Du befindest Dich im Benutzerbereich unseres Forums.

Kamee - Wert?

 
  • 1
  • 2
Catharina
 
Avatar
 

Catharina

 ·  #1
Guten Tag, die Kamee auf den Fotos habe ich beim Nachlass meiner Mutter gefunden. Sie ist 4,8 x 6 cm groß und ca. 28 Gramm schwer. Auf der goldenen Einfassung habe ich keine Stempel finden können. Mich würde der Wert interessieren und vielleicht noch ein Tipp, wo ich so etwas verkaufen kann, wenn sich das lohnt. Vielen Dank im Voraus
Anhänge an diesem Beitrag
Kamee - Wert?
Kamee - Wert?
MaJa
PostRank 11 / 11
Avatar
Beiträge: 1190
Dabei seit: 04 / 2018

MaJa

 ·  #2
Dargestellt ist Diana, Königin der Jagd. aus meiner Sicht ist es keine wirklich antike Brosche aus dem 19. Jahrhundert, sondern soll eine solche imitieren. Die Muschelkamee ist maschinell geschnitten, die Broschierung ist neueren Datums (nach 1935).
Problem bzgl. Verkauf ist, dass Broschen und speziell Kameen nicht gerade der heiße Scheiß sind.
Ich würde mal EUR 50 ansetzen, Verkauf über eine Online-Platform oder Kleinanzeigen.
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #3
Bin etwas spät hier, Entschuldigung...

Sammle seit Jahren Kameen, bevorzugt antik, habe aber auch zeitgenössische Qualitätskameen - in Torre del Greco, bei Neapel ist ja die "Wiege" der Kameenschnitzkunst und dort hat es immer noch wahre Meister.

Die vorliegende Kamee ist in der Tat Diana. Die Kamee ist handgeschnitzt aus der roten Helmschnecke "cypraecassis rufa", in Italien "corniola" genannt - ist die "klassische" "günstigere" oder "alltäglichere" Variante, da die teureren Helmschnecken natürlich rarer sind.
Die Kamee ist guter Qualität, nicht museal, aber gut und die Fassung scheint original, ausser die Nadel und der Verschluss sind sicherlich nicht original. Das Kugelschloss wurde nach den 1930er Jahren verwendet und auch die Farbe des Metalls lässt auf eine spätere Arbeit schliessen. Wahrscheinlich musste sie ersetzt/repariert werden. Die Öse ist typisch für die Zeit. Material keine Ahnung... könnte vergoldet oder ähnlich Messing sein... man hat oft Pinchbeck verwendet ("Narrengold", da wie Gold aussehend, aber günstig zu haben), aber das kam dann Ende 19.Jh aus der Mode. Oft ist das Metall (auch Gold) nicht punziert. Ein Goldschmied kann schnell und einfach (auch kostenlos) prüfen, ob es Gold oder vergoldet ist. In den USA wurden sie oft aus 10Karat legiert oder dann oft auch exotisch wie 8, 11, 13 oder 15 Karat... es gibt ein bisschen alles mögliche.
Sie scheint gut erhalten. Ich würde sie sorgfältig reinigen. Mit milder neutraler Babywaschlotion oder Babyshampoo, sehr gut mit einem weichen Tuch trocknen und leicht einfetten mit dem eigenen Hautfett (kurz übers Gesicht gleiten lassen) oder mit etwas farblosem Babyöl (möglichst parfümfrei). Mandelöl wäre ok... möglichst keine gefärbten Öle. Nur ganz wenig Öl, danach mit dem weichen Tuch wegtupfen und mit den Fingern gut einmassieren. Kameen sollten regelmässig in die Hand genommen und/oder getragen werden... ab und zu einölen auch gut, da sie sonst spröde werden können, wenn sie jahrelang in der Schublade liegen. Es sind KUNSTWERKE und man soll sich daran erfreuen :)
Wert ist alles möglich... kommt auf den Liebhaber an... sie sind immer mehr en vogue und viele Internetplattformen bieten sie an, in allen Preislagen... Käufer würden für diese hier auch sicherlich 200 bis 300 Euro bieten... schade ist die Nadel und vor allem der Verschluss nicht original.
Verkaufen kann man versuchen z.B. auf eBay oder Etsy. Ich finde dort immer ganz tolle Kameen, manchmal echte Schnäppchen, da die Verkäufer keine Ahnung haben, welche Schätze sie haben :)
Hoffe das hilft...
Liebe Grüsse aus der Schweiz. Bin selber Italienerin aus Süditalien und liebe alles was mit Kameen, Perlen und Korallen zu tun hat :)
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #4
Ich habe ganz vergessen sie zu datieren...
Die Kamee ist sehr wahrscheinlich in die frühen 1900er Jahre zu setzen... so um 1910 aber auch die frühen 1920er wären möglich... die Stupsnäschen kamen leider ab den 1910-20er in Mode und haben die antiken geraden Profile ersetzt. Sie hat einen Anflug schon von Stupsnäschen, kann aber gut noch um 1900 geschnitzt worden sein. Einige aus den 1890er sahen auch schon so aus.
Liebe Grüsse !
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #5
übrigens, da sie eher gross und auch ziemlich schwer ist, ist sie mehr wert und gesuchter als "Kleinkram" :)
Silberfrau
PostRank 11 / 11
Avatar
Beiträge: 18159
Dabei seit: 07 / 2011

