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Verfasst am: Do, 28. Jul. 2005 09:45 Titel: Amazon will Schmuck und Kleider verkaufen
Zitat:
...Amazon verkauft über das Internet Produkte wie CDs und DVDs, Elektronik, Bücher und Haushaltsartikel. Nun plant der Konzern auch in Deutschland eine Ausweitung des Angebots. „Auf der deutschen Webseite würde ich gerne Kleider, Schmuck und Sportartikel anbieten“, sagte Piacentini. Einen Zeitpunkt für die Einführung nannte er nicht...
Quelle und Gesamter Text:
Handelsblatt (leider funzt der link nicht, da zu lang! bitte selber GOOGLE-NEWS suche "amazon schmuck")
grosse Unternehmen können sich das leisten und zum Großkaufhaus expandieren, ohne Rücksicht auf den Einzelhandel, den sie damit abtöten
wenn ich dagegen zu meinem Schmucksortiment Württemberger Trollinger, Spätzle und Schwäbische Maultaschen packen würde, wäre ich vollends am Ende _________________ Bei mir findet ihr:
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 11153 Wohnort: München
Verfasst am: Do, 28. Jul. 2005 16:42 Titel:
Hallo Bigi,
Emerald hat Folgendes geschrieben:
oh
auf der einen Seite bin ich geschockt-wieder ein Nichtfachhändler, der als Riese ähnlich wie unsere TV Kandidaten uns den Rang abrennt.
....
Nun ja ich halte nichts davon-denn das macht uns kleine onlineshops dann vollends kaputt
wir sollten jedoch der Zukunft ins Auge sehen und nicht nur die Veränderungen beklagen.
Der Trend geht seit mehr als 50 Jahren zur Konzentration und zur Konsolidierung. Wer nicht dramatisch wachsen kann, muss sich Nischen suchen oder er wird vom Markt verschwinden.
Kleine Onlineshops können in Nischenmärkten durchaus gut leben, auch in Zukunft. Nur muss es wirklich eine Nische sein, die zu speziell-kompliziert-aufwändig ist, als das sie für Großunternehmen erreichbar ist.
Ich sehe z.B. hier einen Fahrradhändler der vor 2 Jahren begonnen hat und enormes Engagement gezeigt hat, mit wehenden Fahnen untergehen.
Bei den neuen Rädern ist er zu teuer am Markt, in seinem Fachgebiet (Reparatur und Wartung) ist er zu billig, weil er hier keinen Erfolg vermutet.
Die Suche nach ertragreichen Konzepten für Juweliere/Schmuckhersteller ist nicht einfach. _________________ MfG Butschal
Habe mir Deinen Beitrag wenigstens 10 mal durchgelesen.
Ideen, Fleiß und Durchsetzungsvermögen spreche ich mir zu, doch wo bitte sollte es für einen kleinen Schmuck Online shop Nischen geben?
Mir ist da überhaupt keine Idee gekommen, die auch nur ansatzweise realistisch wäre
Die Zukunft wäre dann, wie ironisch abgedeutet, ein Mischsortiment. Ansonsten fällt mir mal ausnahmsweise gar nichts ein.
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 11153 Wohnort: München
Verfasst am: Fr, 29. Jul. 2005 09:26 Titel:
Meine Eltern haben vor etlichen Jahren in der Briennerstr ein Juweliergeschäft von René Kern angeboten bekommen und gekauft.
Der Vorbesitzer hatte in Düsseldorf an der Kö sein Hauptgeschäft, in München eine Filiale, in Paris eine Filiale und in Zürich ein Atelier.
Das alles hatte er in wenigen Jahren in einer Art "Flucht nach vorne" aufgebaut.
Zu dem Zeitpunkt lag er nach einem Schlaganfall in Reha.
Also auch nicht das richtige.
