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Verfasst am: Sa, 14. Mai. 2011 15:06 Titel: Ausbildung zum Goldschmiedemeister
Hallo allerseits!
Ich bin Auszubildende Goldschmiedin im dritten Lehrjahr und an dem Punkt, wo ich mir überlegen muss, wie es weitergeht. Ich hätte sehr gerne eine gute Anstellung um zusätzliche Erfahrungen zu sammeln, aber zusätzlich möchte ich zur Sicherheit den Weg ebnen um im Notfall gleich mit der Meisterprüfung anzufangen.
Ich wohne im Saarland, sehe aber kein Problem für eine gute Stelle oder Schule woanders hinzuziehen.
Leider habe ich bemerkt, dass es nirgendwo gute Informationsquellen gibt, was die Möglichkeiten betrifft, seinen Meister zu machen. Deswegen meine Fragen:
Was gibt es für Möglichkeiten in welchem Rahmen den Goldschmiedemeister zu machen?
Wo und unter welchen Bedingungen habt ihr selbst den Meister gemacht?
Was ist zu empfehlen?
Ich hoffe auf ein paar Antworten, vielen Dank schon mal!
Zuletzt bearbeitet von AlisaVéronique am Mo, 16. Mai. 2011 19:35, insgesamt einmal bearbeitet
Ich weiß zwar nicht, wo Du Deine Informationen zusammensuchst, aber die einschlägigen Arbeitsämter und Handwerkskammern haben da normalerweise immer Infomaterial da.
Meine Empfehlung generell ist, mach erst mal ein paar Jährchen reine Gesellenzeit am Werktisch, hinter der Ladentheke, um weiter ins Goldschmieden reinzukommen, mehr zu lernen, Dich zu verbessern, als jetzt schon an den Meistertitel zu denken. Es hatte schon seinen guten Grund vor der Novellierung der Handwerksordnung, wieso man mindestens 3 aktive Jahre als Geselle vorweisen mußte, um sich überhaupt an eine Meisterschule anmelden zu dürfen.
Meisterschule ist eine Sache, die man zum einen per Abendschule über einen Zeitraum von 2 Jahren machen kann. Das ist sehr arbeitsintensiv und anstrengend, da man nach einem Arbeitstag noch zur Meisterschule fahren muß und noch ein paar Stunden was lernen möchte und dann noch Hausaufgaben etc. erledigen muß. Das schaffst Du nur, wenn Du sonst einen guten Rückhalt hast, sowohl familiär, finanziell als auch betrieblich.
Zum anderen gibt es die einjährige Vollzeitausbildung an der Meisterschule, wo Du einen normalen Schulalltag mit Theorie und Praxis im Klassenverband verfolgst. Für mich die entspanntere und lustigere Angelegenheit. Finanzierung ist möglich durch das Meisterbafög, das durch die kfw angeboten wird. So oder so wirst Du trotzdem noch ein bißchen weitere finanzielle Unterstützung brauchen und für Dein Meisterstück einiges an Geld mitbringen dürfen.
Beides, Abendschule oder Vollzeitschule, kostet Geld (Schulgebühren, Materialgeld, Werkzeug, Prüfungsgebühren).
Zum Thema wo? Zum Saarland liegt Kaiserslautern am nächsten, dann gibts noch Pforzheim, Hanau, München, Würzburg, Kaufbeuren/Neugablonz... Frag doch auch mal in Deiner Berufschule nach, wo man sich hinwenden kann. Die sollten das erst recht wissen.
Ich habe nach drei Gesellenjahren in Pforzheim die Meisterschule Vollzeit besucht und möchte diese Zeit nicht mehr missen. Der Erfahrungsaustausch zwischen meinem Meister und meinen Kollegen war klasse und wir hatten sehr viel Spaß dabei. Wenn Du das konkret finanziell wissen willst. Für die ganze Zeit (1 Schuljahr) habe ich rund für Schule, Leben und Meisterstück sparsame 10.000€ ausgegeben (andere haben mehr bezahlt).
Ergänzend muß ich aus eigener Erfahrung sagen, daß Weiterbildungen und Meistertitel äußerst hinderlich sind, eine Arbeitsstelle als Goldschmied zu bekommen
Reg.-Datum: 23.10.2006 Beiträge: 1656 Wohnort: Bad Salzuflen
Verfasst am: Sa, 14. Mai. 2011 16:55 Titel:
Hier noch eine weitere Möglichkeit. Du kannst auch die zwei-jährige Fachschule in Essen besuchen - Ausbildung zum staatl. gepr. Gestalter - Meisterprüfung ist dort nach der Zeit ebenfalls möglich (in D-dorf).
