Wieviele Ausbildungsbetriebe gibt es noch?
Da wir sehr grenznah leben (huhu, ihr lieben Bayern) gehen aber schon immer mehr Salzburger und Salzburgerin zu Ausbildung und auch zur Berufsausübung nach Bayern, von Gymnasiallehrern von Altötting bis Chiemsee, aber eben auch Lehrlinge.
Finde den Beitrag ebenfalls hervorragend gelungen und manch einer der Österreicher im Forum wird dich hoffentlich unterstützen!
Auf auf! Laßt Ruby nicht alles alleine machen! Just my 2 Cents
auf der Suche nach Informationen über die Ausbildung zum Goldschmied bin ich zufällig auf diese Homepage und auf den Artikel "Goldschmied - Teil 1: Die Ausbildung und was einen erwartet" gestoßen. Da ich dieses Jahr das Abitur gemacht habe und zunächst studieren wollte, bin ich nun leider etwas spät dran. Ich denke mal, dass wohl kaum noch Ausbildungsplätze vorhanden sind. Trotzdem würde ich Sie bitten, mir über die "Berufsschule in München in der Luisenstraße", von der im Artikel die Rede ist, und über mögliche Ausbildungsstellen, Informationen zu geben, denn es wäre für mich durchaus möglich, erst nächstes Jahr zu beginnen.
(Habe bereits mit einem Kollegen von Ihnen Kontakt aufgenommen, der mich an Sie verwiesen hat, ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen!)
Schön, dass Du Interesse für unseren Beruf zeigst. Aber recht viel Hoffnung, dass Du eine Lehrstelle bekommst, kann ich Dir leider momentan nicht machen. Immer weniger Betriebe bilden aus und die meisten werden Ihre Lehrstellen schon besetzt haben. Frag doch mal bei der Arbeitsagentur nach. Vielleicht hast Du Glück. Mir ist damals von einen Berufsberater abgeraten worden. Ich habe dann einfach persönlich bei ein paar Goldschmieden vorbeigeschaut, mich vorgestellt und mich über eine freie Lehrstelle oder ein Praktikumsplatz erkundigt. Ich hatte Gott sei Dank das Glück, eine Lehrstelle zu bekommen und übernommen zu werden.
Das nächste Problem nach der Lehre wird sein, einen Arbeitsplatz zu finden. Viele aus meiner Goldschmiedeklasse sind damals nicht übernommen worden und haben keine Anstellung als Goldschmiedegeselle gefunden. Sie sind mittlerweile in anderen Berufen tätig.
Die genaue Anschrift der Berufsschule ist:
Berufsschule für das Bau- und Kunsthandwerk
Luisenstraße 9-11
80333 München
Tel.: 089/2330327
Welche Informationen über die Berufsschule hättest Du denn gern noch zusätzlich?
Verfasst am: Do, 17. Aug. 2006 18:02 Titel: Ausbildung
Hallo Bettina!
Ich suche schon seit langem nach Informationen über den Beruf Goldschmiedin!
Und Leider musste ich feststellen, dass es sehr schwierig ist einen Ausbildungsplatz in diesem Bereich in Bayern zu erlangen!
Im nächsten Jahr werde ich mein Abitur im Bereich Gestaltung erreicht haben.
Vielleicht können Sie mir helfen und mir einige Adressen nennen.
In der Arbeitsagentur konnte ich nämlich zu meinem Pech keine positiven Ergebnisse erzielen!
Diesbezüglich kann ich Dir leider nicht weiter helfen. In der momentanen Wirtschaftslage ist es nicht einfach einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Wie ich auch schon der Carolin empfohlen habe, würde ich persönlich bei Goldschmieden vorbeischauen und mich um einen Praktikumsplatz oder eine freie Lehrstelle erkundigen. Eine ehemalige Klassenkamaradin aus der Goldschmiedeberufsschule mußte 60 Bewerbungen schreiben um einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
meine Tochter hat sich heute in einer Goldschmiedewerkstatt vorgestellt. Sie möchte unbedingt Goldschmiedin lernen.
Die erste Frage, die ihr gestellt wurde war, ob sie auch die WC´s, Fenster usw. putzen würde!! Die Chefin hat keine Putzfrau!
Sie muss anscheinend dort auch die kleine Tochter (4 Jahre) der Chefin von Kindergarten abholen und ihr nach dem Kindergarten in der Werkstatt vorlesen!!
Musste jemand etwas ähnliches während seiner Lehrzeit in Kauf nehmen?
Meine Tochter ist natürlcih sehr frustriert, noch dazu weil in unserem Raum kaum eine Goldschmiedewerkstatt ausbildet!
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 6507 Wohnort: München
Verfasst am: Fr, 15. Sep. 2006 13:26 Titel:
Damit testet man die Motivation. Gerade Mädchen stellen sich den Goldschmiedeberuf oft falsch vor und haben eine hohe Abbrecherquote. _________________ MfG Butschal
Neulich rief eine weibliche Stimme an. Die dazugehörige junge Dame wollte ebenfalls ein Praktikum in einer Goldschmiede machen. Ich hab gesagt, was ich in derartigen Fällen immer sage: Am Telefon mache ich dazu keine Aussage. Vorbeikommen. Sie kam dann auch. Dann hab ich gemacht, was ich in derartigen Fällen immer mache. Ich habe sie eine kleine Testarbeit machen lassen. Ich sage hier nicht worin diese bestand, sonst isses aus damit, weil die jungen Leute üben. Nur so viel, es handelt sich um eine Tätigkeit, die nirgendwo ausgeübt wird, die jedoch alle mir wichtigen Bereiche tangiert und widerspiegelt: Handwerkliche Begabung, Sorgfalt, Formgefühl, Mut, Beherrschung der Feinmotorik, und nicht zuletzt auch die dabei unabdingbare Sorgfalt. Das alles innerhalb einer eng umrissenen Zeitspanne.