Silberfrau

 ·  #6
Interessant, vor allem das mit den Nasen.
Heinrich Butschal
Moderator
Avatar
Beiträge: 31769
Dabei seit: 07 / 2005

Heinrich Butschal

 ·  #7
Eiserne Lady
 
Avatar
 

Eiserne Lady

 ·  #8
Catia hat das sehr aufschlußreich und gut erklärt... hilfreiche Tips.Toll!
Ich bin auch über das angeblich maschinell Geschnittene gestolpert, denn das ist es augenscheinlich nicht. Vermute auch um 1910. Wert höher denn es gibt ja noch Liebhaberinnen.
Guestuser
 
Avatar
 

Guestuser

 ·  #9
Zitat geschrieben von Silberfrau

Interessant, vor allem das mit den Nasen.


Ich habe hier auch sehr viel gelernt... vielen Dank, für die tollen Beiträge in diesem Forum :love:
Ich dachte, ich hänge ein paar "Nasen"-Beispiele an, da die Profile zu den Hinweisen gehören, wie man Kameen zeitlich einfacher eingrenzen kann... andere Hinweise sind z.B. der Verschluss, die Frisuren, das Motiv/Sujet etc.

Die in Silber gefasste junge Göttin Flora (Rosen im Haar) hat ein klassisches "geradnasiges"-Profil... typisch griechisch-römisch im Stil... sie ist sehr wahrscheinlich um die 1870er Jahre und aus der "Sardonyx-Muschel" (hochwertiger als die "Corniola-Muschel") geschnitzt. Ich liebe diese Kamee über alles... habe sie fassen lassen, da ich sie ungefasst gekauft hatte... der Goldschmied hat sie mit klassischen Loorbeerblättern gravieren lassen und kleine Sterne eingefügt. Die Öse ist etwas ungewöhnlich, damit man die Kette auf verschiedene Arten einfügen kann. Gold konnte ich mir leider nicht leisten, aber er hat das Silber so schön gebürstet und behandelt, dass es sicher lange so schön bleibt...

Die andere Kamee hat eine typische zeitgenössische Stupsnase... es ist die Muse Erato. Sie ist in 18Karat Gelbgold gefasst und eine typische zeitgenössische Arbeit aus Italien. Wahrscheinlich aus den 1980ern oder 1990ern. Schön geschnitzt, aber eher einfachere Qualität und auch "klein" in der Grösse. Sie ist aus der günstigeren Corniola Helmschnecke - wie die Kamee der Besitzerin, die diesen Post gemacht hat. Nochmals, eine SCHÖNE Kamee, die Sie haben. Ich würde sie wirklich nicht unter 200 Euro anbieten. Sie könnte auch 500 bringen... Je nach Nachfrage und wie und wo sie "angepriesen" wird. Etsy.com ist keine schlechte Idee :)

Hoffe das hilft weiter... übrigens, frohe Weihnachten !
Anhänge an diesem Beitrag
Kamee - Wert?
Kamee - Wert?
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #10
"Guestuser" bin immer noch ich, Catia... habe vergessen meinen Namen einzufügen...
Muss mir ein Konto zulegen, sorry :(
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #11
Hier eine ähnlich Kamee, wie die Diana, die die Posterin hier reingestellt hat...
Die Rosen und das Haar sehr ähnlich im Stil...
Sie ist jetzt wie gesagt auf Etsy eingestellt und sogar mit über 1500 Euro angesetzt (finde ich viel zu hoch). Typisch aus der "Edwardian"-Zeit oder "Spätjugendstil"... so Anfang 1900, Tendenz 1910-1915... wieder die günstigere Corniola-Muschel, hier aber das hochwertige Weissgold, in 14Karat. Die Schliesse ist TYPISCH aus der Zeit. Ein wirklich spannender Mechanismus... wurde dann vom Trompeten- und dann vom Kugelschloss abgelöst... die einfache "C"-Schliesse ist übrigens die älteste Schliesse :)