Die Zeit (zwei Jahre) wird der Gesellenzeit zugerechnet. _________________ Goldschmiedemeister Mario Sarto
Feine Goldschmiedearbeiten, Hand-Gravuren, Edelstein-Fassen, Unikate in Gold, Platin, Palladium und Silber
@ tatze-1:
Vielen Dank erst mal, dass du dir Zeit für die Antwort genommen hast.
Ich bin mir über die Konsequenzen (von wegen keine Stelle finden und so) durchaus im Klaren. Ich würde auch viel lieber erst etwas Erfahrung sammeln, sehr gerne sogar. Aber auch da muss ich erst mal eine Stelle finden. Ich hätte gerne mehrere Eisen im Feuer, zum Beispiel einen Platz an einer Meisterschule, bevor ich mich auf die Suche nach einer Gesellenstelle mache. Deswegen frag ich.
Auch das die Handwerkskammern durchaus Inormationen haben weiß ich. Das Problem ist nur, dass jedes mittelgroße Gebiet in Deutschland eine eigene Handwerkskammer hat, es gibt da nichts Übergreifendes, deswegen der Versuch über dieses wunderbare Forum.
Hauptsächlich bringe ich mein Anliegen hier vor, weil ich natürlich gerne eine GUTE Meisterschule besuchen würde. Ich hab über Pforzheim auch schon viel Gutes gehört. Als ich allerdings dort war, fand ich die Optik eher etwas enttäuschend. Hanau dagegen sah wirklich toll aus, aber da hab ich noch gar nichts über die Meisterprüfungen gehört.
Den Gestalter möchte ich eigentlich nicht machen, auch kein Schmuckdesign studieren...wenn es allerdings andere Wege der Fortbildung gäbe (Graveur, Fasser....) wäre ich schon wieder interessiert.
@Zirkonhead:
Vielen Dank auch für deine Antwort! Ich bin mir bei Kaiserslautern ziemlich unsicher...Es ist zwar in der Nähe, aber viel Gutes hab ich da weder gehört noch gesehen. Hast du da eine Prüfung abgelegt?
@Mario Sarto:
Danke für die Antwort! Ich glaube in Essen war ich schon mal an der Schule wegen eines Goldschmiedewettbewerbs letztes Jahr. Ich wusste allerdings nicht (wenn das die Schule ist), dass man da auch den Meister machen kann, sah alles eher nach Azubis aus.
zum Beispiel einen Platz an einer Meisterschule, bevor ich mich auf die Suche nach einer Gesellenstelle mache.
Einen Platz an der Meisterschule haste schneller als einen Job als Gesellin. Daher würde ich wenn dann das Ganze umgekehrt angehen. Erst auf Gesellenstellensuche gehen und wenn sich ein Mißerfolg abzeichnet, dann bei der Meisterschule bewerben (ist ja dann auch fraglich, ob genau in dem Jahr ein Meisterkurs zustandekommt).
Zitat:
Das Problem ist nur, dass jedes mittelgroße Gebiet in Deutschland eine eigene Handwerkskammer hat, es gibt da nichts Übergreifendes, deswegen der Versuch über dieses wunderbare Forum.
In Sachen Infos zu Meisterschulen sollte eine Handwerkskammer nicht nur regionale Informationen auf Lager haben, sondern bundesweite Infos.
So exklusiv brauchen die sich gar nicht geben, denn so exklusiv sind die nicht
Zitat:
Hauptsächlich bringe ich mein Anliegen hier vor, weil ich natürlich gerne eine GUTE Meisterschule besuchen würde. Ich hab über Pforzheim auch schon viel Gutes gehört. Als ich allerdings dort war, fand ich die Optik eher etwas enttäuschend. Hanau dagegen sah wirklich toll aus, aber da hab ich noch gar nichts über die Meisterprüfungen gehört.
Wenn's nur an der Optik liegt. Das ist in Pforzheim die liebenswerte Nachkriegsoptik. Kannste nix dagegen tun. Der Qualität der Ausbildung tuts keinen Abbruch, im Gegenteil. Pforzheim ist eine weltweit renommierte und akzeptierte Schule. Der Ausbildungs- und Prüfungsstandart ist sehr hoch dort.
In Hanau war ich bis jetzt nur zur Aufnahmeprüfung der Berufsfachschule. Weiteres kann ich zu der Schule nicht sagen.
Wer seine Meisterprüfungen publik macht, z.B. in der GZ, das hängt von der Schule/Innung/HWK ab. Von daher liest man auch immer nur von Pforzheim, Münster, München, Dortmund, Idar-Oberstein und Braunschweig und nur selten von anderen.
Zitat:
wenn es allerdings andere Wege der Fortbildung gäbe (Graveur, Fasser....) wäre ich schon wieder interessiert.
