Schmuckfotografie

Als mich Herr Wagner von Goettgen Media bat, einen kleinen Beitrag über die Fotografie von Schmuck für Nicht-Fotografen zu schreiben, war mein erster Gedanke: Ablehnen! Wem bringt es etwas, aufzuzählen, welche Qualifikationen zum Erstellen guter Fotos von Schmuck nötig sind und wie viel Geld Profi-Equipment kosten kann? Aber: Ein guter Kunde mit Überredungskünsten, ein sympathisches und vielseitiges Informations-Portal mit einer lebendigen Schmuck-Community sind natürlich Argumente genug ein paar Einblicke in die Kunst der Schmuckfotografie zu gewähren

Schmuck richtig fotografieren - Das Problem mit "den kleinen Spiegeln"

  • - Kamera und Co
  • - Licht und Aufbau
  • - Der richtige Blick
  • - Bildbearbeitung

Was sollte man also beachten, wenn man die Zeit und den Anspruch hat, hochwertige Aufnahmen von Ringen, Ketten und anderen Schmuckstücken zu machen? Zugunsten der Übersicht habe ich das Ganze in vier Themenbereiche gegliedert.

1. Kamera und Co

Die richtige Kameraausrüstung ist natürlich von Bedeutung, wird aber meiner Erfahrung nach immer wieder gerne überschätzt. Als Fotograf hört man schon seit einigen Jahren immer mal wieder: "Wir haben uns eine Digitalkamera mit vielen, vielen Megapixeln gekauft. Die war so teuer, da können wir unsere Produktfotos jetzt selber machen." Die Folge war meist ein Anruf wenige Wochen später und ein Auftrag mit Termindruck.

Beim Thema Schmuck ist es nun so, dass man ausschliesslich im Makrobereich (Nahbereich) arbeitet. Das heisst: idealerweise eine Kamera für Wechselobjektive und die Verwendung eines Makroobjektivs. In jedem Fall aber auf gute Leistungen im Makrobereich achten.

Pflicht ist ein Synchronanschluss um externe Blitze auslösen zu können.

Eine Kamera, die ausschliesslich vollautomatisch arbeiten kann ist nicht geeignet. Eines der grössten Probleme in der Makrofotografie ist die fehlende Tiefenschärfe und dem können Sie nur mit einem Mittel begegnen: Abblenden. D.h. die Blendenöffnung verkleinern durch erhöhung der Blendenzahl. Hierfür muss man die Belichtungszeit und Blendenzahl manuell einstellen können. Wenn genügend (Blitz-) Licht vorhanden ist, hiesse das: Belichtungszeit von etwa einer hundertstel Sekunde und mind. Blende 16. Bei einigen Aufnahmen blende ich bis Blende 25 ab, um eine Schärfe über das gesamte Produkt zu bekommen. Dies geht aber nur mit einem vernünftigen Makroobjektiv. Ein weiterer Grund, die automatischen Funktionen der Kamera zu vergessen, ist das Scharfstellen. Im Nahbereich ist jeder noch so gute Autofokus überfordert. Die Schärfe wird per Hand eingestellt.

Nun benötigen Sie noch ein Synchronkabel, um die externen Blitze auszulösen.

Zur Minimalausrüstung gehört noch ein Stativ mit schwenkbarem Kopf. Praktisch ist ein Fernauslöser, damit nicht immer Gesicht und Hand in den glänzenden Flächen verewigt werden.

2. Licht und Aufbau

Bild (unvermeidbare) Einspiegelung Kamera b.z.w. Objektiv
(unvermeidbare) Einspiegelung Kamera b.z.w. Objektiv

Jetzt kommen wir zum wichtigsten Faktor für gute Fotos. Das Licht. Als erstes sollten Sie den eingebauten Blitz Ihrer Kamera (falls vorhanden) ausschalten. Dieser erzeugt nur Totalreflexe und ist für Aufnahmen im Nahbereich nicht geeignet. Die beste Lösung wäre eine Fotoblitzlampe mit Stativ und Softbox. Schmuckstücke haben ja meistens die Eigenschaft hochglänzend (und damit spiegelnd) zu sein. Hält man einen polierten Ring in der Hand, fällt den meistens Menschen gar nicht auf, dass die Wohnzimmerlampe, ihre Hand oder der Pullover sich in dem Ring wiederspiegeln. Macht man jedoch ein Foto, sieht die Zimmerdecke im Ring plötzlich nicht mehr so schön aus. Also spiegelt man eine grosse, lichtdurchflutete, weisse Fläche ein: die Softbox. Wer um den Kauf einer solchen herumkommen möchte, dem sei das Buch „Lowbudgetshooting“ von Cyril Harnischer empfohlen (ISBN 3-00-016166-X). Harnischer beschreibt wie man mit etwas Geschick und Artikeln aus Baumarkt und Drachenbau-Zubehör Softboxen, Hohlkehlen und Aufheller baut, die in ihrer Qualität sehr nah an professionelles Studioequipment herankommen. Weitere Infos: www.lowbudgetshooting.de

Retusche mit Photoshop
Retusche mit Photoshop

Wenn Licht und Aufnahmetisch mit Hohlkehle bereit stehen, brauchen Sie noch die sog. Aufheller. Geeignet ist z.B. ein glänzend-weisses Druckerpapier an einen Holzklotz geklebt. Sehr schöne Glanzreflexe erzeugen Acrylglas-Spiegel, die man durch biegen leicht wölbt und ebenfalls an einen Standfuss fixiert. Der Aufheller wird gegenüber der Lichtquelle nah an das zu fotografierende Objekt gestellt. Das Experimentieren mit Licht und Einspiegelungen kann beginnen.

