Uhren bewerten & schätzen
Sie befinden sich im Benutzerbereich unseres Forums.

Schlüssel-Taschenuhr ohne Bezeichnung

 
xelsbär
PostRank 2 / 11
Avatar
Beiträge: 13
Dabei seit: 11 / 2016

xelsbär

 ·  #1
Hallo!
Nun hab ich mich endlich im Forum angemeldet, und möchte zu diesem Guten Stück mal eure Meinung.
Die Uhr wird mit einem Schlüssel aufgezogen und läuft!
Auf dem inneren Deckel steht: Le Roy & Fils
Echappement a cylindre
Quatre trous en Rubis

Die Uhr wiegt ca. 57 Gramm
hat ca. 49 mm Durchmesser ohne Henkel und
ist 10 mm Dick
Der Äußere Deckel scheint aus Gold zu sein kann aber keinen Stempel entdecken, unten hat er einen ganz kleinen Einriss
Ein wenig habe ich über die Firma im Internet gefunden, sie ist aus Paris und hat bis 1980 produziert
Kann mir jemand mehr zu dieser Uhr etwas sagen?
Wann wurde so dieses Stück gebaut?
Was ist so eine Uhr heutzutage Wert?
Kann man so etwas heute verkaufen?
Für eure Bemühungen schon mal vorab besten Dank!
Anhänge an diesem Beitrag
IMG_3890.JPG
Titel: IMG_3890.JPG
IMG_3886.JPG
Titel: IMG_3886.JPG
IMG_3889.JPG
Titel: IMG_3889.JPG
IMG_3887.JPG
Titel: IMG_3887.JPG
Ulrich Wehpke
PostRank 11 / 11
Avatar
Beiträge: 8090
Dabei seit: 08 / 2006

Ulrich Wehpke

 ·  #2
Was ich da sehe, ist ein Billig-(Zylinder-) Werk in einem Goldgehäuse. Eine Uhr, die nach dem Deutsch-französischen Krieg einfach zur Grundausstattung eines Mannes gehörte, der auf sich hielt. Es gab seinerzeit zwar auch schon recht gute Ankerwerke, aber die waren eher den Präzisionsuhren vorbehalten und das war eine ganz andere Preisklasse. Mit der Genauigkeit dieser, extrem gegen Magnetismus empfindlichen Werke, war es denn auch nicht weit her, jedenfalls nach heutigen Begriffen. Man war zufrieden, wen das Schätzeisen nicht mehr als 10 Min. am Tag daneben lag. Gestellt wurden sie ohnehin, mehrfach am Tag, nach der Kirchturmuhr. :-)

Zum Aufziehen und Stellen brauchte man einen kleinen Vierkantschlüssel, der meist mit an der Uhrkette hing. Dies Schlüssel gab es ebenfalls in vielen, mitunter sehr luxuriösen Ausführungen, mit und ohne Goldgriff, mit Steinen und Ratschkupplung usw. Fiel so eine Uhr mal runter, war fast in jedem Fall die Unruhwelle kaputt. Da diese Wellen hohl sind und die beiden offenen Enden mit Stöpseln verschlossen sind, die ihrerseits den Wellenzapfen tragen (sogen. Tampon), ließen sich bei Zapfenschäden diese Tampons auswechseln, so dass man nicht in jedem Fall eine neue Unruhwelle (Zylinder) brauchte. Die Welle hatte eine Öffnung, durch welche das Gangrad (Zylinderrad) in das Innere der Welle eingreifen konnte und mit seinen schrägen, waagerechten Zahnspitzen an der Zylinderöffnung unter Druck en Zylinder in Bewegung, also in Rotation versetzte. Damit der den Zylinder umgebende Unruhreifen nicht durch übermäßige Schwingungen den geordneten Ablauf der Mechanik durcheinander bringen konnte, gab es an seinem äußeren Rand einen so gen. Prellstift, der das Schlimmste verhindern sollte.

Insgesamt also ein zwar zuverlässig ablaufendes Räderwerk, jedoch mit geringer Präzision. Wie aus meiner Beschreibung hervorgeht, hatte diese Art der Hemmung einen sehr hohen Reibungsverlust, was zu einem kräftigen Verschleiß führte. Die Uhrmacher dieser Zeit mussten die sich bildenden Flächen auf den Zähnen der Gangräder solcher Werke, immer wieder nachschleifen, damit die Zahnspitzen wirklich wieder Spitz waren. Wurden die Verschleiß-Flächen zu groß, führte die zu Störungen im Ablauf und damit zu Zuverlässigkeits- u. Genauigkeitsverlusten. Die meisten diese Uhrwerke sind verschwunden, gut erhaltene sind rel. selten. Ersatzteile kaum irgendwo zu ergattern. Einen Uhrmacher zu finden, der sich mit diesen Uhrwerken noch auskennt und der das notwendige Werkzeug dafür noch hat, ist fast unmöglich.

Einen Wert haben diese Uhren nur für interessierte Liebhaber. Heute ist alles den Märkten unterworfen. Sollte Dir allerdings eine Girard Perregaux aus der 2. Hälfte des 19-ten Jahrh. in die Hände fallen, dann sieht die Sache schon anders aus. So bleibt Dir nur der Goldwert.
Juwelfix
Mod-Teamleiter
Avatar
Beiträge: 6728
Dabei seit: 09 / 2007

Juwelfix

 ·  #3
xelsbär
PostRank 2 / 11
Avatar
Beiträge: 13
Dabei seit: 11 / 2016

xelsbär

 ·  #4
Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Wieder was gelernt! :D
xelsbär
PostRank 2 / 11
Avatar
Beiträge: 13
Dabei seit: 11 / 2016

xelsbär

 ·  #5
Vielen Dank!
Für Eure Antworten.
Ja den Riss hatte ich in der Beschreibung kurz erwähnt.
inzwischen wurde das gute Stück geschlachtet. Es blieben 14,8 gr 750/ooo Gold.
Schade und da hat sich vor 100 Jahren ein Uhrmacher so viel Mühe gegeben.
Ulrich Wehpke
PostRank 11 / 11
Avatar
Beiträge: 8090
Dabei seit: 08 / 2006

Ulrich Wehpke

 ·  #6
Vielleicht auch interessant:

Normalerweise werden/wurden Uhren immer in Manufakturen gefertigt. Jeder der am Herstellungsprozess Beteiligten, hat/te eine eng umrissene, sehr spezielle Aufgabe.

Es wird sehr oft angenommen, dass der Uhrmacher die Uhren "machte" oder "macht", also hergestellt hat, oder herstellt. Sehr vereinzelt war und ist dies auch der Fall. Der Beruf des Uhrmachers ("macht/e" die Uhren wieder heile, - also funktionsfähig usw.) als ganzes jedoch, ist er wahrscheinlich der erste reinrassige Servic-Beruf und damit der erste moderne seiner Art.
xelsbär
PostRank 2 / 11
Avatar
Beiträge: 13
Dabei seit: 11 / 2016

xelsbär

 ·  #7
Vielen Dank für die Info!
Ja ich hab mir das bisher schon ein wenig anders vorgestellt.
Ist spannend.
Aus unserem Shop


Empfohlen von Kathrin
Schmuck
Uhren
Gewählte Zitate für Mehrfachzitierung:   0