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Polieren eines Uhrengehäuses von Breitling

 
Redaktion
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 ·  #1
https://youtu.be/WtB9FMZ3P3E
gibts hier Leute, die vielleicht nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, sich Luxusuhren zuzlegen, aber vielleicht gern beim youtube gucken oder vielleicht auch sehnsüchtig in die Schaufenster der Uhrmacher?

wie ist das mit dme Polieren in der Werkstatt der Goldschmiede?
ist das schwierig?
ist das Alltag, Luxusuhren polieren?
ist das im Video eine Schwabbel-Filzscheibe?
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 ·  #2
JA - das ist sauschwierig.
Als Uhrensammler und Goldschmied versuche ich die Gehäuse, die von angeblichen "Experten" rundpoliert bzw. kaputtpoliert wurden zu restaurieren. Leider ist es manchmal nicht möglich.
Nicht umsonst müssen die Techniker z.B. von Rolex spezielle Polierkurse belegen.
Oft können sie es aber immer noch nicht - ein guter Uhrmacher kann gleichzeitig ein schlechter Polierer sein.
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 ·  #3
Nicht umsonst ist der Beruf "Feinpolierer/in" ein eigenständiger Ausbildungsberuf :
https://de.wikipedia.org/wiki/Feinpolierer

Ein Teil der Geräte aus dem Video findet sich in einer "normalen" Goldschmiedewerkstatt überhaupt nicht, wie z.B die Lapidiermaschine.

Zitat
Gehäuse, die von angeblichen "Experten" rundpoliert bzw. kaputtpoliert wurden

Leider bekomme ich auch immer wieder von meinen Kunden Uhrgehäuse zum aufarbeiten. Wenn ich solche Arbeiten mit der Begründung ablehne, dass ich das nicht kann, ist das Verständnis der Auftraggeber stark beschränkt.
Redaktion
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 ·  #4
ok, das ist also offenbar wirklich schwierig

wie viele Nachfrage gibt es denn auf diesem Gebiet?
weiß nicht, ob da ein Goldschmied was dazu sagen möchte,
ich würd halt nur gern wissen wollen, wie viele Uhren das brauchen so im Alltag
wenn Ihr ide Frage nicht beantworten möchtet, ist das natürlich auch ok
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 ·  #5
Bei mir fallen diese Arbeiten öfter an. Patrik hat Recht, das ist meist eine ganze Menge, teils blöder Arbeit. Hat mit Goldschmieden nicht viel zu tun. Und der Einsatz an Geräten ist auch nicht unerheblich. Von den Lapidiermaschinen haben wir aus diesem Grund gleich mehrere, mit verschiedenen Handstücken und Pinolen. Wen es interessiert: Eine wäre zu verkaufen.

Allerdings ist das Meiste an den Uhrgehäusen und Bändern reine Handarbeit, auch sehr viel Laserarbeit. Wenn jemand z. B. mit seinem Zauber-Dremel so richtig zugeschlagen hat, dann kommt echt Freude auf.

Einen kleinen Eindruck davon, vermitteln diese Aufnahmen. Deutlich sieht man die verschliffenen, hohlen Stellen. Der Schraubdeckel sieht noch schlimmer aus, den habe ich aber nur fertig aufgenommen. Das Gehäuse wurde an den verdorbenen Stellen komplett mit dem Laser aufgeschweißt und anschließend auf "Neu" überarbeitet.

Aber wie das so ist, für unsere Kunden tun wir alles. Und es gibt kaum jemand auf der Welt der sich mehr über eine schöne und gelungene Arbeit freut, als ein echter Uhrensammler.
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 ·  #6
Zitat geschrieben von Zirkonhead
Nicht umsonst ist der Beruf "Feinpolierer/in" ein eigenständiger Ausbildungsberuf :
https://de.wikipedia.org/wiki/Feinpolierer


Ganz genau!

Zum Beruf des Politeurs gehört übrigens jegliche Art der mechanischen Oberflächenbehandlung, also auch Schleifen, Bürsten, Strahlen, etc. Hier kann so viel falsch gemacht werden, dass man als Laie tunlichst die Finger davon lässt. Nicht umsonst kosten die notwendigen Maschinen, Geräte und Mittel viel Geld und sind für Privatkäufer oft garnicht erhältlich.