Die junge Dame überraschte mich maßlos. Was sie mir in der etwa 2 bis drei-minütigen Testarbeit bot, das habe ich noch nie erlebt. Ein offensichtliches Naturtalent der absoluten Seltenheitsklasse! Ich habe ihr dann gesagt was ich sagen musste:" Das Geschäft läuft!" Ungläubigkeit. Ob das denn alles gewesen wäre, sie freute sich ja maßlos, aber das könne doch kein Test gewesen sein. Dabei hatte sie doch ein Zeugnis mit, aus welchem der Rest durchaus zu entnehmen war.
Sie hat dann ihre Herbstferien geopfert, mit einer Riesenbegeisterung einen dreckigen und vollgemüllten Arbeitsplatz gesäubert (Danke!) und sich dann hingesetzt. Ich habe ihr das Ziel des Praktikums erklärt. Ziel sei, sofern sie das schaffe, die eigenständige Anfertigung eines Ringes oder eines Anhängers. Und damit keine Unklarheiten aufkamen, habe ich ihr gleich gesagt, dass ich nur Arbeiten abnehme, die ich persönlich als gut bewerten würde. Dann musste ich eine Besorgung in der Innenstadt machen, Mein Sohn Wolfram sollte sich um die Praktikantin kümmern. Als ich nach etwa zwei Stunden zurück kam, stand Wolfram neben dek kleinen Fräulein und rollte verzweifelt mit den Augen. Ich verstand den Wink, drehte mich rum und ging aus dem Raum. Im Gehen sagte ich, dass mein Sohn ins Büro mitkommen sollte. Hat er auch gemacht. Im Büro: "Sag mal, was soll die Augenrollerei?" "Du wirst es nicht glauben, aber die Maus sägt wie der Teufel persönlich. Bei den geraden Strichen hat sie genau einen gemacht. Der war wie mit dem Lineal gezogen. Geht nicht besser. Dann hab ich sie sicherheitshalber noch Einen sägen lassen, genauso. Braucht man nicht zu vertiefen. Die kann das. Dann hab ich sie links und rechts vom Strich sägen lassen, dito. Dann Kurven eng und weit, Winkel und einen Mäander. Du, die ist mit allem schon fertig!" Ungläubig hörte ich diesen Bericht. Zurück in der Werkstatt, ließ ich mir die Teile Zeigen. Ich kann es selber nicht sehr viel besser.
Ein Blick zu Uhr, es war noch nicht einmal 12. Am gleichen Tag hat sie noch einen Vierkantstab aus der Hand rund gefeilt und ein rundes Messingteil auf vierkant gebracht. Jeweils etwa 40 mm lang. Ich brauche, glaube ich, nicht zu erwähnen, dass die Wundermaus um 16 Uhr 30 mit diesen Dingen fertig war, dass sie nur diese beiden Teile gemacht hat und dass die Dinger annähernd perfekt waren!
Ich kürze ab. In den kommenden zwei Wochen hat das Mädel sich nicht nur durch die grundlegenden Techniken gearbeitet, sondern sie hat sich auch ihren versprochenen Ring gebaut. Und ein Anhänger dazu. Und ein Armband dazu. Die Sachen sind hübsch und eigenartig. Und darüber hinaus von einer Qualität, als ob sie eine ausgelernte Fachkraft gefertigt hätte. Alle von ihr gefertigten Teile hat sie als Erinnerung behalten dürfen.
Am letzten Tag fragte ich sie was sie denn für einen Beruf erlernen möchte, ob sie studieren, oder lieber einen gewerblichen Beruf ergreifen wolle - da guckt sie mich an und meint wie aus der Pistole geschossen: "Goldschmied will ich werden, Goldschmied!" Ja, und dann hab ich ihr gesagt, dass sie das kann. Bei mir. So was habe ich noch nicht erlebt - und ich habe schon Viele ausgebildet.
Eine Woche später kommt ein Anruf von der Schule, der Schulleiter, Herr X (den ich persönlich kenne) am Apparat. Er übte harsche Kritik an meinem Verhalten, die Schülerin sei vollkommen verändert, sie erzähle nun sogar herum dass sie schon jetzt eine Lehrstelle hätte (muss noch über ein Jahr zur Schule gehen) und er fände das gar nicht gut, dass ich der Schülerin derartige Geschenke machen würde, die sie zu alledem noch als persönliche Erzeugnisse ausgeben würde. Versichert sei sie auch nicht hewesen, da so ein "wildes Praktikum" nicht durch die Schule gedeckt sei. (So ein Quatsch!)
So viel zu einem jungen Talent, aber auch zu unseren Schulen!!!
Gruß, Ulrich _________________ Gruß, Ulrich
Goldschmied ist überhaupt kein Beruf, es ist eine Berufung, eigentlich sogar eine Sucht!
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