Mein Vater, Alfred Butschal, baute in diesem Juweliergeschäft eine größere Werkstatt in den rückwärigen Räumen ein und fertigte mit bis zu 12 Goldschmieden (vom Lehrling bis zum Meister) die Schmuckstücke, die im Jahresmittel 35 % des Gesamtumsatzes erbrachten.
Das Geschäft war ertragreich. Es wäre deutlich weniger ertragreich gewesen wenn der Eigenfertigungsanteil nicht so extrem hoch gewesen wäre. In der Geschäftslage gab es auch die Nachfrage nach Maßanfertigungen. Also ein Glücksfall.
Heute würde das Konzept nicht mehr funktionieren.
In den 90er habe ich für eine Österreichische Schmuckkette technische Beratung gemacht. Sie hatten sich unter anderem auf die Fertigung von Eheringen innerhalb von 24 Stunden spezialisiert. Und das zu österreichischem, also sehr günstigen Preisniveau. Ein Jahr später waren sie pleite, weil sie sich mit dem Kauf einer zweiten ungarischen Juwelierskette übernommen hatten.
Die Flucht nach vorne, in die Größe ist zumindest mit Risiken behaftet.
Ich denke man sollte sich auf seine indivuellen Stärken besinnen. Z.B.
Habe ich ein Kundenklientel, das ich fest binden kann?
Vielleicht aufgrund meiner Persönlichkeit, Lage des Geschäftes, sozialer Bindungen.
Dann sollte man hier einsetzen und kann dann für dieses Klientel zum Vollsortimenter werden.
Habe ich vielleicht ein Produkt das Singulär ist?
Einen speziellen Lieferanten mit Gebietsschutz, oder ein Eigenprodukt oder ein nicht kopierbares Sortiment.
Dann kann man hier den Vertrieb ausbauen.
Aber als Einzelhändler mit Standardsortiment in durchschnittlicher Geschäftslage wird es eher eng mit der Kalkulation und mit Margen. Vielleicht hülfe hier noch ein innovatives Betriebskonzept, das deutlich niedrigere Betriebskosten verursacht und dadurch einen Wettbewerbsvorteil darstellt.
@Bigi
Zur Konzentration und Konsolidierung
Mitte des 20 Jhd gab es in München und in anderen Städten mehrere Dutzend Großhändler für Schmuckbedarf und Schmuck. Sie kauften von Schmuckfabriken und hatte Ihr Geschäft meistens in Etagenbüros.
Nach Geschäftsschluß ging der Juwelier dorthin und kaufte nach was er am Tag verkauft hatte sowie für Bestellungen, die er angenommen hatte.
Dann gab es Großhändler, die auf die Idee kamen die Juwelier mit Kollektionskoffern zu besuchen. Schon 20 Jahre später hatten die größeren Schmuckfabriken eigene Handelsvertreter, die sie direkt zu den Juwelieren sandten und denen sie teilweise auch günstigere Angebote machten.
Heut gibt es in München weniger als 5 Großhändler, die Juweliere beliefern und diese haben sich meist extrem spezalisiert und arbeiten nicht nur regional.
Eine Handelsstufe ist damit praktisch weggefallen.
Dann kamen die Katalogversender, Kaufhausketten, und jetzt auch die Privatsender auf die Idee, Schmuck direkt an den Endkunden zu bringen.
Die zweite Handelsstufe, der Einzelhandel, ist in die Zange genommen, Ausgang offen aber absehbar. Das hat nichts mit einer schwachen Wachstumsrate oder einer Krise in Deutschland zu tun. Diese verschärft das Problem nur.
In Zukunft werden Hersteller in eigenen oder assoziierten Vertriebsnetzen dirket an den Endkunden verkaufen.
Lücken für kleinere Unternehmen bleiben nur dort, wo sich der apparitive Aufwand für die Großen nicht lohnt, das Kundensegment zu klein ist, die Produkte zu komplex sind und ähnliches. _________________ MfG Butschal
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