Die japanischen Wunderfarben: Rot transparent für Silber

Email und Silber

Jeder, der sich mit Email beschäftigt, kennt die Probleme mit transparenten Email-Rottönen auf Silber. Die meisten dieser Emails werden schon nach dem ersten Brand hässlich opak braun. Auch das Unterlegen von Silberfondant oder von Goldfolie hilft nur begrenzt. Unterfängt man transparente Rottöne mit Silberfondant, überstehen die Rottöne meist nur 1-2 Brände, um dann doch trüb zu werden.

Unterlegt man Goldfolie besteht immer die Gefahr, dass das rote Email doch irgendwo Kontakt zum Silber bekommt und sofort zu opakem Braun umschlägt. Grund ist die chemische Unverträglichkeit zwischen Silber und der Rezeptur der transparenten Rottöne. In Japan wurde vor einigen Jahren eine neue Rezeptur für transparente rote Email entwickelt, die die vorgenannten Nachteile nicht haben. Die englische Emailkünstlerin Sarah Wilson hat mit diesen Emails experimentiert und die Ergebnisse im Rundbrief der englischen Emailkünstler „GLASS, British Society of Enamellers, Winter 2001“ veröffentlicht. Mit ihrer Genehmigung habe ich den Artikel übersetzt und im Coburger Emailrundbrief veröffentlicht.

Nach vielem hin und her, mehre­ren Briefen und Faxen, langem Warten und mit Hilfe von Vitrum Signum und einem japanischen Kollegen ist es mir endlich gelungen, die vielgelobten japanischen Emails Rubinrot 105 A und das dunklere Rubinrot 105 B zu bekommen. Ich muß sagen, die Emails sind die Wartezeiten und den Frust wert.

Meine Anfangsversuche auf Feinsilber produzierten jene Ergebnisse, auf die ich gehofft hatte. Die beiden Emails, direkt auf Feinsilber gebrannt, ergeben ein echtes Rubinrot, wobei 105 B etwas dunkler als das 105 A ist. Es gab keine unliebsamen Reaktionen, wie sie mit anderen transparenten Rots direkt auf Silber entstehen, wo die Farben immer dunkler und opaker werden und letztendlich "tot" aussehen.

Werden die beiden Emails über SOYE 3 (Anmerkung des Übersetzers: SOYE 3 ist ein hervorragendes, auch nach vielen Bränden noch glasklares Silberfondant der "Cristallerie de Saint-paul", Moulin de saint paul de ribes, b. p. 4, 57920 Condant-sur­Vienrie, Frankreich) gebrannt, entsteht eine Farbe, die man etwa mit "kirschrotem Rosa" beschreiben könnte, wobei wieder 105 B einen etwas tiefe­ren, reicheren Farbton ergibt.

Ich habe diese beiden Kujaku­ Emails zusammen mit anderen Emails auf Silberschmuck ange­wendet und finde, dass sie sich auch bei wiederholtem Brennen kaum verändern. Da sie nicht "weich" sind und keinen nied­rigeren Brand erfordern, können sie auch mit härteren, d. h. höher schmelzenden Emails zusammen aufgetragen und ge­brannt werden. Z. B. 105 B zusammen verarbeitet mit SOYE 177 und SOYE 604 ergab, dass das Schwarz und das türkise Grau bereits glattgeschmolzen waren, während das Rot noch eine leichte Orangenhaut zeigte mithin noch etwas unterfeuert war. Ich brannte das Werkstück dann nochmals bei etwas höherer Temperatur um ein gutes Aus­schmelzen zu erreichen.

Die geschliffene Oberfläche überprüfte ich mit meinen gewissenhaften "Goldschmied­Auge" und fand sie sauber und absolut porenfrei. Ich stelle meinen Brennofen immer auf knapp unter 1000. C ein, da ich der Meinung bin, dass ein kurzes scharfes Brennen zu helleren und klareren Farben führt. Aber auch als ich das Kajuku Rot auf einer größeren Arbeit verwende­te, dem "Herbstlichen Silber­becher" wo auf Grund der Bechergröße und der Stärke des Silberbleches die Brände viel langsamer vonstatten gehen, und obwohl ich nicht widerstehen kann, die Ofentüre zwischendurch immer wieder zu öffnen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, war das 105 B nach den Bränden klar und feurig.