Ähnliche Kamee wie die "Diana" in diesem Thread
Tilo
PostRank 11 / 11
Avatar
Beiträge: 27062
Dabei seit: 09 / 2006

Tilo

 ·  #12
und woran erkennst du den Unterschied der Muschelarten?
Heinrich Butschal
Moderator
Avatar
Beiträge: 31769
Dabei seit: 07 / 2005

Heinrich Butschal

 ·  #13
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #14
Zitat geschrieben von Heinrich Butschal

Weißgold wurde erst Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts erfunden.


Sorry, habe ab 1900 geschrieben... Weissgold wurde 1912 erfunden und 1913 patentiert, in Pforzheim, von Karl Richter. Es gibt/gab verschiedene Legierungen, da mehrere Leute damit experimentierten. Auch die "Brüder Belais", die 1920 eine Kombination aus Gold, Nickel und Zink patentieren liessen und das Patent bis in die 1930er Jahre hielten. Produziert/verarbeitet und vetrieben wurde es aber schon in den 1910er Jahren. Die Brosche ist meiner Meinung nach schon nicht mehr aus den 1920er Jahren, sondern davor. Ist aber meine Meinung, klar, kann sie auch in die frühen 20er gehen...
Catia
 
Avatar
 

Catia

 ·  #15
Zitat geschrieben von Tilo

und woran erkennst du den Unterschied der Muschelarten?


Die Schichten und Farben der Muscheln sind anders... technisch gesehen sind es Herlmschnecken.

Die klassische/gängigere/günstigere Muschel, die man meistens benutzt ist die "rote Helmschnecke" (cypraecassis rufa):
Corniola-Muschel
Die Schichten sind mehrfarbig, die oberste Schicht, die die Figur ausmacht, ist nicht "nur" einfarbig und nicht "reinweiss". Sie hebt sich oft weniger gut vom Hinter-/Untergrund ab, der meist lachsfarben ist... geht manchmal ins orange, kupfer, gelb etc... kann auch dunkler sein... man nennt sie "Corniola-Muschel"

Die etwas seltenere und wertigere (teurere) Muschel, die (cassis madagascariensis), die Königshelmschnecke (cassis madagascariensis). Man nennt sie oft Sardonyx-Muschel. Sie ist im tropischen Westatlantik, im Gold von Mexiko und in der Karibik zu finden:
Sardonyx Muschel
Die Figur ist "reinweiss" und hebt sich gut ab vom Hintergrund, der meist tief braun bis tief rostrot-braun ist...

Dann gibt es die wunderschöne "Conch"-Muschel (strombus gigas) auch "Fechterschnecke" genannt, die in der Innenseite rosafarben ist. Sie wurde seltener verwendet, da das weisse Porträt oder die Schnitzarbeit weniger gut zur Geltung kommt, als bei Muscheln mit dunklem Hinter-/Untergrund. In der Jugendstilzeit war sie sehr beliebt. Sie kommt hauptsächlich aus den Bahamas, der Karibik, bei Florida etc...
Conch-Muschel

Anbei Bilder einer typischen Sardonyx-Muschelkamee, aus der Gründerzeit (um 1860), eine "Flora" darstellend, mit dem klassischen römisch-griechischen Profil (gerader Nasenrücken) und einer Conchmuschel-Kamee, aus der Jahrhundertwende, wahrscheinlich um 1910-1915, kann auch früher sein. Ebenfalls eine "Flora" darstellend.

Es gibt auch Austerschalen-Kameen... da ist die Farbe des Hintergrunds sehr hell, fast blass-beige... Bild liegt bei. Die ist auch aus der Gründerzeit und stellt wahrscheinlich die Göttin "Fides" dar.
Anhänge an diesem Beitrag
Kamee - Wert?
Kamee - Wert?
Kamee - Wert?
Kamee - Wert?
  • 1
  • 2
Aus unserem Shop


Empfohlen von Kathrin
Schmuck
Uhren
Gewählte Zitate für Mehrfachzitierung:   0