Gravieren bzw. Ziselieren, Fassen, Silberschmieden, Edelsteinkunde (inkl. Edelsteinbestimmung im Labor) sind alles Fächer, die standartmäßig nicht nur auf dem Meisterstundenplan in Pforzheim stehen. Die kriegste im Preis inbegriffen beigebracht bzw. weiter vertieft.
Zitat:
Ich glaube in Essen war ich schon mal an der Schule wegen eines Goldschmiedewettbewerbs letztes Jahr. Ich wusste allerdings nicht (wenn das die Schule ist), dass man da auch den Meister machen kann, sah alles eher nach Azubis aus.
Essen hat auch eine Meisterschule. Der Meisterkurs stellt beispielsweise einige seiner Arbeiten immer auf der Inhorgenta aus. Guck einfach mal auf die Homepage von denen oder bimmel mal bei Herrn Breucker an, der kann Dir bestimmt einiges erzählen.
Und um noch ein bißchen nördlicher zu gehen: Im Handwerkerbildungszentrum HBZ in Münster werden auch Meisterkurse z.B. bei Herrn Mach angeboten.
Reg.-Datum: 23.10.2006 Beiträge: 1656 Wohnort: Bad Salzuflen
Verfasst am: Mo, 16. Mai. 2011 22:54 Titel: Re: Ausbildung zum Goldschmiedemeister
AlisaVéronique hat Folgendes geschrieben:
..., aber zusätzlich möchte ich zur Sicherheit den Weg ebnen um im Notfall gleich mit der Meisterprüfung anzufangen. ....
Was versprichst Du Dir denn vom Meistertitel? _________________ Goldschmiedemeister Mario Sarto
Feine Goldschmiedearbeiten, Hand-Gravuren, Edelstein-Fassen, Unikate in Gold, Platin, Palladium und Silber
Einen Platz an der Meisterschule haste schneller als einen Job als Gesellin. Daher würde ich wenn dann das Ganze umgekehrt angehen. Erst auf Gesellenstellensuche gehen und wenn sich ein Mißerfolg abzeichnet, dann bei der Meisterschule bewerben
Ich dachte mir, dass das einfach eine Frage des Zeitmanagements ist. Ich hab mir sagen lassen, dass man sich für die Meisterschule nächstes Jahr am besten jetzt schon bewerben sollte, während Goldschmiede entweder Gesellen suchen oder eben nicht. Das wollte ich möglichst dann machen, wenn mein Entwurf zum Gesellenstück steht.
Zitat:
In Sachen Infos zu Meisterschulen sollte eine Handwerkskammer nicht nur regionale Informationen auf Lager haben, sondern bundesweite Infos.
Kaum zu glauben, auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommen ...bisher war die handwerkskammer mir keine große Hilfe, vllt tue ich ihr ja unrecht....
Zitat:
Guck einfach mal auf die Homepage von denen oder bimmel mal bei Herrn Breucker an, der kann Dir bestimmt einiges erzählen.
Aaaah ja, dann war das die Schule. Den hatte ich damals schon wegen dem Wettbewerb am Telefon.
Zitat:
Was versprichst Du Dir denn vom Meistertitel?
Ich habe darüber ziemlich lange nachgedacht und festgestellt, dass ich vermutlich schon lange auf dem Weg in eine Selbsständigkeit bin. Ich engagiere mich sehr viel in diesem Beruf, nehme an Erfahrung alles mit was geht und möchte eigentlich gerne eigene Entscheidungen treffen. Abgesehen davon will ich natürlich auch davon leben können, was in einem Angestelltenverhältnis wohl eher schwierig ist (ich weiß, ein eigenes Geschäft ist ein großes Risiko, doch wenigstens mit Aussicht auf Erfolg...). Wenn ich eine Traumstelle bekommen würde, dann sag ich natürlich nicht nein, aber sonst verlass ich mich doch lieber auf mich selbst. Meine Werkstatt ist komplett eingerichtet und wartet nur auf mich
Ich hab mal von einem Intensiv-Meisterkurs gehört (4 Monate, oder so), gibt es dazu Meinungen/Erfahrungen?
Reg.-Datum: 23.10.2006 Beiträge: 1656 Wohnort: Bad Salzuflen
Verfasst am: Di, 17. Mai. 2011 19:58 Titel:
AlisaVéronique hat Folgendes geschrieben:
Mario Sarto hat Folgendes geschrieben:
Was versprichst Du Dir denn vom Meistertitel?
Ich habe darüber ziemlich lange nachgedacht und festgestellt, dass ich vermutlich schon lange auf dem Weg in eine Selbsständigkeit bin
....
