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Verfasst am: Di, 16. Jun. 2009 08:31 Titel: Ring aus reinem Iridium?
Hallo,
vielleicht kann mir einer der Goldschmiede in diesem Forum meine Frage beantworten?
Ich bin Chemiker und habe durch jahrelange Arbeit irgendwie eine "Beziehung" zu dem Metall Iridium gewonnen.
Ich frage mich seit einiger Zeit, ob Goldschmiede Erfahrung in der Verarbeitung dieses Metalls haben, und zwar in seiner reinen Form mit 99,9% Ir?
Die Eigenschaften wie der hohe Schmelzpunkt und die Härte des Metalls sind ja eigentlich unschön, wenn es um die Verarbeitung geht. Andererseits garantieren sie nahezu unbegrenzte Lebensdauer, insofern Ir das chemisch inerteste Metall überhaupt ist und eben auch mechanisch überragend (anders als reines Gold).
Speziell, erscheint es euch sinnvoll einen Ring aus reinem Ir herzustellen (Farbe dann silberweiß?)? Wieviel würde sowas in etwa kosten (optimalerweise mit zusätzlicher Gravur)? Insbesondere Verarbeitungskosten wären interessant, da ich die Materialkosten selber gut kenne. Hat jemand schon einmal so einen Ring hergestellt? Welche Form hätte das Ausgangsmaterial idealerweise (Pulver? Folie? Band?)?
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 10492 Wohnort: München
Verfasst am: Di, 16. Jun. 2009 11:26 Titel:
Idealerweise wäre es ein Block und man fräst den Ring dann aus dem Vollen.
Das ist ja kein Problem wenn der Kunde den Block liefert. _________________ MfG Butschal
da kein Kollege eine Lichtbogenschmelzeinrichtung besitzt oder anschaffen wird,
und die verarbeitenden industriebetriebe dann wohl eher keine spezielle eingußform für ringe haben,
bleibts wohl beim Fräsen aus dem vollen
die Materialanschaffungskosten steigen natürlich erheblich, weil die späne ja nicht wieder zum vollen preis vom lieferanten des blocks zurückgenommen werden
dazu ist iridium recht spröde, sodaß an ein weitenändern nur durch ausdrehen zu denken ist, enger geht gar nicht
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 10492 Wohnort: München
Verfasst am: Di, 16. Jun. 2009 17:13 Titel:
Hallo Tilo,
Du bist ein Spielverderber und weist gleich sooo vernünftig auf die Kosten hin:
Das wollte ich doch als Überraschung bringen. ))
Ich habe schon solche Anfragen gehabt und als ich meinte kein Problem haben die Augen geglänzt und es hies auch etwas teuer dürfe es sein. Aber bei 20.000 sind sie dann doch eingeknickt. ;-( _________________ MfG Butschal
ist doch eigentlich ein klacks, wenn ich die preise von unserem spezi dieser tage hier lese: der will doch für brillantbesetzte iphone-schalen 77.000 euro haben und hat laut pressemeldungen natürlich schon reichlich interessenten
na warten wir mal ab, was unser gast Iridium dazu sagt
ich hab schon überlegt, wie sich eigentlich die empfangsstärke verändert, wenn ein handy in eine massive metallschale gepackt wird
willst du ihm solche schalen gießen?
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 10492 Wohnort: München
Verfasst am: Di, 16. Jun. 2009 20:05 Titel:
Angeblich verringert sich die Empfangsleistung nur gering. Bei mir, mit traditionell schlechtem Empfang klingelte es während der Besprechung einmal. Es scheint also zu funktionieren.
Aber ich glaube die wollen es selbst machen und wollten sich nur beraten lassen. Ich werde wohl kein großer Handyschalenproduzent. _________________ MfG Butschal
Danke schon mal für die ersten Kommentare (ich hoffe meine Antwort stoppt das Kommentieren nicht, wie in anderen Foren schon geschehen ).