Ich habe die beiden Emails zum Ätzen in 10%ige Schwefelsäure gegeben. Die Emails "blühten" nicht aus, aber wie bei allen Rottönen angeraten, ließ ich sie so kurz wie möglich in der Säure.

105 A und 105 B direkt auf 750 Gelbgold aufgetragen, ergeben nach dem Brand ein helles zinnienfarbiges Rot und auf 750 Weißgold ein tiefes, ordinäres Blutrot. Als ich die Farben auf Weißgold jedoch mit SOYE 3 Silberfondant oder einem ande­ren bläulichen Silberfondant (SOYE 2A, ST17) unterlegte, war ich sehr zufrieden, dass beide ein tiefes, volles Cyklamrot ergaben. Leider konnte ich den Versuch auf Gelbgold nicht durchführen.

Es gibt allerdings ein Kontra zu all den Pros und das ist der Preis. Die Kujuku Emails sind wahrhaftig nicht billig, aber das macht sie auch um so wertvoller.

Hier noch einige zusätzliche Hinweise des Übersetzers:

Bild Farbproben einiger japanischer Emails auf Silber
Farbproben einiger japanischer Emails auf Silber

Die japanischen Emails sind für Schmuckkünstler sehr zu empfeh­len, zumal viele zarte Töne angeboten werden, die sonst nirgendwo erhältlich sind. Die transparenten Emails sind von höchster Leuchtkraft und Bril­lanz. Bestätigen kann ich auch, dass die Oberfläche der Emails nach dem Schleifen so gut wie porenfrei ist. Die hier ange­sprochenen Rottöne 105 A + B direkt auf Feinsilber überste­hen problemlos mehrere Brände. Ist der Auftrag zu dünn, ten­diert die Farbe zu einem gel­blichen Braun. Trägt man aber nochmals das 105 A oder B nach, wird die Farbe rubinrot mit einem leichten Braunstich.

Zu empfehlen ist auch das japani­sche Silberfondant N 1. Es steht auf Silber glasklar und lässt sich nach meinen Erfahrun­gen auch mit den meisten trans­parenten Schauer- und Christal­lerie de St. Paul-Emails pro­blemlos verarbeiten. Die Be­schaffung via Japan ist wirk­lich etwas problematisch. Trotzdem hier zwei Adressen:

1) BISO - Co. Daitomo Bldg. 4F, 2-7, sojobashi-higashi, Higas­hiyama-ku, Kyoto 60S, Japan, Fax von Deutschland: 0081-75­551-9202

2) Ninomiya Color Shippo Co, No. 3-10-19 Shirahata, Urawa­Shi, Saitama Pre., Japan, Fax: 0081-488-66-0488

Problemlos klappt der Versand via USA:

1) Enamelwork Supply Co., 1022 N. E. 68th Street, Seattle WA 98115 USA,

2) Enamel Emporium, 14441 Memorial Dr. . 7, Houston, TX 77079 USA

Zur Ergänzung noch die Adresse der französischen Christallerie:

Christallerie de Saint paul, Houlin de Saint paul de Ribes, B. P. 4, F-87920 Condant-sur­ Vienne, Fax: 0033-5 55 39 01 79

Besonders empfehlenswert sind hier die Emails: Silberfondant F-3 (glasklar auf Silber, ohne jeden Gelbstich) und die Ober­fang-Fondants 619 (weich) und 518 (etwas härter). Nach meiner Erfahrung mit den japanischen und vielen Schauer-Emails problemlos zu verarbeiten.

Ergänzende Webadressen:

Zur Ergänzung noch die HP-Adresse der englischen Emailkünstler: http://www.enamellers.org/
wo Sie weitere Infos zum Emaillieren finden, so wie die Adresse meiner Website: http://www.emailkunst.de

Hier finden Sie u. a. Den "Coburger Emailrundbrief" mit aktuellen Infos zum Emailarbeit.
Fragen zum Email können Sie stellen an: massow [at] emailkunst [dot] de .


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