Journal / BlogHandgravieren – ein altes KunsthandwerkVon Redaktion, Goettgen Schmuckjournal, 14. April 2008
Blue Sign Nicole Lydia Sprissler Handgravuren Zu Besuch bei Nicole Lydia Sprissler / Blue Sign.Das Handgravieren ist ein Kunsthandwerk, dessen Entstehung bis in die Urzeit der Menschheit zurückreicht. Zu allen Zeiten wurden Schneidewerkzeuge verwendet um Gegenstände oder Schmuck zu verzieren.In alten Zeiten war es fast unumgänglich, dass ein speziell angefertigtes Schmuckstück auch eine Handgravur trug. Schmuckstücke bekamen dadurch die ganz eigene persönliche Note des Trägers oder seines Schenkers und wurden damit ganz selbstverständlich zum Spiegel eigener Werte. Die Kunst des Gravierens wurde im 14. Jahrhundert mit dem Kupferstich bekannt. Einer der berühmtesten „Kupferstecher“ war Albrecht Dürer, der zu seiner Zeit die Kupferdruckstöcke für seine berühmten Drucke schnitt und dieses Kunsthandwerk damit zu einer Blütezeit brachte.Von Wappen über ganz eigene Widmungen, oft als Faksimile bis über Monogramme und Initialen wurden Gravuren vom Handgraveur mittels eines Edelmetall schneidenden Werkzeuges, dem Stichel, von Hand eingebracht.Auch heute arbeitet der sehr selten gewordene Berufszweig des Handgraveurs noch mit denselben Werkzeugen. Anzeige
Wir wollten ein bisschen mehr über dieses heute überwiegend durch Maschinen ersetze Handwerk erfahren. Was genau macht ein Handgraveur, mit welchen Werkzeugen und Techniken arbeitet er genau?Wir sprachen mit Nicole Lydia Sprissler, die vor 13 Jahren ihre 4jährige Ausbildung zur Graveurin A Bijouterie in der Schweiz abschloss und in Sigmaringen (schwäbische Alb), selbständig für Goldschmieden aus Deutschland und der Schweiz arbeitet. Für sie ist der Beruf des Handgraveurs ein Traumberuf, da er viele unterschiedliche Arbeitsbereiche birgt.
Die wichtigste Vorraussetzung für diesen Beruf, ist ein hohes zeichnerisches Können, da jedes Motiv, das graviert werden soll erst einmal von Hand auf den zu gravierenden Gegenstand verkleinert oder vergrössert aufgezeichnet und anschliessend fixiert und graviert wird. Je besser die Zeichnung also, desto exakter die Handgravur. Dabei arbeitet der Handgraveur auf Kundenwunsch, nach Vorlage oder nach eigenem Entwurf. Das Gravieren ist eine Spanabhebende Tätigkeit, die der Handgraveur mittels unterschiedlichster Stichel ausübt, ebenso arbeitet er mit Meisseln und Punzen und dem Ziselierhammer, die besonders im Bereich der Reliefgravur zum Einsatz kommen. Es gibt unterschiedliche Arten der Gravur, Hauptarbeitsbereiche von Fr. Sprissler sind der Flachstich und die Reliefgravur.
„Ein guter Handgraveur, stellt sein Werkzeug auch selbst her“ sagt Frau Sprissler, so sei es ihm möglich, seine Stichel optimal auf die Grösse seiner Hand anzupassen und je nach gewünschter Benutzungsweise auch den Aufschliff der Bahn und den Schnittwinkel zu bestimmen. So gibt es zum Beispiel stark abgekröpfte Stichel, die von Vorteil sind, wenn an einer stark vertieften Stelle eine Gravur angebracht werden soll.Der Glanz einer Handgravur ist etwas einmaliges, welcher so von einer maschinell hergestellten Gravur nicht erreicht werden kann, abhängig natürlich auch von der Politur und Pflege des Werkzeuges.Durch das Abheben von Spänen, lassen sich unterschiedlich tiefe, feine oder auch starke Linien stechen, mit dem Flachstichel graviert man zum Beispiel den so genannten „Schatten“, der Schreibschriften wie der „englischen Schreibschrift“ mit seinem Ganzstich, ihre Besonderheit verleiht. Eine eher einfachere Art des Gravierens ist das „tremblieren“, das durch eine Art Schaukelbewegung des Flachstichels auf dem Metall eine Zick-Zacklinie entstehen lässt, die, bringt man sie kreuz und quer an, eine zwischen fein und grob variierende kornmatte Fläche entstehen lässt.
Ein weiterer Arbeitsbereich von Fr. Sprissler und früher eine eigene Berufsgruppe der Graveure, stellten die „Stecher“ dar, die auf glyptische Arbeitsbereiche spezialisiert waren, dabei geht es um Siegelstempel oder Petschaften, man nannte sie „Siegelgraber“ oder „Petschierer“. Früher war der Beruf des Graveurs ein sehr verbreiteter Beruf und es gab Spezialisten in den unterschiedlichsten Bereichen, eine Gravur wurde nicht zwingend in der Werkstatt eines Goldschmieds gefertigt, doch heute gibt es leider nur noch einige wenige Könner auf diesem Bereich, da sich den Luxus dieses traditionellen Handwerks nicht mehr jeder leisten will und auch kann...
Weitere Infos finden Sie auf der Website von Nicole Lydia Sprissler: www.blue-signs.de KommentareNoch kein Kommentar abgegeben. Vielleicht kommt der erste von Ihnen? Kommentieren
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