Hmm, jaa en block...hört sich logisch an, erscheint aber auch mir zu teuer...während man 5g Pulver für 100-300 Euro bekommt, kosten 1g Folie schon das doppelte bei meinem Chemikalienbezieher und Blöcke gibt es vermutlich nur auf Wunsch und dann mit extra viel Aufpreis .
Was den Lichtbogenofen betrifft, diese Technik stünde mir sogar zur Verfügung, so daß ich den Rohling evtl. sogar selbst schmelzen könnte (ich könnte mir z.b. eine Kupferelektrode vorstellen mit einer ringförmig ausgefrästen Vertiefung...das wär alles im Bereich des kostenmäßig machbaren). Die Frage ist bloß, ob so ein Ringrohling eine ausreichend hohe Qualität besitzt, um anschließend ohne Bruch verarbeitet zu werden (theoretisch denke ich das schon...man schmilzt das Material ja nahtlos zusammen...aber praktisch passiert vielleicht alles mögliche andere, an das man nicht denkt).
Was die Bohrung betrifft? Wie verhält sich Ir da gegenüber dem Bohrermaterial? Bei Tantal weiß ich, daß man aufgrund dessen Zähigkeit leicht Bohrer und Material ruinieren kann. Ir ist ja auch nicht gerade weich (Mohs 6,5). Oder hilft einem da die Sprödigkeit. Vielleicht weiß auch jemand wie Ir-Tiegel hergestellt werden (tiefgezogen?). Aus denen ließe sich ja evtl. auch ein Ringrohling schneiden...und Tiegel gibt es zumindest auch für Anwendungen zu kaufen, ist also keine Extraanfertigung notwendig...und weniger Materialverschwendung.
Soweit mal meine ersten Gedanken...freu mich auf weitere Diskussionsbeiträge...
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 10492 Wohnort: München
Verfasst am: Mi, 17. Jun. 2009 06:24 Titel:
Beim Übergang von Flüssig zu Fest passiert so unglaublich viel das allein die Literaur im Bereich Eisenlegierungen hunderte von Metern in den Regalen füllt.
Für Edelmetalle wie Gold Silber und Platin gibt es deutlich weniger vielleicht nur ein paar Meter im Regal der Fachbücher.
Das liegt einmal daran, das die Materiallien teurer sind und daher Expermente seltener angesetzt werden und zum anderen daran das für den Schmuckguss z.B. keine lebenswichtigen Abhängigkeiten aus der Qualität der Schmuckgüsse für die Menschheit entstehen. Es ist also weniger im Focus.
Für den Guss von Iridium würde es mich wundern wenn ich mehr als ein paar hundert Seiten in Fachbüchern und Patentämtern weltweit finden würde.
Einfacher zusammengefasst:
Das Thema Iridiumschmuck ist im höchsten Grade experimentell. Und hier noch mit kostenoptimierten Überlegungen anzufangen ist völlig daneben.
Ein Lichtbogen alleine ist da nur ein winziger Baustein des Experiments.
Andererseits, wenn es fertige Tiegel aus Iridium gibt, warum sollte man nicht versuchen daraus einen Ring auszuschneiden?
Ein paar ruinierte Bohrer oder Fräser oder Feilen kosten ja nicht die Welt.
Hast Du einen Link zu Lieferanten dieser Tiegel und die Maße und Wandstärke? _________________ MfG Butschal
mich würde mal interessieren, was denn das preislimit fürs paar wäre
ich denke, daß selbst die tiegel als basis ganz ordentlich kosten werden
und in welchen foren wurde das schon mal diskutiert?
