Michelangelo und edle Schmucksteine

Die Natur als Mutter aller Farben

Seit es Menschen gibt, schmücken wir uns mit Edelsteinen, bei denen uns nicht zuletzt ihr dauerhafter und intensiver Farbglanz besticht - Eigenschaften, die nicht nur bei wertvollen Schmuckstücken gefragt sind, sondern auch auf einem ganz anderen Gebiet menschlicher Kunstfertigkeit eine wichtige Rolle spielen: Der Malerei. Brillanz der Farbe, Tiefe, Leuchtkraft und Beständigkeit gegen äußere Einflüsse und den Zahn der Zeit sind jene entscheidenden Kriterien, die sowohl die Schönheit eines Steins als auch die Qualität eines Farbstoffes ausmachen.

Das prinzipielle Herstellungsrezept für Farben ist ziemlich einfach: Man zermahle Farbiges in winzige Einzelteilchen, die Farb-Pigmente, und vermische diese mit einem Bindemittel wie Öl oder Eigelb zu einer weichen Masse, mit der dann leicht gemalt werden kann. Edelsteine sind für diesen Prozess selbstverständlich genauso geeignet wie anderes Farbiges und verfügen zudem schon von Haus aus über alles, was eine Farbe haben soll, sofern sie zusätzlich nur eine einzige Bedingung erfüllen: Sie dürfen nicht zu hart sein, um mit einfachen Mitteln zerkleinert werden zu können. So finden sich (fast) alle etwas weicheren Edelsteine, die nach etwas veralteter, heute wegen ihres herabwürdigenden Beigeschmacks verpönter Nomenklatur "Halbedelsteine" genannt werden und die in einem der gewünschten Farbtöne glänzen, in kleinsten Teilchen als Farbschicht auf den Werken alter Meister. 

Lapislazuli - das begehrte Ultramarin

Ein die Malerei des Mittelalters weit bis ins 19. Jahrhundert prägendes Beispiel ist das dunkle, irisierend-leuchtende Blau des Lapislazuli. Dieser intensive Farbton weckte schon im alten Ägypten die Begehrlichkeiten nicht nur derer, die schönen Schmuck besitzen wollten, sondern auch derer, die wertvolle Kunstwerke in Auftrag gaben. Lapis Lazuli oder Lapis Lazul, der blaue Stein, der, auch mit "Lasurstein" übersetzt, Namensgeber für eine wichtige Technik der Malerei, der Lasurtechnik, war, bezeichnet mit seinem zweiten Namen "Ultramarin" heute noch seine eigene Farbe und weist zugleich auf seinen Wert und seine Seltenheit hin: Denn von ultramarin, von jenseits des Meeres, genauer aus dem Hindukusch, musste er im Mittelalter beschwerlich nach Mitteleuropa importiert werden. Entsprechend wertvoll waren Gemälde, die Ultramarin enthielten. Während das seltene und leuchtende Blau gerne in sakralen Werken in Form des nachtblauen Himmels- und Schutzmantels der Maria benutzt wurde, orderten weltliche Auftraggeber, die ihren Reichtum und ihre Wichtigkeit auch in Portraits zur Schau stellen wollten, Ultramarin speziell und mussten für diesen Sonderwunsch auch in der Regel den Künstler, der die Farbe selbst herstellte, vorab bezahlen.

Edelsteine als pure Farbe

Nicht nur Lapislazuli, viele andere Edelsteine wurden immer dann im wahrsten Sinne des Wortes zur Farbe, sobald keine kostengünstige Alternative im Form organischen Materials existierte - und oft genug gab es nichts, was einem Edelstein an dauerhafter Farbpracht gleichkam. So sind Farbbezeichnungen wie Azur, Smaragd oder Türkis durchaus doppeldeutig. Mit " Azur" ist nicht nur das Azurblau des Himmels gemeint, sondern ebenso die aus dem Azurit gewonnenen Farbpigmente, Smaragd steht dementsprechend für Farbmasse aus dem tiefgrün-schillernden Malachit, türkise Töne wurden durch Zerkleinern von Türkisen hergestellt. Nicht nur Lapislazuli, viele andere Edelsteine wurden immer dann im wahrsten Sinne des Wortes zur Farbe, sobald keine kostengünstige Alternative im Form organischen Materials existierte - und oft genug gab es nichts, was einem Edelstein an dauerhafter Farbpracht gleichkam. So sind Farbbezeichnungen wie Azur, Smaragd oder Türkis durchaus doppeldeutig. Mit " Azur" ist nicht nur das Azurblau des Himmels gemeint, sondern ebenso die aus dem Azurit gewonnenen Farbpigmente, Smaragd steht dementsprechend für Farbmasse aus dem tiefgrün-schillernden Malachit, türkise Töne wurden durch Zerkleinern von Türkisen hergestellt. Heliotrop, Beryll, Jaspis, Jade, wie sie alle heißen: Jeder dieser Steine, der die begehrte Farbbrillanz und Farbechtheit, aber auch eine gewisse, zur Verarbeitung nötige Weichheit besitzt, wurde irgendwann im Laufe der Geschichte selbst zur Farbe.

Synthetische Farben aus synthetischen Steinen

In der Malerei und Farbherstellung, bei der es nicht wie bei edlem Schmuck auf die Gesamtschönheit eines Steines ankommt, existieren seit etwa 150 Jahren Alternativen zu diesen farbprächtigen, aber auch teuren Ausgangsmaterialien. Die meisten dieser mineralischen Farbstoffe, d.h. Edelsteine, werden in ihrer chemischen Zusammensetzung synthetisch rekonstruiert und bilden heute eine preisgünstige Variante des ehemaligen Farbstoffes. Das berühmte echte Ultramarin aus Lapislazuli bleibt wie viele andere Farbtöne aus Halbedelsteinen nur noch Reproduktionen oder Restaurationen vorbehalten.


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