Die Politur einer Uhr hat nicht nur ästhetische Gründe: Dadurch, dass die äusserste Schicht des Metalls, die mit den Elementen in Berührung kommt, geglättet und verdichtet wird, erhöht sich ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber korrosiven Einflüssen.

Zierschliffe auf Uhrwerkteilen haben ihren ursprünglichen Sinn und heutigen Nebeneffekt übrigens darin, dass die winzigen Riefen Abrieb und sonstige Verunreinigungen festhalten und damit den Schleifverschleiss von Wellen, Lagern und Dichtungen reduzieren.

So wie jeder Bearbeitungsschritt an einem Werkstück (Uhr) ist auch die Politur eine eigene Kunst. Da sollte man schon sehr genau wissen, was man tut, sonst sieht das Ergebnis aus, wie eine Fahrradschutzblech, das ein Zwölfjähriger mit Mamas Nirosta-Schwämmchen geschrubbt hat.

Grundsätzlich heisst Schleifen und Polieren, dass Material abgetragen wird. Das "Herausschleifen einer Macke" heisst also nichts weiter, als das Umgebungsmaterial zu reduzieren. Mit Übereifer und ohne Kenntnis von Proportion und Uhrendesign kann das Ergebnis aussehen wie plastische Chirurgie beim Metzger.

Für den Hausgebrauch und zur Entfernung kleinerer Mikrokratzer und leichter Abschürfungen eignen sich die Produkte von Cape Cod ganz gut. Man bekommt die Sachen auch in Deutschland bei den einschlägigen Online-Shops. Damit kann auch der Laie ganz passable Ergebnisse erzielen, sofern die Schäden nicht gross sind. Am besten erst einmal an einem wenig wertvollen Stück üben, Tutorials gibt es auch bei Youtube.
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 ·  #7
Wer Macken aus Gegenständen heraus schleift, begeht (zumindest im Uhren-u. Schmuckbereich) Sachbeschädigung. Kratzer, Druckstellen & Co werden, wenn man es fachgerecht machen will, erst einmal durch Auftragschweißen gefüllt und anschließend nachbearbeitet. Alles andere ist Murks!
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 ·  #8
Genau! Und ich kann mir kaum einen Hobbybastler vorstellen, der das hinbekommt.

Klar, kann man zufrieden mit einem Murksergebnis leben und stolz darauf sein, wenn das Motto lautet: "Haupsache selber gemacht."

Wer jedoch ein perfektes Ergenbnis wünscht und den Wert seines Schätzchens erhalten will, der gibt es besser in professionelle Hände.
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 ·  #9
Was da an unwiederbringlichen Schätzen vernichtet, oder zumindest beschädigt wurde, ist nicht in Worte zu fassen. Wir beschäftigen uns oft mit den Folgen. Vergangener Tage hatten wir eine schöne, alte Applikation aus Bronze, vermutlich Frankreich um 1720, ein schönes Teil. Da hatte ein selbstüberzeugter Heimwerker mit seinem Dremel eine Bruchstelle "gesäubert" und mit Lötzinn versucht zu reparieren. Da kam dann natürlich Freude auf, aber ich hab das hingekriegt und man sieht nichts mehr. Die Vergoldung deckt mitleidig alle Schandtaten zu.

Mir sind immer diie Schäden am liebsten, die so wie sie kaputt gegangen sind, bei mir auf den Tisch kommen. Ich habe sogar mal einen Großuhrentrieb (engl. Standuhr) bekommen, da hatte ein Künstler die ausgewaschenen Stellen des Triebes mit Zinn und Messingteilen, die er sich zurechtgefeilt hatte, "restauriert". Das Ganze ist dann kein halbes Jahr gelaufen und kam dann zu mir. Es wurde etwas teurer als es vorher gewesen wäre. ;-)
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 ·  #10
Zitat geschrieben von Ulrich Wehpke
Es wurde etwas teurer als es vorher gewesen wäre. ;-)

Und dann ist das Geschrei gross:
"Was, wieso das denn? Kann ja garnicht sein! Ist doch NUR..."

Vor kurzem hatte ich eine schöne Schatz-Glasenuhr, die ein Krönungskandidat fast vollständig mit WD-40 geflutet hatte, weil auf der Dose steht: "schmiert fast alles". Wenn das seine Frau wüsste...
:kratz:
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