im goldseitenforum gabs z.b. schon mindestens einmal das thema in dem sinne, daß es eben nicht geht, (naja, weil letztlich dafür ne herstellungstechnologie zu entwickeln etwas unwirtschaftlich ist)
ich dachte ja neulich mal daran, rhodium als trauringmaterial zu verwenden:ist angeblich durchaus schmiedbar und pro gramm theoretisch nur etwas teurer als platin, wegen der geringeren dichte aber doch nicht aufs volumen bezogen
tja, das ist aber graue theorie, wenns das zeug nur als pulver gibt, das beim erhitzen nicht mit luft in berührung kommen sollte und massive lieferformen sehr ungewöhnlich und demzufolge deutlich teuer sind, egal was der börsenhandelspreis sagt
ähnlich läufts bei iridium, bloß daß die schmelztemperatur noch höher ist
wenn die experimentiererei im rahmen bleiben soll, bliebe noch in ringe aus edelmetall eine vertiefung zu drehen, in die man versucht, einen iridiumfoliestreifen einzulöten
da es dafür keine fertige technologie gibt, kann selbst das zum nicht ganz billigen experiment mit unverwendbarem ergebnis werden
Was ist denn mit den Herstellern von diversen Platin-Iridium-Legierungen? Die müssten doch in der Lage sein, mit ihren Induktionsschmelzöfen auch reines Iridium zu verarbeiten und einen passenden Rohling herstellen können. _________________ Wenn man nur alle Hobbies zum Beruf machen könnte!
Reg.-Datum: 20.08.2007 Beiträge: 56 Wohnort: München
Verfasst am: Do, 18. Jun. 2009 00:07 Titel:
Hallo Heinrich und Tilo,
auch ich hatte übrigens schon das Vergnügen mit besagter i-phone-Schale....
Habe den ersten Prototyp und den neuesten gesehen, die Entwicklung ist beeindruckend, wie Heinrich schon sagte...
Allerdings ein äußerst gewagtes Projekt, wenn 2 Laien mit nicht einmal Basiswissen in der Edelmetallverarbeitung sich daran wagen, ich denke, da muß man viel Lehrgeld bezahlen, was sicherlich die Entwicklungskosten in goldige Höhen treibt..
"Beim Übergang von Flüssig zu Fest passiert so unglaublich viel das allein die Literaur im Bereich Eisenlegierungen hunderte von Metern in den Regalen füllt."
Ich arbeite selbst mit Legierungen und die Literatur dünnt sich sehr schnell aus, sobald die Probleme spezieller werden. Das trifft auf Elemente sogar fast noch mehr zu (vermutlich weil jeder denkt, da ist nichts mehr zu erforschen).
"mich würde mal interessieren, was denn das preislimit fürs paar wäre"
Ich wäre mit einem Ring zufrieden, will ja nicht heiraten . Mein Limit läge absolut gesprochen bei 5000 Euro...alles andere wäre mehr als dekadent. Ich denke aber, für 1000 Euro müsste auch schon was gehen, bei minimalem Materialverbrauch (Schmelzen oder Schneiden des Rohlings, in Form fräsen, polieren, gravieren...auf keinen Fall aus einem Block).
"Was ist denn mit den Herstellern von diversen Platin-Iridium-Legierungen? Die müssten doch in der Lage sein, mit ihren Induktionsschmelzöfen auch reines Iridium zu verarbeiten und einen passenden Rohling herstellen können."
Die technische Machbarkeit steht für mich außer Frage. Es geht lediglich darum, ob die Kosten astronomisch hoch sind, oder etwa im Rahmen eines vergleichbaren handgefertigten Schmuckstücks liegen könnten.
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 10492 Wohnort: München
Verfasst am: Do, 18. Jun. 2009 07:06 Titel:
Für 5000 Euro wird das wohl mit Sicherheit nichts werden. Du schreibst ja weiter oben selbst, das die Kosten für Blöcke von festem Iridium in astronomische Höhen gehen. Das wird schon gute Gründe haben oder?
Und für 1000 Euro bekommst Du im Geschäft noch nicht einmal einen Platinring nach Wunsch.
Hast Du einen Link zu einem Hersteller von Iridiumtiegeln, diese hattest Du ja erwähnt? _________________ MfG Butschal
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