Meine Werkstatt ist komplett eingerichtet und wartet nur auf mich
Das alles erklärt nicht, was Du Dir vom Meistertitel versprichst. Seit 2004 braucht es keinerlei Ausbildung, um sich im Goldschmiedehandwerk selbständig zu machen. Der Beruf ist zugangsfrei. Jeder, der mag, darf.
Wenn also Deine fertig eingerichtete Werkstatt wartet, was hält Dich davon ab, sofort selbstständig zu sein? Den Meister braucht es jedenfalls nicht.
? _________________ Goldschmiedemeister Mario Sarto
Feine Goldschmiedearbeiten, Hand-Gravuren, Edelstein-Fassen, Unikate in Gold, Platin, Palladium und Silber
Ich hab mir sagen lassen, dass man sich für die Meisterschule nächstes Jahr am besten jetzt schon bewerben sollte
Die Schulen haben normalerweise Bewerbungsfristen. Ich hatte damals das Glück, daß ich mich noch bewerben durfte. Ich wurde Ende Juni zum Ende Juli gekündigt, habe mich direkt beworben, bekam Mitte Juli Bescheid, hab direkt Meisterbafög beantragt, Wohnung gesucht und bezogen und Anfang September mit der Schule begonnen. Quasi ne 2-Monats-Hauruckaktion. Du siehst, sowas braucht nicht unnötigerweise eine jahrelange Vorplanung.
Zitat:
Ich hab mal von einem Intensiv-Meisterkurs gehört (4 Monate, oder so), gibt es dazu Meinungen/Erfahrungen?
wenn es sowas gibt, dann halte ich nicht viel davon. Wenn ich nur daran denke, wieviel gelernt werden muß (Recht, Berufs- und Arbeitspädagogik, Technologie, Rechnungswesen (Buchhaltung, Controlling), Kalkulation, Geschichte der Goldschmiedekunst, Edelsteinkunde, Mathe, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde etc). Dafür hat mein Schuljahr locker gereicht, um mich jeden Tag inkl. Hausaufgaben komplett zu beschäftigen. Wenn ich mir vorstelle, das in 4 Monaten reinzupauken - neee *grusel*
Das alles erklärt nicht, was Du Dir vom Meistertitel versprichst. Seit 2004 braucht es keinerlei Ausbildung, um sich im Goldschmiedehandwerk selbständig zu machen.
Drei Gründe:
Erstens: Der Meister ist Ehrensache. Einfach, weil ich es will
Zweitens: Ich möchte gerne wenigstens die Möglichkeit haben auch auszubilden und das kann, korregiere mich, wenn ich falsch liege, ohne Meister nicht
Drittens:
Also Goldschmied mit einem Laden Fuss zu fassen ist eh schon schwer, ich denke, dass es für Kunden wesentlich, wenn auch manchmal zu Unrecht, vertrauenswürdiger aussieht, wenn es sich um einen Meisterbetrieb handelt. Und einen Meister anstellen? Dafür bin ich mir zu schade.
Also ist es eine simple Wenn-dann-Frage, Wenn eigenes Geschäft, dann vorher Meister.
Zitat:
Quasi ne 2-Monats-Hauruckaktion. Du siehst, sowas braucht nicht unnötigerweise eine jahrelange Vorplanung.
Dann hoffe ich mal, dass die Zeiten sich nicht so sehr geändert haben
Reg.-Datum: 23.10.2006 Beiträge: 1656 Wohnort: Bad Salzuflen
Verfasst am: Do, 19. Mai. 2011 14:03 Titel:
AlisaVéronique hat Folgendes geschrieben:
... korregiere mich, wenn ich falsch liege, ...
Ist hiermit geschehen. Auch dafür musst Du nicht den Meistertitel haben.
Grund eins gefällt mir - ich drücke die Daumen! _________________ Goldschmiedemeister Mario Sarto
Feine Goldschmiedearbeiten, Hand-Gravuren, Edelstein-Fassen, Unikate in Gold, Platin, Palladium und Silber
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 11142 Wohnort: München
Verfasst am: Fr, 20. Mai. 2011 08:05 Titel:
Mir gefällt der erste Grund auch. Ich finde es immer gut wenn man lernen will. Für ein eigenes Geschäft ist der Meister eine gute Voraussetzung, wenn auch die betriebswirtschaftliche Ausbildung sinnvoll weiter zu vertiefen wäre.
Der Werbeeffekt bei Kunden, denke ich, wird oft überschätzt. _________________ MfG Butschal
Reg.-Datum: 09.07.2005 Beiträge: 11142 Wohnort: München
Verfasst am: Fr, 20. Mai. 2011 19:24 Titel:
Du brauchst eine Ausbilderberechtigung, die bekommst Du evtl. nach einer kleinen Prüfung aber eben auch ohne Meistertitel. _________________ MfG Butschal
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