3. Der richtige Blick

Bild Beispiel für gewollte, harmonische Einspiegelungen
Beispiel für gewollte, harmonische Einspiegelungen

Wie bereits angesprochen, geht es bei Schmuckaufnahmen in erster Linie um schöne und unschöne Einspiegelungen. Hier kann man keine allgemein gültigen Ratschläge geben. Jedes Schmuckstück, jede Aufnahme ist anders. Um den richtigen Blick für solche Aufnahmen zu entwickeln, hilft nur die Praxis. Experimentieren Sie mit dem Winkel der Kamera zum Objekt, verändern Sie den Standort der Lichtquelle und des Aufhellers. Es muss auch nicht immer nur weiss sein, was sich im Material des Schmuckstückes widerspiegelt. Manchmal schaffen schwarze Pappen eine sehr schöne Stimmung. Oder Sie spiegeln ganz bewusst Dinge ein: Setzen Sie das Objekt in eine Umgebung aus Sand, Steinen, Muscheln, Holz...das tut auch dem Bildaufbau gut. Ein kleines Kügelchen aus Knet- oder Dichtungsmasse hilft dabei einen Ring aufrecht auf z.B. einem Stein stehen zu lassen.

4. Bildbearbeitung

Bild In einer eigentlich perfekten Aufnahme -steckt immer noch Potential
In einer eigentlich perfekten Aufnahme
steckt immer noch Potential

Nur kurz vorweg: Ich empfehle (wenn Kamera und Software das hergeben) unbedingt im RAW-Modus zu arbeiten und nicht gleich fertige JPGs oder TIFs aufzunehmen. Das hat den Vorteil, Belichtungskorrekturen und die Entfernung von Farbstichen noch nach der Aufnahme ohne Qualitätsverlust vornehmen zu können.

Potential bei Kontrast-&Tonwertkorrekturen
Potential bei Kontrast- Tonwertkorrekturen

Noch ein allgemeiner Tipp zu guter letzt:

Professionelle Hilfe und Platz für Fragen und Anregungen im Schmuckforum

Die digitale Nachbearbeitung von Bildern spielt wohl in wenigen Sparten der Fotografie eine so grosse Rolle, wie bei Aufnahmen von Uhren und Schmuck. Bei den meisten Aufnahmewinkeln lässt es sich nicht vermeiden, dass sich mindestens die Kamera einspiegelt und nur selten verläuft dieser schwarze Fleck optisch ansprechend. Hier ist die Retusche in dem Programm Adobe Photoshop gefragt. Darüber sind schon viele dicke Bücher geschrieben worden und der Versuch, diese Techniken hier zu erklären, würde den Umfang dieses Artikels sprengen. Für den Photoshop-Anfänger nur so viel: nehmen Sie sich ein paar Tage Zeit und beschäftigen Sie sich zunächst mit dem Stempel-Werkzeug. Auch der Umgang mit Pfaden, Kanälen und dem Polygon-Lasso sind Vorraussetzung zum Entfernen störender Bildelemente. Beispiele solcher Retuschen sehen Sie hier. Sollten Sie nicht die Zeit oder Lust haben, sich intensiv mit diesem Programm zu beschäftigen, so beschränken Sie sich zuerst auf Tonwertkorrekturen und die Einstellung der Kontrastwerte.

Die richtige Kontrast-Einstellung hilft, ein Schmuckstück glänzend und lebendig werden zu lassen. Fotografieren Sie den Schmuck in einem Ambiente wie oben beschrieben (Steine, Sand..oder, oder). Bei vielen bewussten Einspiegelungen, fallen die von Kamera und Stativ nicht so stark ins Gewicht, wie bei einem Foto in der weissen Hohlkehle oder auf dem Leuchttisch.

Wenn Sie aus einem großen Bild der Digital-Kamera nach Bearbeitung ein kleines Bild, z.B. für eine Internetseite, machen möchten, dann arbeiten sie zuerst mit Bildausschnitten, anstatt das gesamte Bild zu verkleinern. Dazu benutzen Sie mit Adobe Photoshop am besten das Freistellungs-Werkzeug oder gehen Sie über das Menü Arbeitsfläche vor. Bei anderen Grafikprogrammen wie zum Beispiel von Corel müssen Sie einfach einen Bildausschnitt mit Hilfe einer Maske definieren, kopieren und als neues Dokument einfügen. Erst nach diesen Arbeiten sollten Sie das Bild , wenn es überhaupt noch nötig ist, verkleinern. Bei starken Verkleinerungen kann ein nachschärfen erforderlich sein.

Wenn Sie doch einmal professionelle Aufnahmen benötigen, stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung. Weitere Infos, Kontaktmöglichkeiten und Beispiele von Schmuck- und Uhrenaufnahmen, finden Sie auf meiner Homepage: www.studioneef.de

Zudem stehe ich auch, so gut es meine Zeit zuläßt, im Schmuckforum im Beitrag über Schmuck Fotografie zur Verfügung.

Ihr
Andreas Neef

Gast-Autor: Das Urheberrecht liegt bei Andreas Neef, das unbefristete Exklusiv-Nutzungsrecht bei Goettgen. Sie dürfen diesen Beitrag jederzeit verlinken, nicht aber kopieren, verbreiten oder in jeglicher anderen Art vervielfältigen!



Archivbeitrag 20.07.2011

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